Die Sanierung von Gebäudebeständen nimmt in Deutschland und Europa einen dominanten Raum ein. Parkett- und Bodenleger stoßen dabei auf Altuntergründe, die sie erkennen und richtig beurteilen müssen. bwd-Autor Wolfram Steinhäuser gibt in unserer Serie praktische Tipps und Empfehlungen, diesmal zum Umgang mit Restklebstoffen und Restspachtelmassen.
Weg mit den Altlasten
Wenn die alten Bodenbeläge bzw. das alte Parkett vom Untergrund entfernt werden, bleiben immer zwangsläufig Restklebstoffe und Restspachtelmassen auf den alten Untergrund zurück. Das Hauptproblem bei den Altuntergründen sind nach wie vor die alten Klebstoffschichten und Spachtelmassenreste. Mit der heute zur Verfügung stehenden Technik können alte Klebstoffschichten und Restspachtelmassen nahezu restlos entfernt werden. Die Kehrseite dieser Medaille ist die Festigkeit der Altestriche. Als Ergebnis des mechanischen Beseitigens der alten Kleber und Spachtelmassen können die Altestriche in der oberen Estrichrandzone labil, ja sogar über den gesamten Estrichquerschnitt zerstört werden. Die Verarbeiter müssen hier nicht selten Kompromisse eingehen, denn der gute alte Estrich muss nach den Vorstellungen der Bauherrn/Auftraggeber/Architekten auch nochdie nächsten Jahrzehnte schadensfrei überstehen.
Im Kommentar zur DIN 18365 Bodenbelagsarbeiten Stand 2010 heißt es dazu auf Seite 9: „Alte und genutzte Bodenbeläge sowie Rückstände von Klebstoffen und Spachtelschichten sind als Verlegeuntergrund immer problematisch. Wenn eine Verlegung auf diesen Untergründen erfolgen soll, sind besondere Maßnahmen erforderlich, z. B. mechanisches Entfernen loser und schwach haftender Klebstoff- und Spachtelmassenschichten. Das Gewährleistungsrisiko für auf Anordnung des Auftraggebers verbleibende Restschichten (z.B. alte Klebstoffreste) am Untergrund darf nicht beim Auftragnehmer liegen. Beim Verbleib alter Klebstoff- und Spachtelmassenschichten besteht neben Haftungsproblemen u.a. auch das Risiko von Emissionen und/oder Geruchsbildung.“
Im Kommentar zur DIN 18365 „Bodenbelagsarbeiten“ Stand 2010 heißt es weiter auf Seite 48: „Altuntergründe, wie bereits genutzte Bodenbeläge, Fliesen, Beschichtungen u.a. stellen grundsätzlich keine normgerechten Untergründe dar. Hier sollten Bedenken angemeldet werden. Sollte dennoch ein Bodenbelag darauf verlegt werden, besteht ein erhebliches Risiko. Aus diesem Grund sind eventuell weiterführende Prüfungen und daraus resultierende Maßnahmen notwendig, die bereits im Vorfeld (Planer/ Fachplaner) festzulegen sind. Dies gilt sinngemäß auch für alte Spachtelmasssen und Klebstoffschichten. Diese sind zu entfernen.“
Was tun, wenn sich Reste nicht vollständig entfernen lassen?
Lassen sich die alten Kleber und Spachtelmassen nicht vollständig entfernen, müssen folgende Hinweise unbedingt beachtet werden:
◆ Oberbeläge dürfen nicht mit einem neuen Klebstoff auf alte Klebstoffreste geklebt werden. Andernfalls sind die Folgen in der Regel: Geruchsbelästigungen, Ausdünstungen, durch Wassereinschluß auftretende Blasen und Beulen sowie keine dauerhafte Stuhlrolleneignung.
◆ Alte Klebstoff- und Spachtelmassenschichten sowie labile Estrichrandzonen, die nicht fest mit dem Untergrund verbunden sind, müssen unbedingt mechanisch entfernt werden.
◆ Alte Klebstoffe müssen gründlich angeschliffen und abgesaugt werden, nur dann können die für diese Art der Verlegung geeigneten Grundierungen und Spachtelmassen ausreichend fest darauf haften.
◆ Je dünner die alten Klebstoffschichten sind, desto sicherer ist der Systemaufbau. Dickere Klebstoffschichten vergrößern das Restrisiko beim Überspachteln, besonders beim Überspachteln mit zementären Spachtelmassen.
◆ Um einen saugfähigen Untergrund für die Neuverlegung zu erzielen sowie Blasen und Beulenbildung zu verhindern, müssen die Altkleber mindestens 2 mm dick überspachtelt werden. Die Spachteldicke darf aber 5 mm nicht überschreiten. Ansonsten kann es aufgrund der Trockungsspannungen aus der Spachtelmasse zu Ablösungen in der „Schwachstelle“ alter Klebstoff kommen.
◆ Größtmögliche Sicherheit bietet die Entkopplung des Altuntergrundes mit dem Altkleber vom Neubelag (und hier besonders bei Parkett) durch den Einbau geeigneter Entkopplungsbahnen oder Entkopplungsschichten.
◆ Wenn der Fußboden besonderen Beanspruchungen ausgesetzt wird, wie beispielsweise Gabelstapler, Gabelhubwagen, sind grundsätzlich die Altkleber zu entfernen. Mehr als Stuhlrollenbelastung, wie beispielsweise in Büros üblich, hält ein Systemaufbau auf Altkleberresten dauerhaft nicht aus.
Wie und woran erkennt man alte Klebstoffreste?
Die folgenden Ausführungen basieren auf jahrelanger Erfahrung mit Klebstoffresten.
Bitumenkleber:
◆ schwarze Färbung
◆ harte und weiche Einstellung
◆ meistens unter Parkett und Flexplatten anzutreffen
◆ beim Anzünden stinkt der Kleber nach Bitumen
Bitumenkleber kann man leicht an der schwarzen Farbe erkennen. Unterschieden werden weiche Bitumenkleber und harte Bitumenkleber. Die harte Version dieses Klebers kann mit geeigneten Grundierungen und Spachtelmassen überarbeitet werden, die weichen Bitumenkleber müssen vollständig entfernt werden. Bevor man diese Kleber entfernt muss überprüft werden, ob der vorgefundene schwarze Klebstoff PAK (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) enthält. Da PAK-haltige Kleber gesundheitsschädliche Wirkungen haben, müssen sie aufwändig nach der Handlungsanleitung der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft entsorgt werden. Nach fachgerechter Entsorgung und mechanischer Untergrundvorbehandlung können diese Altuntergründe mit geeigneten Grundierungen und Spachtelmassen belegereif hergestellt werden.
Die Bitumenkleber, mit denen in der DDR Oberbeläge geklebt wurden, enthalten in der Regel kein PAK, da diese Kleber aus Braunkohle bzw. Erdöl hergestellt wurden.
Sulfidablaugekleber:
◆ dunkelbraune bis hellbraune, gelbliche Färbung
◆ harte Oberfläche
◆ meistens keine Zahnung erkennbar
◆ wasserlöslich, bei Kontakt mit Wasser entsteht sofort eine braun/gelbliche Verfärbung des Wassers
◆ vorrangig unter alten Linoleumbelägen sowie in den neuen Bundesländern unter den alten Debolonbelägen anzutreffen
Sulfitablaugekleber, die in den neuen Bundesländern sehr häufig anzutreffen sind, gelten als extrem harte und wasserlösliche Klebstoffe. Sie sind gesundheitlich bedenklich und entwickeln mit Dispersionsvorstrichen Geruchsbelästigungen. Diese Kleber müssen in jedem Fall mit wasserfreien Reaktionsharzgrundierungen überarbeitet werden.
Dispersionsklebstoffe:
◆ helle bis mittelbraune Färbung
◆ zähelastische Klebefuge
◆ durch Anfeuchten mit Wasser beginnt der Kleber nach ca. 15 Minuten aufzuweichen
◆ beim Anzünden entsteht ein brenzlicher Geruch
Polyurethanklebstoffe:
◆ hellbraune, graue oder gelbliche Färbung
◆ extrem harte Klebefuge
Kunstharzklebstoffe:
◆ hell- bis dunkelbraune Färbung
◆ feste, teilweise spröde Oberflächen
◆ kristalline Struktur, beim Kratztest mit einem Schraubenzieher sind feine Kristalle erkennbar
Neopreneklebstoffe:
◆ keine Zahnung erkennbar
◆ wird nicht fest
◆ wird nicht spröde
◆ Kaugummieffekt
Dispersionsklebstoffe, Reaktionsharzkleber, Kunstharz- und Neopreneklebstoffe sind mechanisch mit geeigneten Werkzeugen und Maschinen zu entfernen. Da es in der Regel nicht gelingt, wirklich alle Klebstoffreste vollständig zu entfernen und die Klebstoffreste häufig in die Oberflächenporen der mineralischen Altestriche durch die Untergrundvorbereitung „einmassiert“ werden, können mit geeigneten Grundierungen und Spachtelmassen trotzdem belegereife Untergründe hergestellt werden. Hier sollte jeder Verarbeiter seinen Verlegewerkstoffhersteller einbinden und sich vom Verlegewerkstoffhersteller eine Aufbauempfehlung erstellen lassen.
Das Entfernen der alten Spachtelmassen wird sehr häufig nur zum Teil oder gar nicht ausgeführt. Hier muss jeder Verarbeiter selbst auf der Baustelle entscheiden, wie er vorgeht. Die größte Sicherheit bietet immer das vollständige Entfernen auch der alten Spachtelmasse. Wolfram Steinhäuser
In der nächsten Ausgabe wird das Verlegen/Kleben von neuen Bodenbelägen auf vorhandene Altbeläge vorgestellt.