Nicht nur Reinigungsfirmen sind gefordert, wenn ein Schaden nach der Reinigung reklamiert wird. Oft kommt es vor, dass der Bodenleger beschuldigt wird, einen ungeeigneten Bodenbelag empfohlen und verlegt zu haben. Speziell das Thema „Verkratzungen“ taucht in der jüngsten Vergangenheit immer öfter auf.
Kratzer trotz richtiger Farbwahl
Die Häufung von Reklamationen war Grund genug für Ing. Brigitta Colbert, Leiterin der Abteilung Reinigung im ÖTI, eine umfassende Untersuchung dieser Problematik durchzuführen. Die Ergebnisse wurden dem Fachpublikum auf der Austrofloor im November 2008 vorgestellt.
In der Praxis verlässt sich der Reiniger oder auch der Bodenleger, sofern er Reinigungsarbeiten selbst ausführt, auf die Angaben der Hersteller, welche Padfarbe, die eine bestimmte Wirkungsweise signalisiert, einzusetzen ist. Was aber passiert, wenn ein Pad eine viel stärker abrasive Wirkung hat als es laut Farbskala eigentlich haben sollte? Der Bodenbelag bekommt dadurch mehr oder weniger starke Kratzer, die bisweilen nur die Optik stören. Im schlimmsten Fall wird der gesamte Bodenbelag zerstört.
Wie die Untersuchung des ÖTI ergeben hat, sind manche Pads schlichtweg zu stark abrasiv eingestellt. So wirkte in je einem Fall ein grünes und ein blaues Pad, welches für die Unterhaltsreinigung zu verwenden ist, wie ein schwarzes, welches für das Abtragen von alten Pflegemittelschichten zum Einsatz kommt. Im Gegensatz dazu war ein schwarzes Pad zu wenig abrasiv und konnte die alten Pflegemittelschichten nicht gründlich entfernen. Die Folge dieses für einen Reiniger nicht zu erkennenden Fehlers: Der gesamte beanstandete Boden musste infolge der starken Verkratzung ausgetauscht werden. Über die Kosten wird vermutlich dann vor Gericht gestritten.
Farbcodierung bringt keine Gewissheit
Was kann nun ein Bodenleger machen, damit er nicht in diese Gefahr gerät? Verlassen sollte er sich nicht nur auf die Farbcodierung, sondern muss immer die Herstellerangaben für den Einsatzbereich beachten. Unbedingt sollte er die Produktdatenblätter lesen, um zu erfahren, welches Pad für welche Reinigungsmaßnahme zugelassen ist.
Wie schon die Untersuchung gezeigt hat, ist Farbe nicht gleich Farbe. So kann es eben bei der Anwendung von Pads gleicher Farbe von unterschiedlichen Herstellern zu Verletzungen und Zerkratzungen der Bodenbelagoberfläche kommen.
Ingesamt wäre es für das bodenlegende Handwerk sicherlich wünschenswert, wenn sich die international tätigen Hersteller der Reinigungsscheiben auf eine verbindliche Klassifizierung einigen, die eine wirkliche Vereinheitlichung und damit Sicherheit für alle Anwender bringen würde, forderte Ing. Brigitta Colbert vom ÖTI in ihrem Vortrag.
Thomas Mayrhofer