PVC-Verlegungen in Bädern sind eine knifflige Sache. Vor allem, wenn auch die Innenwände der Dusche mit dem Bodenbelags-Material ausgekleidet werden sollen. Rainer Ewert, Inhaber der Firma Teppich Ewert in Stralsund, erläutert, wie es geht.
Barrierefrei aus einem Stück
Schrumpeliger und hügeliger hätte man sich den Boden im Bad kaum vorstellen können, erinnert sich Ewert an seinen ersten Ortstermin im Pfarrhaus der Kirchengemeinde Voigdehagen bei Stralsund, einem Haus aus dem Jahr 1891. „Es war ein Sammelsurium von fest liegenden Fliesen aus verschiedenen Jahrzehnten mit Höhendifferenzen bis zu 20 mm.“ Im Zuge der Sanierung des gesamten Pfarrhauses sollte das Bad allerdings zugleich ein völlig neues Bad-Konzept erhalten.
Eine alte Duschtasse wurde aus- und eine barrierefreie neue Duschkabine mit neuen Seitenwänden aufgebaut. Dabei sollte der Boden (ca. 1,80 m u 5 m) durchgängig mit demselben Belag in der Kabine und außerhalb verlegt werden. Um auch das letzte Eintrittsrisiko von Wasser in den Untergrund auszuräumen, entschied sich Ewert, den Belag in einem Stück zu verlegen.
Fliesenbestand standfest überspachteln
Zunächst reinigte er den alten Fliesenbestand gründlich, grundierte die Fläche mit einer bereits innerhalb etwa einer Stunde aushärtenden Schnellsperrgrundierung und streute sie mit Quarzsand ab, um durch die so geschaffene Haftbrücke eine sichere Verbindung des Untergrundes mit der aufliegenden Spachtelschicht zu erreichen.
Nach diesen Vorbereitungen konnte die Fläche nivelliert werden. Zunächst wurden die großen Höhenunterschiede mit einem standfesten Renovier-Ausgleich ausgeglichen. Um eine optimale Oberfläche für den später zu verlegenden rutschfesten Wetroom-Belag zu erhalten, spachtelte Ewert die Fläche anschließend mit einem selbstverlaufenden Ausgleich.
Eine spezielle Herangehensweise erforderte der Bodeneinlauf in der Dusche. Dort musste der alte Boden herausgestemmt werden, um später in der barrierefreien Kabine von allen Seiten schräg auf den neuen runden Purus-Bodeneinlauf zulaufen zu können.
Ohne die Beseitigung dieser Fliesen wäre der Aufbau zu hoch ausgefallen. Den Kunststoffeinlauf stützte Ewert mit einer Hilfskonstruktion aus folienumwickelten Holzstegen. Anschließend stabilisierte er die Konstruktion durch Auffüllen der Zwischenräume ebenfalls mit der standfesten Spachtelmasse.
Im nächsten Schritt wurden die Kantenläufe im gesamten Badezimmer von Wand und Boden sowie die Wandkanten der neuen Duschkabine mit Gummi-Hohlkehlprofilen abgerundet.
Dazu klebte Ewert zunächst einen Streifen Trockenklebeband umlaufend an die Unterkante der Wand. Nachdem die schützende Papierfolie abgezogen war, reichte es aus, das Hohlkehlprofil (20 u 20 mm) leicht gegen das doppelseitige Klebeband zu drücken, um es festzusetzen.
„Da die Leisten nur an der Wand befestigt sind, lassen sie sich in einem gewissen Spielraum noch schieben und endgültig fixieren“, meint Ewert. „Später, wenn der Belag als Hohlkehle ausgebildet ist, wird das Profil automatisch fest auf dem Boden gehalten.“ Das verwendete extrem haftstarke Klebeband lässt sich auf den verschiedensten Untergründen einsetzen - unter anderem auch auf Gips und Keramik. Den Bodenumlauf in der Duschkabine und die Stoßkanten der Duschseitenwände bereitete Ewert nach gleichem Muster auf.
Hier setzte Ewert allerdings ein breiteres Gummiprofil (25 mm u 25 mm) ein, um an der Wand gefälligere Rundungen zu erhalten. Ewert: „Entscheidend ist, dass die Kehlen, die von oben kommen, optimal an die beiden am Boden liegenden Kanten anschließen, damit sich kein Hohlraum bildet.“
Feuchtigkeit erreicht die Trockenklebstoffe nicht
Erfahrungen mit Trockenklebstoffen im Nassbereich hat Ewert bereits im letzten Jahr gesammelt, als er den zirka 60 m² großen Kinderspielbereich im Stralsunder Spaßbad „Hansedom“ sanierte. Mit dieser Arbeit gewann er im Rahmen des zweiten bundesweit ausgeschriebenen Thomsit-Qualitätswettbewerbs „Qualität zeichnet Sie aus!“ die Teilnahme an der Thomsit Tryall Tour 2010.
„Feuchtigkeit erreicht die Trockenklebstoffe nicht, kann ihnen deshalb auch nichts anhaben“, erläutert Ewert. „Wir haben in mehreren Objekten nachgewiesen, dass sie kleben und auch den Belag dauerhaft und sicher halten.“
In der Frage der Bodenbelagsklebung entschied sich Ewert damals ebenfalls für einen Trockenklebstoff. Durch die vielen Verwinkelungen des schmal und lang geschnittenen Raumes wäre ein Nasskleber kaum zu handhaben gewesen. Die Ablüftephasen hätten den Arbeitsfluss ständig unnötig unterbrochen. „Klebefolien sind in solchen Situationen deutlich rationeller und effizienter“, sagt Ewert. Nachdem die Hohlkehlen fixiert und der Boden sauber abgesaugt war, legte ihn Ewert vollflächig mit Thomsit DT 200 Quick-Lift-Gewebe für die Trockenklebung von Textil-, PVC-, CV- und Kautschukbelägen aus. Der Randbereich des Raumes wurde wegen des besseren Handlings vorher mit dem baugleichen, aber nur 50 mm breiten „DT 800“ versehen.
Störrische Kanten und Knickstellen erwärmen
Doch zurück zum Bad. Ewert legte den für Nassbereiche geeigneten Bodenbelag auf die Trockenklebstoffe.
Um die einzelnen Teilflächen leichter bearbeiten zu können, schnitt er den Belag zunächst grob zu und begann ihn von der durchgehenden Längswand in die Duschkabine hinein fest auf die vorbereiteten Trockenklebebänder zu kleben. Weil der Bodenbelag relativ störrisch ist, musste er an den Kanten und Knickstellen mit einem Heißluftgerät erwärmt werden. So ließ er sich leichter biegen und schmiegte sich beim Erkalten eng an den Untergrund an.
Die Innen- und Außenecken der Hohlkehlen wurden sauber und wasserdicht verschweißt. Ebenfalls mit Hilfe von Wärme wurde der Belag über dem Bodeneinlauf geschmeidig gemacht und mit dem zum Ablauf gehörigen Federring vorschriftsmäßig eingedichtet.
Mit dem später aufgesetzten Flusensieb ergab das eine perfekte Optik und Funktionalität. Um im weiteren Arbeitsfluss keine Zeit zu verlieren, schob der Bodenspezialist nun die ersten Arbeitsschritte an der Innenwand der Duschkabine ein, ehe er weitere Teile des Bodenbelags befestigte. Grundiert hatte er die drei Rigipsflächen bereits tags zuvor mit einem Vorstrich im Verhältnis 1 : 1. Nun maß er die für die Wandklebung benötigte Belagfläche in einem Stück aus und trug einen Kontaktkleber mit einer Lammfellrolle sowohl satt auf die Wand als auch - in einem Nachbarraum - dünn auf den Rücken des ausgewählten Belags auf. So lüfteten beide Flächen ab, während er in der Zwischenzeit den Bodenbelag weiter verlegte. Nach rund 35 Minuten (Fingerprobe) konnte der Bodenbelag an der Innenwand der Duschkabine angebracht werden.
Zu Schlingen zusammen rollen, Rückstände vermeiden
Zu mehreren Schlingen zusammengerollt trug Ewert den vorgeklebten PVC in die Kabine. „Wenn der Belag derartig trocken zusammengerollt ist, hat man hinterher keine Rückstände an der Oberfläche“, sagt Ewert. In der Höhe ausgelotet arbeitete er sich von der Mitte der Kabinenrückwand zu den Außenseiten mit dem Reibbrett vor.
In Höhe der Wasseranschlüsse und im Bereich der Hohlkehlen erwärmte Ewert den Belag wieder, damit er sich auch hier sauber und anschmiegsam verarbeiten ließ. Nachdem die Kabinen-Innenwand fertig geklebt war, verlegte Ewert den restlichen Belag auf dem Boden.-