Egger Der Tiroler Holzwerkstoffhersteller gibt sich bei Laminat selbstbewusst Stärker wachsen als der Markt

1996 startete Egger Floor Products mit einer vergleichsweise bescheidenen Produktionsmenge von drei Millionen Quadratmeter. Inzwischen behaupten die Tiroler bei Laminatfußböden in Europa einen Marktanteil von 15 Prozent.

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    Am Standort Brilon investierte Egger 75 Millionen Euro in ein Sägewerk.
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    50 Millionen Quadratmeter Produktionskapazität: das Egger-Werk in Wismar.
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Stärker wachsen als der Markt

In St. Johann, dem Egger-Firmensitz, rechnet man trotz einer allmählich abflachenden Wachstumskurve bei Laminat weiter mit Steigerungsraten. Ehrgeiziges Ziel der Tiroler: Ein Marktanteil von 15 Prozent in Europa. Zudem soll das Produktionsvolumen bis 2010 um rund 30 Prozent auf 80 Millionen Quadratmeter ausgebaut werden. „Die Branche steht vor neuen Herausforderungen“, sagt Egger-Retail-Vertriebsleiter Matthias Danzl. Einerseits wachsen die Produktionskapazitäten, andererseits zeigen vor allem in Westeuropa einige Märkte Schwächen. Zudem sinken die Exportquoten nach Nordamerika und Asien, da sich dort mittlerweile lokale Anbieter etablieren (vgl. dazu das Interview mit Matthias Danzl auf Seite 10).

Die Folge: Überkapazitäten. „Die Laminatfußbodenindustrie liegt derzeit mit den vorhandenen Kapazitäten um rund ein Fünftel über der aktuellen Produktion und es wird in Summe noch einiges dazukommen“, sagt Danzl.

Speziell in Spanien und England hat die Kreditkrise tiefe Spuren hinterlassen, betroffen sind vor allem Wohnbauprojekte: In Spanien werden die 700.000 Wohnbaueinheiten pro Jahr auf zirka 400.000 im Jahr 2010 zurückgehen. In England stagniert der Laminatfußbodenmarkt derzeit bei 40 Millionen Quadratmeter und wird voraussichtlich bis 2010 auf 30 Millionen Quadratmeter zurückgehen. Auch in Deutschland sind die Baugenehmigungen an einem historischen Tiefpunkt angelangt, dies spiegle allerdings nicht die Marktsituation wider, so Danzl: Der Markt habe sich zwar mittlerweile bei 80 Millionen Quadratmeter eingependelt, diese Menge sei aber auch für die kommenden Jahre zu erwarten.“

Wesentlich positiver zeigt sich die Situation in Osteuropa: Auch wenn in einigen Ländern das bis dato rasante Wachstum abflacht, wächst der Laminatfußbodenmarkt immer noch mit rund sechs bis zehn Prozent jährlich. In Polen zum Beispiel rechnet man bis 2010 mit zehn Prozent Wachstum pro Jahr auf eine finale Marktgröße von 40 Millionen Quadratmeter. Auch andere osteuropäische Länder wie Bulgarien oder Rumänien werden weiter wachsen, wenn auch mit etwas abflachenden Raten.

„Insgesamt sehen wir in Westeuropa nur ein leichtes Mengenwachstum mit durchschnittlich drei Prozent pro Jahr bis 2010. In Osteuropa rechnen wir für den gleichen Zeitraum mit durchschnittlich neun Prozent Wachstum“, sagt Danzl.

Während in Deutschland, England und Frankreich ein Großteil der Laminatfußböden über die Baumärkte abgesetzt wird, konnte in vielen anderen Ländern der Großhandel seine Position festigen beziehungsweise sogar ausbauen. In Osteuropa beobachtet Danzl expandierende Großhändler, während Baumärkte und Discounter sich oft mit dem Problem konfrontiert sähen, dass Aktionen und Werbung auf unterstem Preisniveau nicht mehr die erwünschte Wirkung zeigen.

Damit sich Laminat auch hierzulande im Großhandel noch mehr Anteile sichert und Potenziale mehr als bisher ausgeschöpft werden können, setzt die Industrie stärker als bisher auf Marketing-Tools für die Händler. Egger ist nach eigenen Angaben sehr stark im Groß- und Fachhandel verwurzelt, der nach wie vor über die Hälfte des Gesamtumsatzes ausmacht.

Das Ziel, auch künftig stärker zu wachsen als der Markt, will Egger durch die Fokussierung auf drei wesentliche Strategien erreichen: Schaffung optimaler technologische Voraussetzungen dank Investitionen in die Standorte Brilon und Wismar, Konzentration auf Produkte, die im optimalen Preis-Leistungs-Verhältnis hergestellt und vermarktet werden können und gleichzeitig bestimmte Volumenanforderungen erfüllen, sowie eine klare Differenzierung bei den Vertriebswegen der unterschiedlichen Kollektionen.

Der Umwelt verpflichtet

Umwelt und nachhaltige Produktion stehen bei Egger im Fokus. Das Unternehmen setzt deshalb auf voll integrierte Standorte. Dort wird Holz zunächst stofflich verwertet. Dies reicht von der Verwendung von Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft, der Vollholzproduktion im Sägewerk bis zur Produktion Rohstoff sparender Produkte wie der Eurolight Leichtbauplatte. Holzreste, die nicht in der Produktion verwendet werden können, werden in eigenen Biomassekraftwerken thermisch verwertet. Das in allen Produktionsschritten entstehende Kohlendioxyd wird wiederum von den nachwachsenden Bäumen aufgenommen und in Sauerstoff umgewandelt. Damit entsteht ein vollständig geschlossener Stoffkreislauf.-