Birgit Schrammel Vom Lehrling zur Außendienstlerin Karriere mit Lehre

Eine willensstarke Dame hat es vom Handwerkslehrling bis zur Außendienstmitarbeiterin eines namhaften Industriekonzerns geschafft. Dabei musste sie Widerstände überwinden und sich auch auf der Baustelle durchsetzen.

Birgit Schrammel setzte sich auch auf der Baustelle durch. - © Mayrhofer

Karriere mit Lehre

Angefangen hat alles mit einer kleinen Gefälligkeit in jungen Jahren. Als Birgit Schrammel einem Freund mit einem Wandbild half, bemerkte sie, dass sie sich für das Malerhandwerk interessiert. Nach der Schnupperwoche in einem Betrieb trat sie kurz entschlossen die Doppellehre im Maler-/Bodenlegerhandwerk an. „Ein traditioneller Frauenberuf kam für mich nie in Frage“, erzählt sie. Weil sie besonders ehrgeizig war, wurde sie von der Berufsschule zu den Wettbewerben geschickt. Genau dies wurde ihr fast zum Verhängnis. Weil der Lehrherr wenig Verständnis für den ambitionierten Lehrling hatte, folgte die Kündigung wegen nicht gestatteter Teilnahme am Bundesleistungsbewerb.

Der Fall erregte Aufsehen. So eröffnete sich Birgit Schrammel die Chance, für ein Jahr nach Vorarlberg überzusiedeln, wo sie die Lehre bei Bundesinnungsmeister-Stellvertreter KommR Walter Eberle abschloss. „Ich habe dort sehr viel gelernt. Zum ersten Mal weit weg von zu Hause auf mich allein gestellt das war eine sehr wertvolle Erfahrung“, erinnert sich Schrammel. Die weiteren Stationen waren zwei Firmen in Niederösterreich, bei denen sie sich in sechs Jahren praktische Erfahrungen im Bodenverlegen auf Klein- und Großbaustellen erwarb. Darüber hinaus bewährte sich die tüchtige Bodenlegermeisterin im Büro und als Bauleiterin. Die Handwerkerin hatte es sich zum Ziel gesetzt, bis zum Alter von 25 Jahren eine körperlich weniger anstrengende Tätigkeit in der Branche zu finden. Es half ihr das Glück der Tüchtigen. Auf Anraten bewarb sie sich Ende 2008 beim Uzin-Konzern und trat schon am 1. Februar 2009 einen Job als Außendienstverkäuferin für Wien, Niederösterreich und das Burgenland mit Schwerpunkt Anwendungstechnik an. Birgit Schrammel ist nun für Lacke und Öle der Konzernmarke Pallmann zuständig. Von der Produktpräsentation auf der Baustelle über die Kundenbetreuung im Büro bis hin zur Reklamationsbearbeitung reicht da das Aufgabenspektrum.

Direkt statt damenhaft

Birgit Schrammel verrät das Geheimnis ds Erfolgs: „Ich habe gelernt, mich auf der Baustelle durchzusetzen. Nur mit damenhaftem Verhalten kommt man da nicht weiter.“ Spreche man die Sprache der Leute, komme auch die Akzeptanz von allein. „Unsere Kunden schätzen mein technisches Wissen, unser breites Produktprogramm, guten Service sowie Beratung“, ist sie sicher. Mit ihrer positiven Einstellung ist die Technikerin immer gut gefahren und hat bis auf eine einzige Ausnahme in all den Jahren nur positive Erfahrungen gemacht: „Mir macht der Job einfach großen Spaß. Ich berate gerne andere Handwerker in technischen Fragen und freue mich auf jede neue Aufgabenstellung. Flexibilität und vernetztes Denken sind gefragt.“ Besonderes Lob spricht Birgit Schrammel ihrem Arbeitgeber Uzin aus. Gleichberechtigung werde nicht thematisiert, sondern gelebt. Persönliche Entwicklung im Konzern sei für alle Mitarbeiter ständige Motivation.

Die begeisterte Hobbytänzerin, die sich auch beim Yoga gut entspannt, verfolgt keinen genauen Karriereplan. „Ich schaue einfach, was noch auf mich zukommt. Ich habe sicher noch viele Perspektiven im Konzern und werde in meiner Entwicklung nicht so bald stehen bleiben.“

Nach Abschluss der Berufsreifeprüfung 2008 steht dieses Jahr die Meisterprüfung für Gebäudereiniger an. „Es war nicht einfach, aber ich habe den Job für zwölf Monate auf 20 Wochenstunden zurückgeschraubt, sonst hätte ich keine Freizeit mehr gehabt“, erinnert sich Schrammel. Nur wer seine Ziele konsequent verfolgt, wird auf Dauer erfolgreich sein.Thomas Mayrhofer