bwd im Gespräch Josef Schwaiger, geschäftsführender Gesellschafter der Firma Pios Handel und Beteiligungs GmbH „Noch näher zum Kunden“

Mehr als ein halbes Jahr ist es her, dass Josef Schwaiger die Verantwortung bei dem kärntnerischen Parkettproduzenten Vito übernommen hat. Über die Idee dahinter und seine Pläne für die Zukunft sprach er mit bwd -Österreich-Redakteur Thomas Mayrhofer in Wien.

Josef Schwaiger. - © VITO Parkettproduktion GesmbH

„Noch näher zum Kunden“

bwd Herr Schwaiger, am 30. Juni 2008 ist Ihr zweiter Geschäftsführer Georg Grün ausgeschieden. War dies bei der Übernahme von Vito im Dezember so geplant?

Schwaiger Wir haben gemeinsam einen harmonischen Übergang geplant und dies ist uns auch gelungen. Ich bin neben dem technischen Geschäftsführer Norbert Sommerauer und dem Finanzchef Karl Walder für die Bereiche Vertrieb, Marketing und Strategie veranwortlich und habe die Gesamtsteuerung übernommen. Georg Grün bleibt weiterhin Gesellschafter der Vito und steht uns auch in Zukunft beratend zur Seite.

bwd Wie war die Situation bei der Übernahme und wie stellt sie sich jetzt für Sie dar?

Schwaiger Wir haben eine gute Parkettfabrik mit einer Markenproduktion übernommen, die im Profisegment gut verankert ist, auch und gerade im Export. Mit der Blockverleimung haben wir ein starkes technisches Zusatzargument für den Verkauf.

bwd In Österreich hat man aber von Vito in den letzten Jahren wenig gehört.

Schwaiger Es wurde ein starker Fokus auf den Export gelegt und vielleicht im Inland das gesamte Potenzial nicht vollständig ausgeschöpft. Ich bin angetreten, um dies zu ändern.

bwd Wie groß ist die Kapazität im Werk St. Veit und wie steht es mit der derzeitigen Auslastung?

Schwaiger Wir haben eine Produktionsmöglichkeit von 1,2 Millionen Quadratmeter. Wir haben jetzt schon eine gute Auslastung und planen im kommenden Jahr diese Menge zu produzieren und zu verkaufen.

bwd Manche Märkte werden in der Branche als stagnierend oder gar rückläufig bezeichnet. Dazu kommen noch sinkende Margen. Wie sehen Sie als langjähriger Branchenprofi die Situation?

Schwaiger Es wird sicher nicht einfacher. Durch die Krise in Amerika kommen plötzlich riesige Mengen an Parkett in Europa auf den Markt. Dies drückt natürlich auf die Preise, was sicher noch eine Zeit lang anhalten wird. Ich spüre eine generelle Kaufzurückhaltung und merke, dass Entscheidungen einfach länger brauchen.

bwd Wie halten Sie da dagegen? Wo liegt Ihr Erfolgspotenzial?

Schwaiger Wir gehen sehr strategisch vor und agieren marktnah. Dies bedeutet, dass unser Sortiment nicht nur einen besonderen Designanspruch und beste Technik für den Profiverarbeiter hat, sondern auch für jeden einzelnen Markt speziell ausgerichtet ist. Mit unserer großen Produktfamilie können wir alle gehobenen Ansprüche in den verschiedensten Holzarten und Sortierungen abdecken. Durch unsere flexible Produktion sind wir auch für größere Objekte sehr rasch lieferfähig.

bwd In welchen Ländern wollen Sie Ihren Absatz forcieren, wo wollen sie wachsen?

Schwaiger Ich sehe große Chancen in den aufstrebenden Märkten in Zentral- und Südosteuropa. Auch in Russland und der Türkei werden wir aktiv werden. Nicht zuletzt hat Vito auch noch großes Potenzial in Österreich. Hier heißt die Devise: Noch näher zum Kunden. Wir haben daher am 1. Mai ein Lager in Innsbruck eröffnet, um im Westen noch rascher liefern zu können.

bwd Wie sieht Ihr Marketingplan, auch speziell für die Fachmessen aus?

Schwaiger Wir werden das Marketing stark forcieren. Dabei werde ich von Erwin Seher bestens unterstützt. Wir wollen die Marke Vito, unsere technischen Vorteile der Blockverleimung sowie unseren Gestaltungsanspruch in vielen Hölzern und Dimensionen noch mehr hervorheben und am Markt kommunizieren. Im Messesektor sind wir auch sehr aktiv. Wir waren auf der Mosbuild und auf Messen in Mailand und Slowenien mit Partnern vor Ort vertreten. Im Vordergrund steht aber die Devise, auf die Anforderungen der Kunden zu reagieren. Das erfordert zielgerichtete Aktivitäten. Als eigentümergeführtes Unternehmen mit einer schlanken Struktur ist hier einfach vieles möglich.

bwd Kurzer Themenwechsel. Wie steht es um die Vermarktung des Schleifroboters, den Sie vor eineinhalb Jahren präsentiert haben?

Schwaiger Die vielen Praxistests haben uns noch einiges an Entwicklungsarbeit aufgegeben, die jetzt praktisch abgeschlossen ist. Durch mein neues Engagement für die Vito habe ich allerdings nicht mehr genug Zeit, um die weltweite Vermarktung des Schleifroboters selbst durchzuziehen. Wir suchen daher einen eigenen Vertriebsbeauftragten, der allerdings sehr viele Eigenschaften wie Techniker, Handwerker und Verkäufer vereinen soll. Das ist nicht ganz einfach.

bwd Wie ist Ihr persönliches Resumee der letzten Monate und wo wollen sie in drei Jahren stehen?

Schwaiger Die Vito-Übernahme war sicher ein Risiko, wenn auch ein kalkuliertes für mich. Ich wollte aber schon immer einmal selbstständig sein und meine Ideen auf eigene Rechnung durchziehen. Ich bin mit meinen Partnern, die alle untereinander sehr gut harmonieren, sicher, dass wir unsere gesteckten Ziele erreichen werden. Ich hoffe, dass wir schon in absehbarer Zeit über eine Ausweitung der Produktionskapazitäten sprechen müssen.Thomas Mayrhofer

t.mayrhofer@deta.at