Workshops, Vorträge und mehr Lausitzer Oberflächentage 2026: Praxiswissen für Parkettleger

Die zehnten Lausitzer Oberflächentage haben Mitte September rund achtzig Gäste nach Bischofswerda geholt. Auf dem Programm bei FG Floortec standen Restaurierung ohne Substanzverlust, die Kulanzfalle bei der Gewährleistung und die Holzfeuchte von Massivdielen. Dazu kamen Workshops zum Versiegeln gefärbter Oberflächen. Hier die wichtigsten Erkenntnisse für den eigenen Betrieb.

Teilnehmer in offener Gesprächsrunde im Kreis
Rund achtzig Gäste waren für zwei Tage vor Ort. Ein Teil im Programm waren Vorträge und Workshops mit engem Bezug zur Praxis. - © Radziwill

Mitte September haben in Bischofswerda die zehnten Lausitzer Oberflächentage stattgefunden. Die Veranstaltung auf dem Gelände der Firma FG Floortec ist als herstelleroffenes Treffen rund um Parkett und Fußbodentechnik samt integrierter kleiner Fachmesse konzipiert. Vorträge und Workshops hatten durchweg engen Bezug zur Praxis.

Warum die Lausitzer Oberflächentage in Bischofswerda stattfinden

Bischofswerda liegt etwa 30 Kilometer östlich von Dresden im Landkreis Bautzen. Eine zentrale Lage ist das nicht – aber so gewollt, erklärt Andreas Colléte vom Netzwerk Parkett, der Organisator der Lausitzer Oberflächentage. "Ich hatte das Gefühl, dass die Region stiefmütterlich behandelt wird. Hier gibt es Platz, hier gibt es die Räume, und so kam es zu der Idee, eine kleine Messe aufzubauen", erinnert sich der Parkettlegermeister an die Ursprünge der von ihm ins Leben gerufenen Veranstaltung vor zehn Jahren.

2016 ist Colléte als Vertriebsleiter beim Parkettschleifmaschinenhersteller FG Floortec in Bischofswerda eingestiegen. Das Unternehmen des geschäftsführenden Gesellschafters Friedrich Kirchner wurde Gastgeber der Oberflächentage und ist das bis heute. Kirchner, ein Unternehmer aus Bamberg, hat vor zehn Jahren das Fabrik- und Bürogebäude gekauft. Zu DDR-Zeiten war darin eine Druckerei untergebracht, die Durchschlagpapier produzierte.

Kirchner hat das Gelände gekauft, um dort Parkettschleifmaschinen herzustellen – und einmal im Jahr die Lausitzer Oberflächentage stattfinden zu lassen.

Rund achtzig Gäste – und der Wunsch nach dem alten Ostgebäude

Nach zehn Jahren hat sich die Veranstaltung in der Branche etabliert. Die Besucherzahl hat sich auf rund achtzig Gäste eingependelt. Über die Jahre habe es immer wieder Ideen gegeben, die Oberflächentage nach Dresden zu verlegen, erinnert sich Colléte. Die Stadt sei leichter erreichbar, auch die Unterbringung der Gäste in Hotels sei dort einfacher.

"Aber bei den Besuchern wurde der Wunsch laut, an dem alten Ostgebäude mit dem quietschenden Fahrstuhl festzuhalten", sagt der Parkettprofi. So blieb es beim ursprünglichen Standort – bis heute.

Zielgruppe, Schwerpunkte und Workshops zum Versiegeln gefärbter Oberflächen

Zielgruppe der Lausitzer Oberflächentage sind Parkettleger und Oberflächenspezialisten. Die inhaltlichen Schwerpunkte:

  • Parkett
  • Maschinen
  • Oberflächen
  • Estriche
  • Rückbau
  • Untergrund
  • Recht

Neben praxisnahen Workshops zum Versiegeln von gefärbten Oberflächen bot das Treffen einmal mehr Vorträge mit hochkarätigen Dozenten und Experten der Branche – immer mit engem Bezug zur Praxis. Die Workshops kamen von Woca, Bona, Floorcoat, Roll und Rubio Monocoat.

Die rund 400 Quadratmeter große Parkettübungsfläche der FG Academy bot vor Ort ideale Bedingungen für Präsentationen, Workshops und Gespräche. Auf der integrierten Fachmesse präsentierten Aussteller ihre Produkte und Unternehmen. Dazu gehörte Björn Beck, Anwendungstechniker und Ansprechpartner für Verarbeiter und Industriekunden im Bereich Parkett- und Klebetechnik bei Murexin.

Restaurator werden und sein: Marko Domschke über Arbeit ohne Substanzverlust

Am ersten Tag sprach bwd-Autor Marko Domschke zum Thema "Restaurator werden und sein". Der langjährige Fachgruppenleiter der Bundesfachgruppe der Parkettrestauratoren leitet die Parkett- und Restaurierungswerkstatt Domschke in Pockau-Lengefeld in Sachsen. Er ist ausgewiesener Experte für die denkmalgerechte Sanierung, Erhaltung und Rekonstruktion historischer Holzfußböden und aufwendiger Intarsienarbeiten.

Domschke war maßgeblich an Projekten wie der Neugestaltung der Fortbildung zum Master Professional für Restaurierung im Parkettlegerhandwerk beteiligt, in Zusammenarbeit mit der Propstei Johannesberg. Dort leitet er auch Fachkurse wie das Schneiden von Intarsien.

Sein Abriss über die Aufgaben des Restaurators beleuchtete auch den Unterschied zum Parkettleger: "Wir fassen keine Schleifmaschine an, denn wir wollen keinen Substanzverlust – niemals."

Teure Fehler auf der Baustelle: die Kulanzfalle bei der Gewährleistung

Rechtsanwältin Marion Kenklies hatte das Thema "Teure Fehler auf der Baustelle – wann Rechtsfehler den Gewinn fressen" dabei. Die frühere Richterin und Staatsanwältin konzentriert sich seit vielen Jahren auf Trainings. "Ich vermittle lieber Rechtskenntnisse als selbst vor Gericht zu streiten", erklärte sie.

Drei Fallen standen im Mittelpunkt ihrer Ausführungen, darunter die "Kulanzfalle". In diesem Beispiel aus der Praxis ging es um einen Bodenleger, der einem guten Kunden einen Gefallen tun wollte. Dessen "müde aussehendem" Parkettboden gab er nach drei Jahren der Nutzung aus Kulanz eine Auffrischung. Durch das Nachbessern verlängerte sich allerdings auch seine Gewährleistungsfrist – das hatte der Handwerker nicht bedacht.

Ein kurzes Schreiben, auch nur als Mail, hätte ihm vermutlich einen fünfstelligen Betrag erspart. Darin hätte er klarstellen müssen, nicht erkennen zu können, wo seine Arbeit mangelhaft gewesen sei, er aber aus Kulanz nachbessere.

Checkliste: Kulanzarbeiten absichern – so lautet die Empfehlung aus dem Vortrag

  • Beim Nachbessern aus Kulanz schriftlich festhalten, dass Sie keinen Mangel an Ihrer Leistung erkennen können – eine kurze Mail genügt.
  • Im selben Schreiben klarstellen, dass Sie ausschließlich aus Kulanz nachbessern.
  • Bedenken: Nachbessern ohne diese Klarstellung kann die Gewährleistungsfrist verlängern.

Zweiter Tag: Verlegefehler, Holzfeuchte und Handwerksmarketing

Am zweiten Tag wurden die Sachverständigen Andreas Rümmler ("Mangelhafte Verlegung – Funktionsverlust und hohe Folgekosten") und Joachim Barth ("Sollfeuchte vs. Lieferfeuchte von massiven Laub- und Nadelholzdielen") erwartet. Organisator Andreas Colléte beleuchtete zum Abschluss der zehnten Lausitzer Oberflächentage "Gemeines und Allgemeines im Handwerksmarketing".

Weitere Referate kamen vom Gastgeber und aus der Industrie. Friedrich Kirchner hatte sich die Terrassenreinigung mit FG Bürstmaschinen als Thema ausgesucht. Dr. David Reindl, Laborleiter bei Dr. Schutz/Eukula, bewegte sich in seinem Beitrag über den Bereich der Holzfußböden hinaus.

Fazit: Was Betriebe von den Lausitzer Oberflächentagen mitnehmen

Die Lausitzer Oberflächentage bleiben nach zehn Jahren, was sie von Anfang an sein sollten: ein herstelleroffenes Treffen mit Praxisbezug an einem bewusst dezentralen Standort. Für Parkettleger und Oberflächenspezialisten liefert die zehnte Auflage zwei Kernaussagen für den Alltag: Restaurierung heißt Substanzerhalt ohne Schleifmaschine, und Kulanz braucht eine schriftliche Klarstellung, sonst verlängert sie die Gewährleistungsfrist. Dazu kommen Workshops von fünf Oberflächenherstellern und der Austausch auf der Übungsfläche der FG Academy.