Tue Gutes und sprich darüber. Ging es um die Leistungen des Verbandes der Deutschen Parkettindustrie, ist das darüber Reden in der Vergangenheit mitunter zu kurz gekommen. Das soll sich künftig ändern, wie Michael Schmid im Gespräch mit boden wand decke betont.

Noch schmackhafter machen
Michael Schmid, Geschäftsführer des Parkettherstellers Jakob Schmid Söhne GmbH & Co KG (Markenname: Jaso), ist seit kurzem neuer Vorsitzender des VDP (Verband der Deutschen Parkettindustrie). Der 37-jährige tritt sein Amt an in einer Phase, in der es den meisten parkettfertigenden Unternehmen nach schweren Jahren wieder besser geht. Dennoch, es gibt Herausforderungen, bei denen auch der Verband seinen Mitgliedern wichtige Unterstützung liefern kann.Vor allem in der Außendarstellung der Parkettbranche gibt es immer noch Luft nach oben, sagt Schmid.
bwd Herr Schmid, herzlichen Glückwunsch zur Wahl zum neuen 1. Vorsitzenden des Verbandes der Deutschen Parkettindustrie. In zwei, drei Sätzen: Wer ist Michael Schmid?
Schmid Die Frage ist nicht einfach zu beantworten, vor allem wenn man über sich selbst eine Beschreibung abgeben soll. In erster Linie Familienvater und Ehemann, in zweiter Hinsicht Mit-Geschäftsführer eines kleinen mittelständischen Familienunternehmens der vierten Generation und dann erst in dritter Linie Vorstandsvorsitzender eines kleinen, aber feinen, Industrieverbandes.
bwd Was sind die wichtigsten Herausforderungen, die Sie in Ihrem neuen Amt erwarten?
Schmid Es gibt viele verschiedene Herausforderungen, welche in solch einem Amt meine Aufmerksamkeit erfordern. In den letzten Jahren haben wir viele Hausaufgaben im Hintergrund gemacht, jedoch nur selten es geschafft die guten Taten auch nach Außen zu verbreiten. Hier liegt sicher eine unserer Hauptaufgaben.
bwd Die Parkettindustrie in Deutschland hatte es in den vergangenen Jahren sehr schwer. Was war der Grund für die teilweise ernüchternden Ergebnisse?
Schmid Ich weiß nicht, ob es gerade unsere deutsche Parkettindustrie schwer hatte, ich denke international ist das Geschäft schwieriger geworden, wie auch die jüngsten Insolvenzen in Österreich oder Frankreich bestätigen. In den letzten Jahren wurden enorme Produktionskapazitäten aufgrund von weltweiten Immobilienblasen, wie beispielsweise auch in Südeuropa, aufgebaut. Die jüngste Weltwirtschaftskrise zwang die Parkettindustrie dazu Kapazitäten zu vermindern oder gar gänzlich abzubauen. In diesem Fahrwasser behaupten sich die Mitglieder des deutschen Verbandes eigentlich ganz gut.
bwd Haben Wettbewerbsbeläge an Bedeutung gewonnen?
Schmid Laminat, hat nach Ansicht der Laminathersteller, den Zenit erreicht und wird wohl seinen Markt stagnierend behaupten. Teppich verliert weiter am Markt, jedoch kommen die Designbeläge sicherlich stärker. Dies ist sehr verwunderlich, denn in Zeiten der Nachhaltigkeitsdiskussionen und Abschaltungen von Kernkraftwerken, ist es doch erstaunlich wie ein Kunststoffbelag plötzlich solch einen Aufwind erleben kann.
bwd Die Branche war in der Vergangenheit sehr zurückhaltend. Was kann man tun, um die vielen positiven Eigenschaften wieder mehr in den Vordergrund zu rücken?
Schmid Ich denke, dass gerade diese Zurückhaltung sicherlich einer unserer Schwächen der Vergangenheit war. Die Nachhaltigkeit unsrer Produkte ist unschlagbar, die Ökobilanz stimmt und die Produkte sind ausgereift. Nun geht es darum dem Entscheider unseren Belag noch schmackhafter zu machen. Doch die Ausbringung dieser positiven Botschaften kann nicht nur vom Herstellerverband erbracht werden. Hier wird mehr Networking zwischen Hersteller-Handel-Verarbeiter gefordert sein.
bwd Die bauaufsichtliche Zulassung wird derzeitig heftig diskutiert, auch von Importeuren. Die deutsche Parkettindustrie müsste das doch alles eher gelassen sehen?
Schmid Wir sehen heute die Zulassung etwas gelassener, da wir es schafften, Einzelzulassung anstatt ganzer Systemzulassungen beim DIBt anerkannt zu bekommen. Vor allem auch, dass das unbehandelte Massivparkett keiner weiteren Prüfung unterzogen werden muss, ist ein Verdienst des Verbandes. Viele Hobel und Sägewerke wären sonst mit dieser Regulierung komplett überfordert gewesen.
bwd Bedeuten die Anforderungen eine Mehrbelastung für die Hersteller?
Schmid Natürlich bedeuten die Anforderungen eine finanzielle und personelle Mehrbelastung für den Hersteller. Besonders stark wirkt sich dies auf kleine und mittelständische Unternehmen aus, da der Aufwand für große Unternehmen fast gleich ist, wie für kleinere. Dennoch ist die Zulassung keine Geld- und Zeitverschwendung, wie böse Zungen behaupten. Mit der Zulassung bekommt der Handwerker eine rechtliche Sicherheit, dass die Komponenten welche er einbaut auch nicht schadhaft für deren Bewohner sind. Alleine der Schaden der nicht bezahlten Rechnungen aufgrund von gesundheitlichen Bedenken, überstieg in Vergangenheit die Summe der heutigen Zulassungskosten.
bwd Wie entwickelt sich die Umsetzung der Richtlinien auf europäischer Ebene?
Schmid Die europäischen Hersteller vermuteten hier natürlich eine Marktabschottung um nationale gegenüber ausländischen Herstellern zu bevorzugen. Dies ist aber absoluter Quatsch. Die erste Zulassung ging an einen österreichischen Hersteller und heute haben sowohl italienische, Schweizer oder gar chinesische Hersteller Ihre Zulassungen.
bwd Eine Frage zur Rohstoffsituation. Wie entwickeln sich die Preise, sowohl für die Hilfsstoffe als auch für das Holz? Hat man Chancen, die Steigerungen im Markt umzusetzen?
Schmid Die deutschen Hersteller trifft eine enorme Kostenerhöhung. Egal ob die hart umkämpfte Hauptholzart Eiche, die Hilfsstoffe wie Leime und Lacke oder gar Betriebsmittel wie Sägen etc., überall gehen die Preise hoch. Somit kann mittelfristig der Weg an einer Preiserhöhung beim Produkt Parkett nicht vorbeigehen. Am Markt werden die Erhöhungen sicherlich zeitversetzt durchgeführt, sofern diese wirklich durchsetzbar sind. So manch ein Käufer, der Preiserhöhungen seines Lieferanten in der jüngsten Vergangenheit nicht zuließ, muss sich heute einen neuen Lieferanten suchen, da sein Ehemaliger insolvent ist.
bwd Herr Schmid, vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte bwd-Redakteur Walter Pitt.