„Fast ganz Europa beneidet uns“
bwd Herr Praschl, worum geht es bei den EuroSkills für Österreich?
Praschl Es geht nicht nur um das Messen der individuellen Fertigkeiten der Teilnehmer, sondern vielmehr um eine Standortbestimmung für unser heimisches Ausbildungssystem. Damit können wir feststellen, wo wir im internationalen Vergleich mit unserer Ausbildung stehen.
bwd Wie beurteilen Sie die Ausbildung in Österreich?
Praschl Fast ganz Europa beneidet uns um unser duales Ausbildungssystem. Während von 50 Ländern nur Deutschland und die Schweiz den Nachwuchs wie wir in den Betrieben und in den Berufsschulen ausbilden, haben die restlichen 47 Länder ein reines Schulsystem.
bwd Wo liegt dabei der Unterschied?
Praschl Den Unterschied sieht man in der Praxis ganz deutlich. Während die Jugendlichen, die aus der Schule kommen, beim Auftauchen eines Problems unsicher werden oder keine Lösung finden, sind die in der Praxis bewährten Junghandwerker einfach in der Lage, auch neue Probleme und Schwierigkeiten zu lösen. Wir werden für unser erfolgreiches System, welches als „Nebeneffekt“ auch noch eine ganz niedere Arbeitslosenrate unter den Jugendlichen bringt, beneidet. Diese Anstrengungen bei der Verbesserung der Ausbildung dürfen allerdings nie aufhören, im Gegenteil, wir müssen sie noch verstärken.
bwd Wie geht das konkret?
Praschl Wir müssen nicht nur neue Lehrberufsbilder, wie z. B. den Mechatroniker, schaffen, sondern auch die bestehenden Berufsbilder ständig modernisieren. Nachdem die Entwicklungen in allen Bereichen immer schneller gehen, müssen wir uns darauf einstellen.
bwd Wie unterstützen Sie die Vorbereitungen für die EuroSkills konkret?
Praschl Wir sind nicht nur die Trägerplattform, die alles koordiniert und alle Stellen einbindet, sondern unterstützen im Vorfeld die Teilnehmer beim Mentaltraining oder durch Kurse in Fachenglisch, da der gesamte Wettbewerb in der internationalen Standardsprache abgehalten wird. Im Fachlichen mischen wir uns nicht ein, da sind alle bestens durch die jeweiligen Experten vorbereitet. Die Leistungsdichte steigt erfreulicherweise von Teilnahme zu Teilnahme.
bwd Herr Praschl, wie sehen Sie das aktuelle Image der Lehre in Österreich?
Praschl Es ist in den letzten Jahren deutlich besser geworden, es gilt aber, in der Werbung und Imagebildung nicht nachzulassen, sondern zuzulegen. Das Modell „Lehre mit Matura“ wird immer mehr angenommen und zeigt, dass eine Lehre keine Sackgasse, sondern das Fundament für eine tolle Karriere sein kann. Ich bin stolz auf unser System und auf unsere Lehrlinge.