Besucherrekord erneut geknackt Forum Handwerk: Treffpunkt Nummer eins

Das von boden wand decke organisierte Forum Handwerk gehört für viele Messegäste längst zur Domotex dazu. Auch dieses Jahr lockte der Besuchermagnet mit brisanten Themen, die alle bodenlegenden Handwerker etwas angehen.

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    Informierten und unterhielten (v.l.): Joachim Barth, Richard Kille, Norbert Strehle und Andreas Hanfland.
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    Für viele Besucher aus dem Handwerk ist das Forum die erste Anlaufstelle.

Zielstrebigkeit ist sicherlich eine der Eigenschaften, die man Matthias Reusch, Bodenleger und Raumausstatter aus Husum, nachsagen kann. Da verwundert es nicht, dass er bei seinem Besuch auf der Domotex genauso vorgeht: Erst mal auf den Messeplan gucken und das Forum Handwerk suchen. „Für mich ist das Forum jedes Jahr die erste Anlaufstelle auf der Domotex“, sagt Reusch. Das liegt in erster Linie an den Themen. „Die Kunden werden immer anspruchsvoller, da reicht es nicht, einfach nur Normen zu befolgen“, findet der Bodenleger. Wie er seine Kunden noch zufriedener macht, erfahre er eben hier. Und oft genug auch, wie er sich teure Anwaltskosten sparen kann.

Dieses Jahr interessiert sich der Bodenleger vor allem für den Vortrag von Richard Kille. Dessen Thema „Zwischen Anspruch und Wirklichkeit“ trifft in der Tat einen Nerv. Die Sitzreihen sind voll, jeder Platz auf der Tribüne ist belegt und trotzdem drängen immer noch mehr Besucher heran und bleiben an den Seiten des Forums stehen, um von Kille die Gründe für das Phänomen zu hören, wieso sich bei Bodenbelägen die Reklamationen häufen.

Ein Thema, das man mit Fakten erschlagen und in einen trockenen Vortrag würgen könnte. Das ist aber Richard Killes Sache so gar nicht. Der Sachverständige gestikuliert, scherzt und imitiert zu Anschauungszwecken schon mal den Laufstil eines 90-jährigen Rentners. Obwohl gespickt mit harten Fakten und anschaulichen Details, hat sein Vortrag dieses schnöde Wort eigentlich nicht verdient. Denn er trägt nicht nur vor, sondern fordert sein Publikum heraus, das hellwach dabei ist. Jeder will hier etwas mitnehmen, das Thema ist ernst und geht alle an. Was kein Grund ist, auf Humor zu verzichten. Jetzt zeigt der Referent Bilder von Wellen im Boden, die das grelle Hallogenlicht eines Krankenhausflurs erbarmungslos ausleuchtet. „Was macht man da?“, fragt Kille. „Das Licht aus“, ruft es aus dem Publikum. Gelächter. Die Chemie stimmt. Am Ende des Vortrags werden sich die Erwartungen von Matthias Reusch erfüllt haben. Und nicht nur seine.

Trocken geht anders

Mit der Mischung aus handwerklichen und juristischen Themen hat das Forum Handwerk auch dieses Jahr wieder seinen Aufklärungsauftrag erfüllt. Dafür sprachen volle Sitzreihen trotz zeitweise leerer Messegänge und der Klagen einiger Aussteller über wenig Resonanz am Stand.

„Wir haben die Bau nicht gemerkt“, bestätigt Norbert Strehle, der das Forum Handwerk in bewährter Tradition mit Charme, Witz und Sachverstand moderierte und die Vorträge mit seinen Fragen an die Referenten sinnstiftend ergänzte. Waren es im vergangenen Jahr 700 Zuhörer, die das Forum besuchten, gelang es 2013 sogar, das Vorjahresergebnis leicht zu übertreffen. Der Sachverständige Norbert Strehle sieht dieses Topergebnis in der Auswahl der Themen und Referenten begründet. Denn selbstverständlich war Richard Kille nicht der einzige Hochkaräter beim Forum Handwerk.

Andreas Hanfland, Rechtsanwalt und Neueinsteiger auf dem Forum, brillierte zum Thema Schadensersatzforderungen mit geballter Fachkompetenz, die er in anschauliche Geschichten verpackte. Wer bisher dachte, juristische Themen müssten trocken sein, konnte sich hier überzeugen, dass es auch anders geht.

Wann haftet der Handwerker?

Hanfland zeigte, dass er das Talent besitzt, komplexe Sachverhalte in deutliche Worte zu packen und daraus Fallbeispiele zu schnüren, die nicht nur höchst informativ und nutzwertig sind, sondern sogar noch eine amüsante Seite haben können. Kurzum: Man hörte ihm einfach gerne zu. Und das bei einem Thema, bei dem es wirklich um die Wurst geht: Wann hat der Handwerker Schadensersatz zu leisten, was hat er zu verantworten und wann haftet er nicht? Und in welchen Fällen ist es sinnvoll, dem Kunden einen Schritt entgegenzukommen? Die Zuhörer dankten dem Anwalt seine Aufklärungsarbeit mit ihrer ungeteilten Aufmerksamkeit.

Der Frage „Alles parketti?“ widmete sich Joachim Barth, Bun­desinnungsmeister des Zentralverbandes Parkett- und Fußbodentechnik. Er holte für seine Zuhörer eine Auswahl an interessanten Schadensbildern hervor, anhand derer er Fehler und Pannen bei der Verlegung beleuchtete. Ganz nach dem Motto „aus den Schadensfällen der anderen lernen“. Barth zeigte, dass die gezeigten Fälle, die teilweise ein desolates Bild abgaben, vermeidbar gewesen wären, und bereicherte das Publikum mit praxisnahen Lösungen, um sich derartige Pannen zu ersparen. Dabei schöpfte Barth, der dieses Jahr zum zweiten Mal beim Forum Handwerk mitmischte, aus seiner Expertise als Sachverständiger, die er während des Vortrags mit seinen Zuhörern teilte. Sein erklärtes Ziel: Der Kunde soll perfekt ausgeführte Arbeiten erhalten. Mit den Tipps, die Barth auf dem Forum lieferte, dürfte das für seine Zuhörer kein Problem mehr sein.             

Elisabeth Göpel

elisabeth.goepel@holzmann-medien.de