Parkett kann Jahrzehnte, sogar Jahrhunderte überstehen, wenn es gepflegt wird. Nagt der Zahn der Zeit am Boden, setzt ihm Wasser zu oder ein unbedachter Zeitgenosse, muss der Parkettrestaurator ran. Zum Beispiel Marko Domschke aus Pockau-Lengefeld.

Fürs Wandern, Radfahren und fürs Geocaching ist die Umgebung rund um Pockau-Lengefeld in Sachsen perfekt geeignet. Die Stadt am Rande des Erzgebirgskreises ist ländlich geprägt und naturnah. In den engen Straßen winken sich entgegenkommende Autofahrer freundlich zu. Wer aus der Großstadt kommt, wundert sich – freundlich gemeint wird man dort im Straßenverkehr eher selten bewunken.
Oben am Hang steht ein Haus aus Holz, an das sich eine Werkstatt anschließt. Hier lebt und arbeitet Marko Domschke, staatlich geprüfter Restaurator im Parkettleger-Handwerk und Inhaber der Parkett- und Restaurierungswerkstatt Domschke.
Domschkes Wirken ist den Lesern von boden wand decke bestens bekannt: In vielen Ausgaben hat er seine Arbeit dokumentiert, in Hotels, in Villen, in Museen und überall dort, wo historisches Parkett verlegt wurde und restauriert werden muss. Wer ist der Mann hinter den Berichten?
Mit 16 Jahren nach Augsburg
Marko Domschkes Geschichte beginnt 175 Kilometer weiter östlich, in Löbau in der Oberlausitz, im Osten Sachsens. Der junge Mann will Klavierbauer werden, doch dann kommt die Wende, die DDR wird kurzerhand beendet und ein Einstellungsstopp in dem Betrieb, den er für seine Lehre ins Auge gefasst hatte, macht ihm ein Strich durch die Rechnung. So geht er mit gerade einmal 16 nach Augsburg, um dort eine Ausbildung zum Parkettleger zu machen.
„Nach drei Gesellenjahren dachte ich mir: Da muss noch mehr kommen“, erinnert sich Domschke. Und es kommt mehr. Aber erst einmal ruft Vater Staat: Domschke zieht es in die Berge, wo er sein Hobby, das Klettern, ausüben kann, und so verbindet er beides in Form einer Zivildienststelle in Rosenheim. Seine Aufgabe dort: Fahrdienst bei der Caritas. Im Anschluss daran macht er seine Ausbildung zum Restaurator, die er 2005 abschließt – das Restaurieren wird zu seinem Schwerpunkt; heute umfasst es rund neunzig Prozent seiner Tätigkeit.
Wenig später besucht Domschke eine Restauratorensitzung in Dresden. Auch sein zukünftiger Schwiegervater, der Meister und Restaurator Gerd Kleditzsch aus Pockau, nimmt daran teil, und – noch viel wichtiger – auch dessen Tochter, eine gelernte Parkettlegerin. „So kam eins zum anderen“, kürzt Marko Domschke ab. Nach zwei Jahren Pendeln, jeweils 600 Kilometer pro Strecke, wird in Pockau-Lengefeld, wo die Schwiegereltern leben, ein Grundstück frei; ein Wiesengrundstück am Stadtrand, auf das Domschke ein Wohn- und Geschäftshaus erbaut. Es besteht, wie soll es anders sein, überwiegend aus Holz. Nach 18 Jahren in Bayern zieht er der Liebe wegen out of Rosenheim zurück nach Sachsen.
Von alten und neuen Techniken
Parkettleger und Parkettrestaurator liegen dicht beieinander. Was macht für Sie den Unterschied aus?
Marko Domschke: Wir machen das, was die Parkettleger früher gemacht haben. Also: alte Techniken kennen und verstehen, aber auch neue Techniken wie zum Beispiel die Minimal Invasive Bohrlochinjektion einsetzen, um Schönes zu erhalten. Ziel des Unternehmens Holzboden Domschke ist es, historisch und handwerklich wertvolle Parkett- und Holzfußböden im Sinne des Denkmalschutzes im Einklang mit Denkmalämtern, Bauämtern und Bauherren fachgerecht zu restaurieren, zu pflegen und zu erhalten. Der Restaurator im Parkettleger Handwerk betreibt praktische Denkmalpflege. Wir haben uns der sach- und fachgerechten Bewahrung und Pflege des historischen Kulturgutes verpflichtet.
Schnell und preiswert hieß es früher oft
In der Zeit des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg und in der Nachwendezeit, sei Bausubstanz anders gesehen und behandelt worden; die schnelle und preiswerte Erstellung von Wohnraum war meist das zentrale Kriterium, sagt Domschke. Für ihn bedeutet Restaurieren nicht nur konservieren, sondern buchstäblich das Wieder-Herstellen. Er möchte mit seiner Arbeit ästhetische und historische Werte sichtbar machen, verborgene oder beeinträchtigte Werte des Denkmals so wiederherstellen, dass kein anderer Wert des Denkmals dadurch beeinträchtigt wird. Domschke: „In einer Rekonstruktion baut man das Original zu hundert Prozent genau gleich nach. Selbst wenn man eine Holzart wie Palisander einsetzen müsste, wird das mit dem entsprechenden Zertifikat für den Einsatz im Denkmal gemacht.“
Wie geht das? Im Mai in Berlin, bei der Mitgliederversammlung des Bundesverbands Parkett und Fußbodentechnik (BVPF), hat Marko Domschke Einblicke geliefert, als er den Bericht der Fachgruppe der Parkettrestauratoren präsentierte (siehe bwd 6-7/2025). Am Anfang der Restaurierungsarbeiten stehe immer die Oberflächenanalyse, sagt Domschke. Wattestäbchen mit verschiedenen Lösemitteln kommen zum Einsatz, um zu testen, was am besten anschlägt, um den Boden zu reinigen. Diese Lösemittel können miteinander kombiniert werden.
Zur Vorgehensweise
Wie entscheiden Sie, wie Sie vorgehen, welches Instrument, welche Substanz zum Einsatz kommt?
Domschke: Es kommt immer darauf an, was drauf ist, zum Beispiel ein Lack, ein Kunstharz, ein Wachs. Das kann man von der Struktur her meistens schon durch Augenschein erkennen, oft sogar auch auf Bildern. Parkettboden wird bei uns generell nicht geschliffen. Schleifen würde Substanzverlust bedeuten, das ist extrem schädlich, denn was weg ist, kommt nicht wieder. Patina bedeutet vielleicht hundert, 120 Jahre Geschichte – ist die entfernt, ist sie weg.
Wer sind die Kunden? Das Amt, das ein altes Schloss unter sich hat, der Scheich, der eine neue alte Villa renovieren lässt?
Domschke: Alles, quer durch die Bank. Privatleute, Ämter, Institutionen. Die meisten historischen Gebäude sind in privater Hand. Es gibt noch viele Grafen, Barone, ‚vons‘, die haben Schlösser, Rittergüter, Herrenhäuser, Stadtvillen. Wir sind überall dort, wo man uns braucht, bauen aber auch Tafeln für andere Firmen. Die werden von anderen verlegt und wir produzieren die hier. In diesem Fall arbeite ich mit meinem Schwiegervater zusammen, der mir mit der Produktion von Tafelparkett und Intarsienböden hilft.
Optimiertes Werkzeug
In der Werkstatt von Schwiegervater Gerd Kleditzsch, keine zwei Gehminuten von Domschkes Werkstatt entfernt, findet sich kaum ein Gerät, das als Standard durchgehen würde. Zahlreiche Werkzeuge sind für die Dielen- und Parkettherstellung umgebaut und optimiert.

Zu sehen sind eine Oberflursäge für Tafelparkett, eine Bürstmaschine und eine Finiermaschine, mit der sich hauchdünne Scheiben schneiden lassen. Finieren, erklärt Domschke, ist eine japanische Hobeltechnik, die es möglich macht, zehntel Millimeter Span vom Holz herunterzuholen. Bei dieser Art der Oberflächenbearbeitung von Holz geht es darum, eine sehr glatte und feine Oberfläche zu erzielen. Das Ziel des Finierens ist es, eine Oberfläche ohne sichtbare Hobelschläge oder andere Unebenheiten zu erreichen. Eine fein finierte Oberfläche ist besonders ästhetisch ansprechend und kann die Optik eines Holzes deutlich verbessern. Ein fein finiertes Holz kann leichter mit anderen Werkzeugen bearbeitet werden.
Es folgen eine Standpresse sowie eine Bandsäge mit Hartmetallblatt und Vorschubgerät. Domschkes Schwiegervater ist gelernter Drechsler- und Böttchermeister. Tatsächlich wurden in dieser Werkstatt früher Fässer gebaut; heute sind es Dielen. Wird die nächste Generation ins Handwerk einsteigen? Danach sieht es derzeit eher nicht aus: Domschkes Töchter wollen, Stand heute, beruflich beide eine andere Richtung wählen.
Jetzt sollen Jüngere ran
Marko Domschke ist seit 2022 Leiter der Bundesfachgruppe der Parkettrestauratoren im Bundesverband Parkett- und Fußbodentechnik. „Ich wollte, dass wir Restauratoren wieder sichtbar werden. Dazu gehören auch regelmäßige Berichte für die boden wand decke, um zu zeigen: Wir sind da. Wir freuen uns, wenn junge Handwerker das lesen und sagen: toll, das interessiert mich“, sagt Marko Domschke.
Jetzt, findet er, sollen das Leute machen, die zwanzig Jahre jünger sind. Bei der Fachgruppentagung vom 18. bis zum 21. September 2025 bei Jaso in Kippenheim gab er den Staffelstab weiter an seinen Nachfolger Christian Killer aus dem bayerischen Pocking – 2012 war der übrigens einmal Azubi des Monats in boden wand decke; lange ist’s her. In Zukunft, sagt Domschke, solle es weniger den einen Fachgruppenleiter geben, sondern stattdessen mehr auf Gruppenarbeit gesetzt werden.
Was man nicht reparieren kann, wird rekonstruiert.
Was kann bei einem Parkett eigentlich alles kaputtgehen?
Domschke: Alles. Das reicht vom Kratzer bis zum Totalschaden. Man kann alles reparieren, und was man nicht reparieren kann, wird rekonstruiert.
Und bei von außen nicht sichtbaren Schäden?
Domschke: Hohlstellen erkennt man durch Klopfen. Sie werden unterspritzt mittels Minimal Invasiver Bohrlochinjektion.
Wie lässt sich die Technik mit wenigen Worten umschreiben?
Domschke: Kurz gesagt ist das ein Verfahren, bei dem Hohlräume unter Parkett oder anderen Holzböden durch das Einbringen von Klebstoff durch kleine Bohrlöcher repariert werden. Abgelöste Parkett- oder Holzboden-Deckschichten werden wieder befestigt, indem Kleber über kleine Bohrlöcher mit etwa 0,5 mm Durchmesser in die entstandenen Hohlräume injiziert wird. Der Klebstoff wird unter Druck in die Hohlräume gepresst. „Minimal invasiv“ bedeutet, dass nur kleine Löcher benötigt werden und der Holzboden nicht komplett abgebaut oder ersetzt werden muss. Die Methode ist eine Alternative zu teuren und aufwendigen Sanierungen wie dem kompletten Parkettausbau.
Was passiert, wenn man nichts macht?
Domschke: Die Hohlstelle wird größer, das Problem auch, bis hin zum großen Schaden. Es gibt zwei Arten von Hohlstellen: Deckschichtablösungen, also Delaminierungen, wo nur die Deckschicht gelöst ist. Oder das Element hebt sich aus dem Kleberbett, etwa weil zu wenig Klebstoff verwendet wurde. Durch Trittbewegungen, durch den Wechsel der Jahreszeiten nimmt der Deckschicht Schaden zu. Bei Untergrundproblemen gilt das Gleiche: Je mehr Belastung, desto größer wird die entsprechende Stelle und damit der Schaden. Abwarten und Tee trinken hilft also nichts.
Immer schön in Ruhe
Domschke arbeitet oft, aber nicht nur im historischen Bereich. Immer öfter wird er gerufen, wenn ein Parkett unsachgemäß verlegt wurde und „gerettet“ werden muss, etwa durch die beschriebene Minimal Invasive Bohrlochinjektion. Wie sieht der klassische Fall aus? Das Telefon klingelt, der Kunde meldet einen Schaden, kommen Sie schnell, mein Parkett ist kaputt – so etwa? Was machen Sie dann? „Dann setze ich mich erst mal hin und sage: Schnell geht gar nichts. Die Ruhe ist dem Restauratoren heilig. Das ist unser Leitspruch“, erklärt Domschke.
Was ihm bei der Arbeit am meisten Spaß macht? Domschke findet, das lasse sich gar nicht so leicht beantworten, denn vieles, was Freude mache, sei körperlich belastend. „Eine Diele herzustellen, besäumen, abrichten, hobeln, ist schön, aber anstrengend, weil die extrem schwer sind. Das macht man nicht jeden Tag. Ich bin eine One-Man-Show, arbeite aber in vielen Bereichen mit anderen Meistern und Restauratoren zusammen. Hier in der Gegend ist das ein Pool von acht bis zehn Leuten.“
Wie lange machen Sie das noch mit dem Parkett restaurieren?
Domschke: Da gibt es keine Planung, ich habe mir kein Limit gesetzt. Ich bin jetzt fünfzig. Es hängt davon ab, wie ich mich fühle. Erst mal wollen wir die Kinder durchs Gymnasium und durchs Studium bringen.
Schreiben Sie doch ein Buch über Ihre interessantesten Fälle.
Domschke: Ich glaube, das mach ich. Aber erst wenn ich alt bin. Noch hab‘ ich Arbeit.
Serie Hausbesuch - seien Sie mit dabei!
Haben auch Sie einen Betrieb, der heraussticht? Sind Sie kreativ, engagiert, immer offen für Neues? Dann schreiben Sie uns doch eine Mail alexander.radziwill@holzmann-medien.de mit Fotos und Informationen zu Ihrer Arbeit. Und vielleicht kommen wir ja schon bald bei Ihnen zum Hausbesuch vorbei, unserer Rubrik in der bwd.
