Wann und wo können Einbrüche und Fehlstellen in Estrichen auftreten? Wie lassen sich diese fachgerecht sanieren? Welche Produkte eignen sich als Problemlöser? Antworten hierauf gibt nachstehender Beitrag.
Einbrüche in Estrichen, besonders in Altestrichen, entstehen immer dann, wenn durch hohe Verkehrslasten in Form von Einzellasten eine Estrichplatte auf einer weichen Unterlage durchgestanzt wird, wenn die Druck- und Scherkräfte aus dieser Belastung die Materialfestigkeit erreichen bzw. übersteigen. Estriche zerfallen in diesen Bereichen in meist kleine Schollen oder lösen sich im Extremfall sogar krümelig in ihre Bestandteile auf. Zu geringe Estrichfestigkeiten können material- oder herstellungsbedingt sein oder beispielsweise bei nicht dauerfeuchtebeständigen Estrichen durch Wasser verursacht werden. Eingebrochene Bereiche müssen ausgebaut und die dadurch entstandenen Fehlstellen fachgerecht und ausreichend tragfähig geschlossen werden.
Beim Ausbau dieser Bereiche wird folgende Herangehensweise vorgeschlagen: Mit einer Trennscheibe werden rechtwinklige Schnitte im „gesunden“ Estrich um diesen Bereich herum bis Oberkante Dämmung bzw. darunterbefindlichem Untergrund ausgeführt und dieser kritische Bereich restlos entfernt. In der Regel kann die unter dem Estrich liegende Dämmung erhalten bleiben. Ist sie jedoch stark beschädigt, muss die alte Dämmung durch eine neue Dämmung gleicher Dicke ersetzt werden. Sind alle beschädigten Teilflächen ausgebaut, kann mit dem Schließen der Fehlstellen begonnen werden.
Fehlstellen im Altestrich entstehen auch, wenn beispielweise in der Sanierung Zwi-schenwände entfernt werden, die ja in der Regel bis Oberkante Betondecke beseitigt werden. Weitere Fehlstellen treten immer dann auf, wenn in Altestriche, aber auch in neu eingebaute Estriche Kanäle ausgeschnitten werden, in die die verschiedensten Ver- und Entsorgungsleitungen, wie beispielsweise Wasserleitungen, Heizungsrohre, Elektroleitungen, Steuerungskabel usw., verlegt werden. Der Planer hat bei neuen Estrichen offensichtlich nicht richtig geplant oder der Bauherr hat neue Wünsche geäußert, die dann zu diesen Problemfällen führen. Besonders problematisch ist bei dieser Vorgehensweise die geringe Einbauhöhe des einzubauenden Füllmaterials über der Oberkante Ver- bzw. Entsorgungsleitungen bündig zu Oberkante Estrich. Häufig beträgt diese Höhendifferenz nur 10 bis 20 mm und da wird es auf jeden Fall problematisch mit der Tragfähigkeit des Reparaturestrichs. In der Regel bleibt dem Verarbeiter nichts weiter übrig, als hier Bedenken anzumelden.
Fehlstellen treten auch in den Randbereichen bei allen aufgehenden und hindurchführenden Bauteilen auf, wenn die Randdämmstreifen nicht fachgerecht eingebaut sind, beispielsweise nicht unmittelbar an allen aufgehenden und hindurchführenden Bauteilen fest anliegen. Dann muss hier nachgearbeitet werden und das bedeutet nicht selten, dass die Fehlstellen zwischen Estrich und Randdämmstreifen ausgefüllt werden müssen.
Zum Schließen der Fehlstellen werden in der Regel die nachfolgend erläuterten Vorgehensweisen angewendet:
Zementestriche
Die Fehlstellen im Zementestrich werden in der Regel aus Zeitgründen mit Schnell-Estrichen geschlossen. Die Schnellestriche sind meistens bereits nach ein oder zwei Tagen belegreif. Eine sichere Anbindung des neu einzubauenden Schnell-Estrichs an den vorhandenen Zementestrich wird durch lösemittelfreie Epoxidharze erreicht. Das Epoxidharz wird dabei satt an den Flanken des Altestrichs aufgetragen und der Schnell-Estrich unmittelbar danach „nass in nass“ eingebaut, der frische Schnell-Estrichmörtel wird direkt an das frischtklebrige Epoxidharz angearbeitet. Der frische Schnell-Estrichmörtel muss fachgerecht verdichtet werden.
Calciumsulfatestriche
Calciumsulfatestriche bzw. Calciumsulfatfließestriche sind bekanntlich feuchtigkeitsempfindlich. Die Fehlstellen können deshalb nicht nach dem „Nass-in-nass-Prinzip“ ausgefüllt werden. Hier hat sich folgende Vorgehensweise bewährt: Randdämmstreifen ab 5 mm Dicke werden an den Altestrichflanken aufgestellt. Dadurch wird der direkte Kontakt zwischen dem Calciumsulfatestrich bzw. Calciumsulfatfließestrich und der Feuchtigkeit des neu eingebauten Schnell-Estrichs verhindert. Anschließend wird der frische Schnell-Estrichmörtel in die Fehlstellen eingebaut, unmittelbar gegen die Randdämmstreifen und bündig mit Oberkante Altestrich. Auch hier muss der Schnell-Estrichmörtel gut verdichtet werden. Nach dem Erhärten des Schnell-Estrichmörtels – das ist in der Regel nach ein bis zwei Tagen der Fall – sind die Randdämmstreifen zu entfernen. Die so entstandenen Fugen zwischen dem Altestrich und dem Schnell-Estrich sind mit geeigneten Reaktionsharzen zu verfüllen. Altestrich und Schnell-Estrich werden so kraftschlüssig miteinander verbunden.
Die Schichtdicken bei Gussasphaltestrichen liegen meist zwischen 10 bis 30 mm. Schon allein aus diesem Grund kann man Fehlstellen in Gussasphaltestrichen nicht mit mineralischen Schnell-Estrich sanieren. Dafür bieten sich Epoxidharzmörtel an, die über eine Reihe von Vorteilen verfügen.
Alleskönner Epoxidharzmörtel
Keine Frage, mineralische Schnell-Estrichmörtel sind etwas kostengünstiger als Epoxidharzmörtel. Epoxidharzmörtel haben aber eine Reihe von Vorteilen. Sie lassen sich leicht herstellen und sehr gut glätten. Sie sind sehr variabel und lassen sich nahezu überall einsetzen. Sie erreichen in der Regel bereits einen Tag nach dem Einbau sehr hohe Festigkeiten und Tragfähigkeiten. Diese Vorteile sind besonders wichtig, wenn die noch zur Verfügung stehenden Einbauhöhen über Ver- und Entsorgungsleitungen nur ein bis zwei Zentimeter betragen. In solchen Fällen haben sich Epoxidharzmörtel in der Baupraxis ausgezeichnet bewährt. Man kann mit diesem Mörtel also nicht nur Gussasphaltestriche sanieren, Epoxidharzmörtel eignet sich auch hervorragend zum Schließen von Fehlstellen in Zement-, Calciumsulfat-, Calciumsulfat-fließ-, Magnesia-, Steinholz- und Kunstharzestrichen sowie für Fehlstellen zwischen Estrich und Randdämmstreifen.
Epoxidharzmörtel werden anrührfertig angeboten, können aber auch selbst vom Verarbeiter kostengünstig (besonders bei größeren Mengen) hergestellt werden. Eine geeignete Rezeptur und Vorgehensweise für die Herstellung des Epoxidharzmörtels durch einen Verarbeiter finden Sie im Kasten.
Unmittelbar vor dem Einbau des Epoxidharzmörtels sind die Estrichflanken mit dem Epoxidharzbindemittel vorzustreichen und der Epoxidharzmörtel „nass in nass“ einzubauen. Der Epoxidharzmörtel erhärtet spannungsfrei und ist bei üblichen raumklimatischen Bedingungen ca. 24 Stunden nach dem Einbau belegreif.
Zur Anbindung der Spachtelmasse an die „glatte“ Oberfläche des Epoxidharzmörtels stehen zwei Möglichkeiten zur Verfügung. Entweder wird die frische Epoxidharzmörteloberfläche fachgerecht abgequarzt – ähnlich wie bei neu eingebauten Gusssphaltestrichen – oder die ausgehärtete Epoxidharzoberfläche wird mit einem geeigneten Vorstrich grundiert.
