Der interessante Schadensfall aus Österreich: Unebenheiten auf PVC-Homogenbelag War zuviel Klebstoff schuld an der Fehlverlegung?

Bei einer Renovierung wurde in Büroräumen auf einen vorhandenen Zementestrich Holzspanplatten schwimmend verlegt. Bei den darauf verlegten zwei Millimeter PVC-Homogenplatten bildeten sich nach einigen Wochen Dellen in der Belagoberfläche sowie Blasen und Beulen im Belag. Was war die Ursache?

War zuviel Klebstoff schuld an der Fehlverlegung?

Wie die Befundaufnahme zeigte, bestand der Fußbodenaufbau aus

e einem Zementestrich,

e einem Polyethylenschaum (drei Millimeter dick),

e Trittschalldämmplatten,

Spanplatten V 100 (19 Millimeter dick), mit Nut und Feder verleimt, schwimmend verlegt,

e einem Dispersionsklebstoff mit einer relativ weichen Kleberfuge und

e einem PVC-Homogenbelag in Platten (zwei Millimeter dick).

Der Bodenbelag wies auf seiner gesamten Oberfläche Unebenheiten, Dellen und Blasenbildungen auf. Nach teilweiser Entfernung des Bodenbelages stellte sich heraus, daß sich auf der Spanplatte unter dem Belag eine Klebstoffmenge von zirka 1000 Gramm/Quadratmeter befindet.

Gutachten

Um den Sachverhalt beurteilen zu können, sind die Verarbeitungsrichtlinien der Hersteller, die Regeln des Faches und die einschlägigen Normen heranzuziehen. Der Hersteller schreibt vor, daß PVC-Homogenbeläge mit einer Klebstoffmenge von 350 bis 400 Gramm/Quadratmeter verklebt werden. In diesem Zusammenhang ist die ÖNORM B 2236/1 Klebearbeiten heranzuziehen. Dazu sagt Punkt 2.3.4.3.1 folgendes: „Der Klebstoff muß vollflächig und gleichmäßig gemäß den Verarbeitungsrichtlinien aufgetragen werden.“ Und im Punkt 2.3.4.3.7 heißt es: „In der Oberfläche des Bodenbelages sind Unebenheiten nicht zulässig, die aus mindestens zwei gegenüberliegenden Standorten unter einem Winkel von 45 Grad zur Bodenfläche bei Tageslicht oder bei der vorgesehenen Beleuchtung, jedoch ohne Streiflicht, zu sehen sind.“

Beurteilung

Das Erscheinungsbild der Dellen und Beulen (Erhebungen) an der Oberfläche des Belages wird durch eine Verformung des Klebstoffbettes bei Punktbelastung hervorgerufen. Ursache dafür ist die zu große Klebstoffmenge. Dieser Mangel ist wesentlich und unbehebbar. Die Blasen im Randbereich wurden durch mangelhaftes Anreiben verursacht.

Zur Schadensbehebung muß der PVC-Belag abgerissen werden. Der Klebstoff ist vom Untergrund zu entfernen (abzuschleifen). Ist der Klebstoff zur Gänze entfernt und sind durch das Schleifen keine Dellen vorhanden, kann der neue PVC-Belag direkt verklebt werden.

Sind noch Klebstoffreste und Dellen vorhanden, muß mit geeignetem Dispersionsvorstrich grundiert und nach dem Abtrocknen mit einer zementgebundenen Spachtelmasse gespachtelt werden. Anschließend ist ein neuer PVC-Belag zu verlegen.

In dem geschilderten Schadensfall wurde der Boden durch Abschleifen und Neuverlegen saniert. Die Kosten übernahm der Verleger.