Parkett auf Fußbodenheizung Vorsicht vor allgemeinen Aussagen

Fußbodenheizungskonstruktionen nehmen wegen ihrer guten wärmewirtschaftlichen Eigenschaften immer mehr zu. Das spielt dem nachhaltig wachsenden Werkstoff Holz in die Karten. Es gilt allerdings einiges zu beachten.

Auf fußbodenbeheizten Konstruktionen sind solche Fugen ganz normal, wenn die Luftfeuchte gering ist. - © Pitt

Vorsicht vor allgemeinen Aussagen

Holz verfügt über gute wärmedämmende Eigenschaften, ist aber auch als Parkettboden auf beheizten Konstruktionen geeignet. Wie passt das mit dem Wunsch nach Wohnkomfort zusammen, wird sich manch ein Bauherr fragen, dessen Architekt trotz Fußbodenheizung einen Holzfußboden vorschlägt. Es kommt doch auf die Wärmeleitfähigkeit der Materialien an, möchte man meinen, und die ist bei Stein, Keramik oder Metall ungleich besser.


Die Zusammenhänge macht man sich am besten an einem Beispiel deutlich. Man lege eine Fliese auf einen Parkettfußboden und berühre sie mit der Hand. Sie fühlt sich kühler an als das umliegende Holz, obwohl sich auf beiden Materialien die gleiche Temperatur eingestellt hat. Während die Fliese die Wärme schneller ableitet und die Hand deshalb kälter wirkt, weil der Körper nicht in gleichem Maße Wärme nachliefern kann, verhält es sich bei Holz anders: Dort kann der Körper die abfließende Wärme wieder ausgleichen, ja sogar schneller nachliefern, weil die Luft in den Zellhohlräumen des berührten Holzes einen Wärmestau herbeiführt. Folge: Die Hand fühlt sich wärmer an.

Barfuß über einen Holzfußboden zu laufen ist wesentlich komfortabler, als über einen gefliesten Boden zu gehen. Das daraus resultierende Qualitätsmerkmal „Fußwärme“ ist ein wesentliches Kriterium bei der Auswahl eines Holzfußbodens. Man denke nur an Laborplätze oder Werkbänke, bei denen die an ihnen arbeitenden Menschen von den fußwärmenden (und trittelastischen) Eigenschaften eines Holzfußbodens profitieren können.


Vom Durchlassen der Wärme

Und das wohlige Gefühl, barfuß auf dem Holzfußboden eines Designerbades in einem Wellnesshotel stehen zu dürfen, ist vielen Menschen ebenfalls bekannt. Aber das Material selbst, das auf dem Boden verlegt wird, ist nur eine Seite dieses Wohlfühlens. Denn Fliesen können ebenfalls sehr fußwarm sein, nämlich dann, wenn sie auf beheizten Fußbodenkonstruktionen liegen und ihre Wärme direkt an den menschlichen Körper abgeben. Damit kommt nämlich der Wärmedurchlasswiderstand ins Spiel, der Widerstand also, den ein Bauteil dem Durchgang von Wärme entgegensetzt.


Der Wärmeduchlasswiderstand bezieht neben der spezifischen Leitzahl des Stoffes dessen Schichtdicke mit ein und ist als deren Kehrwert 1/l definiert. Je größer dieser Wärmeduchlasswiderstand ist, je besser ist die Wärmedämmung – je kleiner der Wert, desto mehr Wärme fließt ungehindert durch das Bauteil. Damit wird dieser Wert zu einem ganz entscheidenden Parameter bei der Wahl des Bodens auf einer fußbodenbeheizten Konstruktion. Folge: Parkett gewinnt in direkter Abhängigkeit von der Dicke immer mehr an Bedeutung bei solchen Fußbodenaufbauten.


Grobe und dunkle Hölzer sind im Vorteil

So wird klar: Verklebt man ein dreischichtiges Mehrschichtparkett auf einem Estrich mit Fußbodenheizung, ist es aus wärmetechnischer Sicht absolut dafür geeignet. In diese Betrachtung gehören übrigens genauso das Quell- und Schwindmaß des Holzes, die Formstabilität, das Breiten- und Dickenverhältnis, die konstruktive Qualität und Verleimungsgüte des Parketts, die Feuchtewechselzeit, die Abmessungen, ja sogar die Farbe und Struktur. Wegen der unausbleiblichen Fugenbildung sind helle, wenig gemaserte Parketthölzer gegenüber etwas gröberen, dunkleren schon allein aus optischen Gründen im Nachteil.


In den einschlägigen Vorschriften ist der oberhalb der Heizleiterebene maximal zulässige Wärmedurchlasswiderstand mit 0,15 m2 u W/K angegeben. Damit wird es aber für Mehrschichtdielen, die schwimmend verlegt werden, schwierig, aus wärmetechnischer Sicht innerhalb der Grenzen der Fußbodenheizungseignung zu bleiben. Schließlich kommt noch eine notwendige Unterlage hinzu, die je nach Dicke und Konsistenz in der Regel mit Dämmwerten von etwa 0,03 bis 0,04 m2 u W/K ausgestattet ist. Die entstehenden Luftpolster und Wärmeübergangswiderstände sind bei dieser Betrachtung noch gar nicht berücksichtigt.


Allerdings gilt diese Einschätzung, wie oben ausdrücklich erwähnt, allein aus wärmetechnischer Sicht. Für schwimmend verlegte Mehrschichtböden lassen sich bei vorhandener konstruktiver Formstabilität ohne weiteres eine Reihe von Gründen anführen, diese Art der Verlegung zu empfehlen.

Hinsichtlich des eingesetzten Holzes gibt es ebenfalls Abhängigkeiten.

Wenn neue Holzarten auf den Markt kommen, tritt für denjenigen, der die Einführung vorantreiben will, die Frage auf, ob sie für Fußbodenheizungen geeignet sind. Massaranduba bzw. Muiracatiara oder ähnliche Hölzer wecken zwar Interesse, sind aber verständlicherweise leichter zu verkaufen, wenn sie entsprechend deklariert werden. Geht man hier wieder von der rein wärmetechnischen Betrachtung aus, ist vor allem die Rohdichte ein akzeptabler Richtwert, weil er näherungsweise mit der Wärmeleitfähigkeit korreliert. Deshalb reicht ihre Kenntnis für überschlägige Einschätzungen aus.


Auch wichtig zu wissen für den Praktiker: Es gibt einen nennenswerten Unterschied der Wärmeleitung von longitudinaler bzw. radial/tangentialer Faserrichtung. In Faserrichtung dringt die Wärme meist ungehindert durch die durchgehend aneinanderliegenden Spätholzzellwände. Quer dazu stören die luftgefüllten Hohlräume des Frühholzes die Weiterleitung. Denn hier muss die Wärme viele Luftschichten überwinden.


Das hat zur Folge, dass parallel zur Faser Nadelholz die Wärme etwa zweimal so gut leitet wie senkrecht dazu. Für Laubholz gelten ähnliche Abhängigkeiten. Eichenholzpflaster kann somit den Wärmeleitzahlen folgend bei einer Dicke von 30 mm als ohne weiteres geeignet für Fußbodenheizungen angesehen werden, während 22 mm dickes Stabparkett bereits in Grenzbereiche gerät, ohne diese allerdings zahlenmäßig komplett auszureizen. Die radiale Wärmeleitung ist wegen der vorhandenen Holzstrahlen etwa zehn Prozent größer als die tangentiale, der geringe Unterschied hat allerdings wegen der Gegebenheiten im Parkettbereich nur akademischen Wert.


Auf zu warmen Boden entstehen Fugen

Noch ein Faktor ist bei der Wahl von Parkett auf fußbodenbeheizten Konstruktionen sehr wichtig. Die durch die immer möglichst gleichmäßig in der Fläche funktionierende Fußbodenheizung hervorgerufene Oberflächentemperatur des Holzes spielt eine große Rolle im Hinblick auf die Eignung bzw. umgekehrt auch bei der Schadensneigung. Direkt über dem Holz stellen sich bei Fußbodenerwärmungen ausgesprochen niedrige Luftfeuchten ein (erheblich niedriger als in üblicherweise wahrgenommener Kopfhöhe), die das Verhalten ganz maßgeblich bestimmen.


Hohe Temperaturen am Boden bewirken eine erhebliche Austrocknung des Holzes und damit eine vernehmbare Schwindung, die sich am fertigen Boden in einer deutlichen Fugenbildung zwischen den Verlegeelementen äußert.

Dabei ist für den Fachmann unzweifelhaft, dass eine materialspezifische Fugenbildung genauso wie die aus einer oberflächlichen Austrocknung bedingte Verformung kein Grund zur Beanstandung eines Parkettfußbodens, sondern allein in der Natur des hygroskopisch reagierenden Holzes begründet ist. Hier gelten weiterhin Gesetzmäßigkeiten, die keinesfalls definierte Grenzwerte von Fugenausbildungen zulassen und jeweils im Einzelfalle beurteilt werden müssen.


Unabhängig davon sind speziell bei Mehrschichtparkett auf Fußbodenheizungskonstruktionen immer wieder Schäden aufgetreten, die auf konstruktiv bedingte Ursachen zurückzuführen waren.

Es ist also exakt zu trennen, was das Holz aufgrund seiner spezifischen, charakteristischen Eigenschaften erbringen und was die Konstruktion (bzw. auch die Verleimung ) eines aus dem Holz gefertigten Parketts nicht schaffen kann. Dasselbe gilt übrigens auch für Fußbodenkühlungen bzw. Klimaböden, die in der Beurteilung unter gleichen Gesichtspunkten zu betrachten sind.

Diese Fußbodenkonstruktionen gewinnen allmählich an Bedeutung und Holzfußböden haben daran einen nicht unerheblichen Anteil.


Analog zur Fußbodenheizung ist das „Kleinklima“ in unmittelbarer Parkettnähe die entscheidende und berücksichtigenswerte Größe. Eine Kühlung bedeutet in warmen Perioden eine gewünschte Herabsenkung der Temperatur, begleitet von einer Steigerung der Luftfeuchte aufgrund der bauphysikalischen Zusammenhänge.


Die übers Jahr verteilten Spannen der Holzfeuchten durch die hygroskopische Abhängigkeit von Holz und Luftfeuchte werden größer, wie eben auch folgerichtig die Auswirkungen im Holz. Zunächst geht es um konvexe Verformungen, Quelldrücke, mögliche Quetschungen in den Kantenbereichen der Elemente und weiterhin wohl auch um konstruktive Schadensbilder. Vorsicht bleibt geboten, auch weil eine planerisch gewollte Raumklimaspanne nur dann schadensfrei beherrscht werden kann, wenn sich die Materialien und ihre Verarbeiter darauf einstellen können.

Walter Pitt

walter.pitt@t-online.de