Designestriche werden immer häufiger mit diamantgeschliffenen Oberflächen ausgeführt. Diese bieten nicht nur mehr Gestaltungsmöglichkeiten als konventionell geglättete Estriche, sondern auch Vorteile in der Reinigungsfähigkeit, einen hohen Verschleißwiderstand und breite Möglichkeiten für den Schutz der Oberfläche gegen Verschmutzungen.
Vielfältig gestalten mit Schliff
Je nach Intensität der schleiftechnischen Bearbeitung werden unterschiedliche Effekte erzielt. Beim terrazzoähnlichen Schleifen der Oberfläche wird zwischen verschiedenen Bearbeitungsstufen unterschieden.
Grobschliff
Unter Grobschliff versteht man das Aufschleifen der Zuschläge bis auf den gewünschten Kornquerschnitt. Der Grobschliff ist der zeitlich aufwändigste und gleichzeitigwichtigste Schliff. Er wird in mehreren Schleifgängen und Werkzeugabstufungen durchgeführt, bis flächendeckend ein baustofftypisches Kornverteilungsbild erreicht ist.
Mittelschliff
Aufbauend auf den Grobschliff erfolgt der Mittelschliff. Die Aufgabe des Mittelschliffs ist die Entfernung des Kratzbildes aus dem vorangegangenen Grobschliff. Im Mittelschliff kommen ebenfalls mehrere Werkzeugabstufungen zum Einsatz. Der Mittelschliff eignet sich bei bestimmten Estrichen bereits als Endbearbeitung zur Aufnahme einer Einpflege oder eines Fleckschutzes.
Feinschliff
Nach dem Mittelschliff kann bei Bodenarten mit entsprechender Festigkeit des Bindemittels der Feinschliff erfolgen. Der Feinschliff reduziert die Rautiefe des vorangegangenen Mittelschliffs so weit, dass die Lichtreflexion stark zunimmt und sich ein deutlicher Glanz einstellt. Wie im Mittelschliff kann auch hier durch die Abstufung der Werkzeuge der Glanzgrad bestimmt werden.
Polierschliff
Falls noch höhere Anforderungen an den Glanzgrad gestellt werden, kann die Rautiefe durch einen oder mehrere Schleifgänge noch weiter reduziert werden. Die Dichte der Bodenoberfläche nimmt zu und damit auch der Reflexionsgrad. Die Bearbeitung mit dem Polierschliff eignet sich nur für Estriche mit hoher Festigkeit und dichtem Gefüge.
Estriche mit leicht angeschliffener Oberfläche werden in der modernen Architektur immer häufiger eingesetzt. Bei dieser Bearbeitungsvariante werden, ja nach gewünschter Optik, Grob- und Mittelschliff weniger intensiv ausgeführt. Bei gut durchgeglätteten Estrichen mit hoher Festigkeit wird in vielen Fällen auf Grob- und Mittelschliff verzichtet und gleich mit dem Feinschliff begonnen.
Durch das feine Anschleifen werden, je nach Bearbeitungsintensität, Feinkornanteile sichtbar. Dennoch gehört das terrazzoähnliche Aussehen, auch in Teilbereichen, ausdrücklich nicht zur Zielsetzung des Anschleifens.
Schleiftechnik
Für die schleiftechnische Bearbeitung der Estrichoberfläche kommen moderne Mehrscheiben-Bodenschleifmaschinen zum Einsatz. Die Maschinen verfügen über Planetengetriebe unterschiedlicher Konstruktion. Die für die Schleifarbeiten in der Regel verwendeten Diamantwerkzeuge drehen sich dabei kontrarotierend. Durch die Kontrarotation ergeben sich bearbeitungstechnische Vorteile, wie z.B. gleichmäßige Schleifbilder und eine hohe Schleifgeschwindigkeit.
Nass- und Trockenschliff haben jeweils spezifische Vor- und Nachteile. Grundsätzlich sollte die wirtschaftlichste Variante eingesetzt werden. Die Bearbeitung erfolgt in der Regel im Kreuzgang, bei stärkerer Abtragstiefe oder punktuellen Unebenheiten kann auch das sogenannte „Patchwork-Schleifen“ sinnvoll sein. Schleifstaub oder Schleifschlamm müssen durch geeignete Absauganlagen aufgenommen und einer fachgerechten Entsorgung zugeführt werden.
Werkzeuge
Diamantwerkzeuge können grundlegend in Werkzeuge mit metallener Bindung und in Werkzeuge mit einer Kunststoffbindung unterschieden werden.
Metallisch gebundene Werkzeuge werden überwiegend im Bereich der Grob- und Mittelschliffe eingesetzt. Die übrigen Schleifbereiche werden üblicherweise durch Werkzeuge mit einer Kunststoffbindung abgedeckt.
Die zur umgangssprachlichen Bezeichnung der Grobheit (Körnung) der Werkzeuge verwendeten Körnungsbezeichnungen entsprechen nicht den tatsächlich geltenden Standards zur Bezeichnung der Größe von Industrie- oder Naturdiamanten. Sie sind vielmehr dem Bereich der Schleifpapiere entlehnt und sollen einen Eindruck der jeweiligen Grobheit und Rautiefe geben.
Vergütung
Für die Vergütung (=Reduzierung) des mineralischen Feinporengefüges kommen bei vielen Estrichen und Betonen, vor oder nach dem Mittelschliff, Alkalisilikate zum Einsatz. Zielsetzung ist eine höhere mechanische Belastbarkeit und eine höhere optische Qualität. Das Alkalisilikat, auch „Densifyer“ oder „Wasserglas“ genannt, bildet stabile Calciumsilikat-Verbindungen aus und führt zu einer kontinuierlichen weiteren Verdichtung des Porengefüges.
Für Estriche und Betone mit geschliffener Oberfläche haben sich Natriumsilikate mit hohem Feststoffanteil bewährt. Das Wasserglas wird tränkend auf die Oberfläche aufgetragen. Der Überschuss wird nach dem Erhärten mit einem Schleifgang entfernt. Vergütete Designestriche zeichnen sich durch eine dichtere Oberfläche mit dauerhaft besserer Beständigkeit gegenüber mechanischen Belastungen und deutlich verringerter Schmutzaufnahme aus.
Spachtelung
Designestriche verlangen beim Einbau neben dem sorgfältigen Durchmischen eine besonders gute und flächendeckend gleichmäßige Verdichtung des Estrichs. Kleinere Ausbrüche und Lunker lassen sich beim Einbau und Schleifen trotz guter Glättung nicht immer vermeiden. Daher ist das Spachteln von Designestrichen mit einer auf den Estrich abgestimmten Spachtelmasse eine unverzichtbare Leistung, die in die Bearbeitung mit einkalkuliert werden muss. Die Spachtelstellen bekommen durch das Schleifen ein annähernd gleiches Finish und sind kaum erkennbar. In der Regel wird vor oder nach dem Mittelschliff einmal mit einer speziellen Spachtelmaschine gespachtelt. Bei Estrichen mit größerem Porenvolumen kann eine Grob- und nachfolgend eine zusätzliche Feinspachtelung notwendig sein.
Oberflächenschutz
Designestriche in privaten Wohnräumen unterliegen anderen Belastungen als z.B. Designestriche in der Gastronomie. Der Oberflächenschutz und die fachlich richtige Reinigung berücksichtigen daher besonders die hygienischen und optischen Anforderungen an den Boden und müssen gleichzeitig auf den Estrich und seine Oberfläche abgestimmt sein. Zur Vermeidung von falscher Reinigung und dadurch möglicherweise entstehenden Folgeschäden ist die Übergabe einer verbindlichen Reinigungs- und Pflegeanleitung unverzichtbar. Diese Anleitung definiert die Art der fachgerechten Reinigung und zu verwendende Reinigungsprodukte. Die Übergabe und Einweisung in die Anleitung sollte schriftlich dokumentiert und vom Bauherrn (Vertreter) per Unterschrift bestätigt werden. Für den Fleckschutz stehen mit Imprägnierungen und Versiegelungen zwei unterschiedliche Produktgruppen mit unterschiedlicher Wirkung zur Verfügung: Imprägnate verankern sich in den Poren des Bodens und können eine diffusionsoffene Schutzfunktion aufbauen. Sie verändern weder den Farbton noch die Reflektion des Bodens. Versiegelungen dagegen liegen in einem dünnen Film auf der Oberfläche auf und können die Lichtreflektion verändern. Nach der Imprägnierung oder Versiegelung erfolgt die abschließende Einpflege des Bodens. Die dauernde Unterhaltsreinigung ist zusammen mit Empfehlungen für die Fleckentfernung in der Pflegeanleitung geregelt. Dipl.-Ing. Andreas Funke
Dieser Fachbeitrag liegt einem Vortrag auf dem iba-BauFach-Symposium zu Grunde.