Dielenböden, gefertigt aus regional bezogenem Holz in großen Dimensionen: Dafür steht seit 1996 Dipro aus Rheinau-Memprechtshofen im Schwarzwald. Nun spricht das Unternehmen gezielt Bodenleger an, die Dipro-Produkte verlegen können und wollen.

Das Maximum sind 18 Meter Länge und 500 Millimeter Breite. Der Standard liegt bei drei Metern Länge und einer 300er Breite – ziemlich lang und breit ist das immer noch. „Wir fangen dort an, wo viele andere aufhören“, sagt Oliver Hütte, einer von zwei Geschäftsführern der Dipro GmbH. Der Name Dipro steht ganz einfach für Dielen-Produktion. Die besondere Größe der Dielen ist ein Markenzeichen des Herstellers mit Sitz in Rheinau-Memprechtshofen im sonnigen Baden. Aber das ist nur die halbe Geschichte.
Der Punkt „Unsere Werte“ auf der Dipro-Homepage weist auf einen weiteren Aspekt hin. Da geht es um den respektvollen Umgang mit der Natur, um Qualität, um die Herkunft des Holzes und um die verantwortungsvolle Nutzung begrenzter Ressourcen. Oliver Hütte legt Wert darauf, dass er das ernst meint. „Das war schon so, lange bevor das Thema Nachhaltigkeit von vielen Firmen als Werbemöglichkeit entdeckt wurde. Für uns ist das keine Werbemaßnahme, das ist einfach unsere Art zu denken.“
Hütte hat Dipro 1996 als Ein-Mann-Unternehmen gegründet. Die Werte auf seiner Website lebt er mit seinem Unternehmen. Der bodenständige Badener spricht ohne jedes Pathos in der Stimme über seine Liebe zur Natur, über Respekt, den Schwarzwald, über Nachhaltigkeit und Qualität.
Was liegt Ihnen persönlich am Herzen?
Oliver Hütte: „Das Regionale und das Hochwertige. Wir produzieren alles hochwertig mit regionalen Hölzern, nutzen dabei unsere eigene Energie. Das Nachhaltige, wie zum Beispiel der eigene Strom, entspricht unserem Denken. Es hat für mich einfach keinen Sinn, Material über Tausende von Kilometern herzufahren. Wir haben regional so viel hochwertiges Holz, und das nutzen wir.“
Die Entdeckung einer Nische: lange und breite Dielen
Der gelernte Schreiner hat früh den Wunsch verspürt, mit Holz zu arbeiten. Nach der Ausbildung in einer Schreinerei mit dem Schwerpunkt auf gehobenem Innenausbau war er zehn Jahre in seinem Beruf tätig. Ihm fiel dabei auf, dass es eine Nachfrage nach langen und breiten Dielen gab, die damals von kaum jemanden bedient wurde. Hütte machte das für seine Kunden möglich.
Nachdem er sich mit dieser Nische zunächst im Nebenberuf selbstständig gemacht hatte, kam der erste Großauftrag. Oliver Hütte beschloss, seinen Job zu kündigen, um sich ganz auf die Selbstständigkeit konzentrieren zu können – die richtige Entscheidung. „Ich habe das als Marktlücke erkannt. Wenn man es richtig macht, kommen die Kunden von allein“, sagt er.
Heute beschäftigt Dipro 15 Mitarbeiter im Ein-Schichtbetrieb. Auf den Dächern: Solarpaneele. Die Fahrzeuge: elektrisch. Etwa 70.000 Quadratmeter Dielenböden werden im Jahr produziert. Die originalen Äste der Dielen bleiben wenn möglich erhalten – kreisrunde „Flicken“ im ausgebohrten Astloch sind bei Dipro verpönt. Der Hersteller bietet Dielenbreiten von 150, 200, 250 bis zu 300, sogar bis zu 500 Millimeter an, auch gemischt oder individuell nach Kundenwunsch gefertigt. Auch die Länge der Dielen, die bis zu 18 Metern betragen kann, wird nach den Vorstellungen des Auftraggebers gefertigt. Die Standardlänge 3 Meter in der 300er Breite ist fast immer am Lager und somit innerhalb weniger Tage für den Kunden verfügbar.
Das Unternehmen hält etwa 30.000 Quadratmeter Holz jeweils zur Hälfte als Halbfertigware und Rohholz am Lager vor. Die anfallenden Späne aus der Produktion werden direkt vor Ort zu Holzbriketts gepresst – etwa 800 Tonnen Briketts kommen so im Jahr zusammen, die an Abnehmer aus der Region gehen.
Machen alles selbst
Die Dreischichtdiele ist erst seit zwei Jahren im Sortiment des Herstellers und macht mittlerweile rund die Hälfte des Umsatzes aus. Hütte als Freund der Massivholzdiele hatte mit der Entscheidung zunächst gehadert, nun freut er sich über den Erfolg. „Wir machen alles selbst, auch Mittellage und Gegenzug“, sagt er.
Zum Einsatz kommen bei Dipro überwiegend Eiche, Esche, Douglasie, Fichte und Kiefer aus dem Schwarzwald und dem angrenzenden Raum. „Regional bedeutet bei uns einen Umkreis von bis zu 300 Kilometer, also neben Baden-Württemberg auch Rheinland-Pfalz und das angrenzende Frankreich, aber eben keine Tausende von Kilometern“, berichtet der Geschäftsführer. Ziel sei es, den Umkreis auf bis zu hundert Kilometer zu reduzieren, was Dipro bereits zu rund achtzig Prozent gelungen sei.
Wer Ihre Website ansieht, könnte glauben, Sie würden vor der Produktion einer Diele neben jedem Baum stehen und sagen: den hier ja, den hier nicht. Ganz so ist es aber nicht, oder?
Oliver Hütte: Doch, generell wird jeder einzelne Stamm angeschaut und dann erst gekauft. Anders funktioniert das nicht. Mittlerweile haben wir zum Glück einige sehr gute Rundholz-Lieferanten, die genau wissen, was wir von Dipro suchen. Da ist es nicht mehr notwendig, dass wir die Besichtigung selbst durchführen. Und wenn dann doch mal ein Stamm dabei ist, der nicht so schön ist, wandert der in die Mittellage oder gibt den Gegenzug in der 3-Schicht-Diele. Bei uns wird alles verwertet.
Woran erkennen Sie, ob sich ein Baum als Bodenbelag gut machen würde? Man kann ja von außen schlecht hineingucken.

Oliver Hütte: Astigkeit, Krümmung, Durchmesser. Zu klein ist nicht gut, zu groß aber auch nicht, denn dann ist er meistens innen fehlerhaft oder hat faule Äste. Teilweise werden die Bäume hier sortiert und abgelängt. Das Sägewerk ist nur wenige Kilometer entfernt. Wir hatten ein eigenes Sägewerk, das wir verkauft haben, aber werden uns wahrscheinlich wieder eines zulegen. Hier am Platz sägen wir mit mobiler Säge, da sind Herr Meier und ich dabei.
Bei Dipro macht jeder alles
Herr Meier, das ist der Co-Geschäftsführer Martin Meier, der vor sechs Jahren hinzukam. Damals wurde die Nachfrage immer größer und ein Großauftrag in Oslo mit 10.000 Quadratmetern Holz stand ins Haus. Statt sich auf jeweils eigene Bereiche zu beschränken, setzen Hütte und Meier auf spontane Arbeitsteilung: Jeder macht prinzipiell alles, so, wie es gerade kommt.
Vieles machen sie zusammen, wie zum Beispiel das Holz zu kommissionieren. So kann jeder von beiden auch mal zwei Wochen in Urlaub fahren, was in den ersten Jahren für Hütte undenkbar gewesen wäre. Martin Meiers Einstieg, sagt Oliver Hütte, habe „den Sprung nach vorn ausgelöst“.
Und Dipro ist weiter auf dem Sprung: Das rund 21.000 Quadratmeter große Gelände wird derzeit noch zur Hälfte von einem anderen Unternehmen bespielt; das soll sich zügig ändern, denn Dipro braucht mehr Platz.
Lange Zeit im Hintergrund
Die Schwarzwälder liefern weltweit; wichtige Kunden sitzen in Dänemark und Norwegen, Großbritannien, in der Schweiz und in Frankreich, aber Deutschland ist bei Weitem der Hauptmarkt. Großhändler machen die Hälfte des Umsatzes aus, dann kommen Bodenleger, Schreiner und Zimmermänner mit fast dreißig Prozent; der Rest verteilt sich auf Privatkunden.
„Wir haben in der Vergangenheit für Hersteller produziert, die unsere Produkte unter ihrem Namen auf den Markt gebracht haben. Wir waren also lange im Hintergrund und haben den Vertrieb vernachlässigt, das gilt es aufzuholen“, erklärt Hütte. Dazu soll Dipro als Marke stärker positioniert werden, speziell dem Bodenleger gegenüber.
„Denn wenn der Privatkunde kauft, fragt er sich: Wer verlegt mir das? Massivdiele wollen manche lieber nicht verlegen und stattdessen das eigene Produkt verkaufen. Darum suchen wir Bodenleger, die unser Produkt verlegen können und das auch möchten“, sagt Oliver Hütte.
Bundesweit sollen das in naher Zukunft rund hundert Bodenleger sein, denen Dipro auch Gebietsschutz einräumen würde. „Das sind die Dipro-Partner. Als Dipro-Premium-Partner soll es darüber hinaus weitere Vorteile geben, wie wir gerade ausarbeiten. Das versuchen wir zunächst regional, um es dann auszuweiten“, erklärt Hütte. Das Ziel sei es, in jeder Großstadt einen Dipro-Partner zu haben.
Was beeinflusst Ihrer Erfahrung nach die Wahl des Bodenbelags?
Martin Meier: Es ist immer der Mensch selber, der sich da widerspiegelt. Sei es der Trend oder sei es vielmehr sein Mobiliar zu Hause, zu dem der Boden passen soll. Meistens läuft es jedoch auf die Eichediele hinaus, weil die Eiche eine der härtesten heimischen Holzarten ist und nahezu zu jedem Einrichtungsstil passt.
Frisch gesägte Eiche
Im Holzlager riecht es nach frisch gesägter Eiche. Hier werden die Rohlinge für mehrere Monate gelagert. Anschließend werden sie technisch auf circa acht Prozent Restfeuchte getrocknet und ein zweites Mal besäumt. „Diese hier müssen bestimmt noch ein halbes Jahr lagern“, sagt Hütte und zeigt auf einen hohen Stapel. Die Bestände an Eiche muss er aufgrund der langen Lagerzeit erweitern, Douglasie kann schneller produziert werden.
„Wenn ein Kunde zehn Meter lange Eichenbretter will und wir nennen ihm eine Lieferzeit von einem Jahr – der wartet nicht auf uns. Wir müssen hier also in allen Längen und Breiten lagern. Das bindet Kapital und Fläche, aber anders geht es nicht. Das Nationalmuseum in Oslo haben wir auch deshalb als Auftrag bekommen, weil wir liefern konnten. Hier liegt nur ein Teil, wir haben noch weitaus größeres Lager in Freiburg“, berichtet der Geschäftsführer.
Douglasie lagert vier bis sechs Wochen und kommt dann in die Trockenkammer. Eiche, sagt Hütte, sei eine Herausforderung, „wenn man es richtig machen will“. Die sollte rund lagern, bis in den Herbst hinein, dann sägen und mindestens ein weiteres halbes Jahr lagern. Hütte: „Lagern ist zwingend notwendig – direkt in die Kammer ist schwierig. Trocknen an der Luft ist aus unserer Sicht der richtige Weg. Die Natur macht es eben immer noch am besten und am schonendsten. Die Voraussetzung ist, dass man die richtige Jahreszeit für den Holzeinschnitt wählt.“
Das gesamte Spektrum
Dipro ist seit einem Jahr PEFC-zertifiziert, jetzt sind die EPDs, also die Umweltproduktdeklarationen (Environmental Product Declarations) in Arbeit, ebenso wie die QNG-Zertifizierung, ein Qualitätssiegel für nachhaltige Gebäude. Im Unternehmen wird derzeit zwar zu achtzig Prozent Eiche verarbeitet, im Ausstellungsraum ist aber das gesamte Spektrum, also auch Fichte, Kiefer, Douglasie und Esche in fast allen bei Dipro umsetzbaren Varianten, zu sehen.
Jede Musterfläche ist aufgeteilt in Premium (relativ ruhig und astrein), Select (etwas lebendiger) und Natur (lebhaft), sodass jeder Kunde drei Sortierungen in großer Fläche sehen kann. Was gefällt Oliver Hütte am besten? „Ich persönlich würde Eiche nehmen, in 300er Breite“, sagt der Dipro-Gründer.
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Haben auch Sie einen Betrieb, der heraussticht? Sind Sie kreativ, engagiert, immer offen für Neues? Dann schreiben Sie uns doch eine Mail alexander.radziwill@holzmann-medien.de mit Fotos und Informationen zu Ihrer Arbeit. Und vielleicht kommen wir ja schon bald bei Ihnen zum Hausbesuch vorbei, unserer Rubrik in der bwd.