Mitte Mai hat die Bundesregierung bekanntgegeben, dass für den Neubau und die Sanierung von 270 Schulen ein Konjunkturpaket von 2,4 Milliarden Euro für die nächsten zehn Jahre zur Verfügung gestellt wird. Dieses Vorziehen von oft dringend notwendigen Investitionen soll nicht nur die Schulgebäude ökologischer, moderner und digitaler machen, sondern auch der Bauwirtschaft wichtige Impulse geben. Wenn man von dem üblichen Schlüssel von drei Prozent der Bausumme für Bodenkonstruktionen ausgeht, dann sind das immerhin an die 80 Millionen Euro, die in die Taschen von den über 1.000 heimischen Estrich- und Bodenlegerbetriebe fließen werden. Das sind schöne Aussichten und bringt doch etwas Hoffnung, dass mit diesen Maßnahmen die erwarteten Rückgänge in anderen Bereichen etwas kompensiert werden können.
Denn wir dürfen uns alle nichts vormachen. Nicht nur in der Gastronomie und in der Hotellerie, besonders im tourismusstarken Westen des Landes, werden die Renovierungs- und Neubautätigkeiten aufgrund der für heuer sehr schwach erwarteten Tourismuszahlen (die Konjunkturforscher rechnen mit bis zu 60 (!) Prozent Minus) spätestens im nächsten Jahr stark zurückgehen.
Aber das ist leider noch nicht alles. Während man beim Wohnbau mit keinen oder nur leichten Rückgängen rechnet, wird auch der Büromarkt durch den neuen Trend zum Home-Office sicher auch in Mitleidenschaft gezogen werden. Wenn nur 20 oder 30 Prozent der Büroflächen durch Desk-Sharing wegfallen, werden im gleichen Ausmaß langfristig gesehen weniger Bodenbeläge zu verlegen sein.
Was kann ein Objekteur in einer solchen Situation machen, um die erwarteten Rückgänge auszugleichen? Der Zug hin zur hochwertigen Privatkundschaft oder zum gehobenen Bauträger-Objekt wird sich sicher noch weiter verstärken. Es ist nur zu hoffen, dass in diesem bisher doch gewinnträchtigen Geschäftssegment nicht auch ein solch ruinöser Preiskampf beginnen wird, wie man ihn bereits im Objektgeschäft seit Jahren sehen kann.
Nur wer Gewinne macht, kann auf Dauer überleben. Das galt schon vor der Corona-Krise, jetzt und nachher noch mehr.
Thomas Mayrhofer
