Richtig sanieren Vorsicht vor Estrichzerstörern

Das Entfernen eines verklebten Bodenbelages scheint einfach – dabei kann man hier viel falsch machen. Unerlässlich ist die richtige Wahl von Maschinen und Werkzeug.

Solche Fehler passieren. Ein viel zu feuchter Anhydrit-Fließestrich ohne erkennbare Sinterschicht sollte nicht rausgeschliffen werden. - © Uzin

Vorsicht vor Estrichzerstörern

Welche Maschinentypen zur Belagentfernung auf dem Markt sind, erläuterte Frank Wehrmann, Anwendungstechniker bei der Uzin Utz AG, auf der vergangenen TKB-Tagung. Nach Wehrmann lassen sich folgende Typen unterscheiden:


Ablösemaschinen (Stripper) mit oszillierender Funktionsweise, teilweise mit Fahrantrieb.

Die oszillierende Variante ist die kostengünstigste. Sie stammt allerdings noch aus der Zeit der Textilbeläge mit Kompaktschaumrücken. Bei elastischen Bodenbelägen, die mit Dispersions-PUR- oder Epoxidharzklebstoffen verklebt wurden, stoßen die Maschinen oft an ihre Grenzen. Die Flächenleistung hält sich bei den meisten Anwendungen in einem überschaubaren Rahmen. Dennoch ist diese Technik immer noch am weitesten verbreitet und somit diejenige, die am meisten verkauft wird.

Sie eignet sich hervorragend zum fachgerechten Entfernen von Vliesrückenresten im Wohnbereich. Hier kommt dann ein sogenanntes Wellenschliffmesser zum Einsatz, welches die Vliesreste vom Boden abschält.


Ablösemaschinen (Stripper) mit Schlagwerktechnik (5.000 Schläge pro Minute).

Die Domäne dieser Stripper sind textile und elastische Bodenbeläge, zum Teil auch Keramik, Beschichtungen, Bitumendachbahnen und Parkett. Die Schlagwerktechnik macht sie leistungsfähig und flexibel. Sie sind auf Grund des moderaten Gewichts (ca. 150 kg) in jedem Objekt und jeder Etage einsetzbar.


Ablösemaschinen (Aufsitzstripper) (408 bis 1.542 kg) mit feststehenden Messern und verschiedenen Anbauwerkzeugen.

Diese Stripper sind wegen ihres enormen Gewichts nur für große bis sehr große Flächen geeignet. Man greift in den meisten Fällen auf Propangas nutzende Verbrennungsmotoren zurück (20 bis 55 PS) bzw. mit einem Akku betriebene Elektromotoren. Vorwiegendes Einsatzgebiet sind große Hallen, Sportanlagen und Kaufhäuser (ebenerdig). Entfernt werden können eine Vielzahl von Bodenbelägen, z.B. textile und elastische Bodenbeläge, Holzböden, Keramik, Epoxydharze und dekorative Beschichtungen sowie Sporthallen- und Sportplatzbeläge.

Einsatzgebiet abklären

Die Frage nach der richtigen Maschine wird oftmals mit wirtschaftlichen Argumenten beantwortet: Was kostet sie und wie viel Geld habe ich dafür zur Verfügung? Das ist zwar nachvollziehbar, aber nicht minder wichtig sind die technischen Aspekte. Diese Punkte sind daher vor der Anschaffung zu klären:

1. Flächengröße des zu erwartenden Objekts.

2. Belagart und daraus resultierender Zeit- und Kostenaufwand.

3. Art der Verklebung des betreffenden Belags.

4. Vor Ort zugelassener Geräuschpegel.


Neben der Maschine für die Bodenbelagentfernung selbst spielt natürlich genauso die Werkzeugbestückung eine große Rolle, denn die Werkzeuge setzen die Kraft der Maschine um und treten mit dem zu bearbeitenden Unterboden direkt in Kontakt.


Bestückungen wie Trommeln (Vertikalfräsen) können zwar Zeitsparer, aber genauso gut Estrichzerstörer sein, sagt Wehrmann. Zeit einzusparen gelingt nur, wenn die richtige Wahl des Werkzeugs getroffen wird.

Zeitsparer schaden oft

Im bodenlegenden Handwerk kommt in den meisten Fällen eine Schällamellentrommel zum Einsatz. Mit dieser lassen sich auch schwimmende Estrichkonstruktionen und solche auf Trennlage schonend bearbeiten.


Der Einsatz einer Fräslamellentrommel auf einem Estrich auf Dämmlage hat oftmals massive Beschädigungen zur Folge. Denn die Fräslamellen funktionieren nach dem Fliehkraftprinzip, mit der Folge, dass die lose aufgehängten Lamellen mit hoher Wucht auf den Untergrund schlagen, vergleichbar etwa mit den Schlägen von hunderten spitzer Hämmer.


Leider werden immer noch sehr häufig neue Trommelfräsen mit Fräslamellenbestückung ausgeliefert (wahrscheinlich wegen der geringeren Anschaffungskosten), worin wohl der schlechte Ruf dieser eigentlich sehr effizienten Werkzeugmaschinen begründet liegt.


Eine demgegenüber sanftere und wirtschaftlich interessantere Methode der mechanischen Untergrundvorbereitung ist das horizontale Fräsen oder Schleifen mit unterschiedlichen Werkzeugen bis hin zu Diamantschleiftellern, bestückt mit Industriediamanten. Die Anforderungen sind in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen. Dies auch, weil die Untergründe aufgrund verbesserter bauchemischer Produkte zunehmend kompakter miteinander verbunden sind. Spachtelmassen werden immer härter, Klebstoffe altern nicht mehr in kurzen Zeitfenstern, so dass ein einfaches Entfernen nach der Nutzungsdauer eigentlich der Vergangenheit angehört.

Ökonomisch fräsen

Das bedeutet aus Sicht der Maschinentechnik, dass die Abtragsleistung beim Fräsen mit Diamantschleiftellern gefragt ist, auch weil sie im Vergleich mit anderen Bestückungen weitaus wirtschaftlicher sind. Zudem entsteht feineres und leichteres Fräsgut, das sich leichter absaugen lässt. Das klassische Fräsen hat zwar Vorteile bei der Zeiteinsparung, ist aber werkzeugbedingt sehr aggressiv. Das wiederum kann sehr raue Oberflächen zur Folge haben, was mit hohen Sanierungs- bzw. Werkzeugkosten für die Erstellung eines fachgerechten Untergrundes für die Belagverlegung verbunden ist.

Walter Pitt walter.pitt@t-online.de