
Von Portugal- oder Mittelmeerreisen kennt man die typischen Korkeichen, die viele Teile dieser Regionen prägen. Die geschälten Bäume bilden ganze Korkeichenwälder, wobei die intensiv braun bis roten geschälten Stämme häufig mit Ziffern gekennzeichnet sind. Um die Bedeutung dieser Ziffern besser zu verstehen, muss man sich den gesamten Prozess des Wachstums der Rinde und des Schälens vor Augen führen. Die Korkeiche ist eine sehr langsam wachsende Pflanze. Sie wird etwa 10 bis 12 m hoch und erreicht Stammdurchmesser von etwa 30 bis 100 cm. Sie hat ein langes produktives Leben, das etwa 100 bis 150 Jahre dauert. Es beginnt etwa im Alter von 30 bis 40 Jahren, wenn der Baum das erste Mal geschält wird, wobei es sich um die sogenannte Jungfernrinde (virges) handelt. Sie enthält viel Harz, der Holzgehalt ist hoch und die Struktur sehr grob und ist für bestimmte Einsatzzwecke ungeeignet, zum Beispiel für die Hauptnutzung zu Korkstopfen. Der Prozess des Schälens schadet dem Baum keineswegs. Es darf aber nur etwa ein Drittel der gesamten Baumrinde geschält werden, mehr wäre für den Fortbestand der Korkeiche schädlich. Besitzer von Korkeichenwäldern gehen deshalb sehr sorgsam damit um. Sie haben natürlich Interesse daran, noch in späteren Jahren eine Ernte einfahren zu können, die sich lohnt.
Die Schälung ist deshalb förderlich, weil sie den Baum zu einer Neubildung seiner Rinde anregt. Dabei ist allerdings sehr viel Erfahrung und ein sehr feines Händchen gefragt. Denn es besteht die Gefahr, durch falsche Handhabung gerade bei diesem Prozess das Wachstum der Korkrinde negativ zu beeinflussen, mehr noch, die gesamte Vitalität des Baumes könnte auf dem Spiel stehen. Es wird nämlich diejenige Schicht abgetragen, die seinen sensibelsten Bereich tangiert, nämlich den Bast. Das ist die Zwischenschicht, in der das lebenswichtige Kambium und das Phellogen sitzt, was von der abzutragenden Rinde geschützt wird. Das ist auch der Grund, weshalb das Schälen in einer ganz bestimmten Jahreszeit zu erfolgen hat. Man schält von Juni bis in den Herbst hinein. Das hat den Vorteil, dass die Entwicklung des Baumes und der Rinde nicht beeinträchtigt wird. Weiterhin kann ihm noch in seiner vegetativen Phase eine neue Schutzschicht zuwachsen. Zu diesem Zeitpunkt geht die Trennung zudem vergleichsweise einfach vonstatten, denn es werden in dieser Zeit neue Korkzellen gebildet, die noch weich sind. Ist der Kork entfernt, sorgen die Witterungseinflüsse dafür, dass das Phellogen bzw. ein Teil des Bastes abstirbt. Die entstanden Wunden vernarben recht zügig. Auch jetzt müssen die weiteren Maßnahmen sehr schonend und nach gewissen Gesetzen erfolgen, damit die Mengen und Qualitäten der gewonnenen Korkeiche erhalten bleiben. Deshalb ist ein Schälen des Korks von Bäumen mit Mindestdurchmessern genauso wenig angesagt wie ein zu häufiges Wiederholen des Prozesses. Vor dem Ablauf von neun Jahren sollte eine zweite Schälung nicht erfolgen.
Die Altersberechnung des Korks beginnt nach Bildung einer „Kruste“, die von einer Schicht hellem Korks, der von den im Herbst entstanden dunklen Streifen umgeben wird, gekennzeichnet ist. Ähnliches kennt man bei Jahresringen im Holz, die vom Wechsel von Frühholz und Spätholz gekennzeichnet sind.
Ein neun Jahre alter Kork baut sich demnach folgendermaßen auf: Er besteht aus neun Herbstschichten, neun vollständigen und zwei halben Frühjahrs- bzw. Sommerschichten. Im Allgemeinen erfolgt die Ausbildung der dicksten Korkschicht im Vegetationszyklus, der auf die Schälung folgt, danach wird die Menge des nachwachsenden Korks von Jahr zu Jahr geringer. Dieser Prozess stabilisiert sich im Laufe der Zeit, eine Dickenabnahme der Schichten ist dann kaum noch feststellbar. Abweichungen von diesen Gesetzmäßigkeiten haben ihre Ursachen in Klimaschwankungen, Trockenheits- und Regenperioden, nicht fachgerechten Bearbeitungsmaßnahmen beim Schälen und vielem mehr. Um zu kennzeichnen, wann ein Baum geschält worden ist, wird er unmittelbar nach einer solchen Maßnahme markiert. Dazu wird die letzte Ziffer des Jahres, in der er geschält wurde, deutlich sichtbar aufgetragen.