bwd on tour Hausbesuch bei Boden Konzept: Immer in Bewegung bleiben

Seit mehr als dreißig Jahren arbeitet Angelo Kunovic mit Bodenbelägen. Seine zweite Leidenschaft: alles, was mit Sport, Training und Fitness zu tun hat. Beide Elemente lassen sich überraschend gut zusammenbringen. Und die nächsten Ideen sind schon in Arbeit.

Boden Konzept betreibt Angelo Kunovic seit 2010. Den Showroom in Böblingen hat er 2018 eröffnet. - © Radziwill

Wer sich mit jungen Menschen unterhält, hört oft: Ohne Sport geht nichts. Das Gym ist für viele heute einfach gesetzt. Manche gehen mehrmals die Woche ins Fitnessstudio, einige sogar täglich. „2010 waren sechs Prozent der Deutschen in Studios, Sportvereinen etc., heute sind wir bei elf Prozent. Das hat sich fast verdoppelt in 14 Jahren und wir sind noch nicht am Ende. In Österreich sind es zwanzig Prozent, in Spanien dreißig, in den USA über 40 Prozent – da ist Potenzial. Weniger für die klassische große Muckibude, aber auf kleineren Ebenen. Ich schaffe es auch nicht jeden Tag, aber zwei, dreimal die Woche muss schon sein“, sagt Angelo Kunovic. Sein Vater, berichtet der Unternehmer, sei bald siebzig und sehe locker 15 Jahre jünger aus. „Wir haben Achtzigjährige im Studio, die sind so fit, auch geistig. Sport hält dich jung, Bewegung ist das Beste gegen das Altern“, erklärt Kunovic.

Der 49-Jährige hat zwei Standbeine: die Fitnessstudios und die Bodenbeläge. Im Segment Boden ist er Inhaber und geschäftsführender Gesellschafter von Boden Konzept in Böblingen – und damit Ansprechpartner für Privatleute und jede Art von Unternehmen auf der Suche nach dem passenden Bodenbelag. Zudem ist er selbst Studiobetreiber und kennt darum die Wünsche, Sorgen und Nöte der Kunden gut.

Bestens in der Fitnessbranche vernetzt

Bis zum vergangenen Jahr hat der Bereich Sport etwa achtzig Prozent des Auftragsvolumens seines Betriebs ausgemacht; in der Fitnessbranche ist Kunovic bestens vernetzt. Heute schätzt er das Verhältnis von Kunden aus dem Sportbereich und allen anderen auf fünfzig-fünfzig. „Der Fitnessmarkt wird langfristig zwar wachsen, ist derzeit aber rückläufig und ich bin froh, dass ich ein zweites Standbein habe.“ Die Fitnessstudios agierten gerade sehr zurückhaltend. Leasing, sagt Angelo Kunovic, sei teuer, Geräte seien während Corona um zwanzig Prozent teurer geworden, das drücke auf die Investitionskosten. „Die Mieten sind gestiegen, zudem Nebenkosten, Personalkosten – darum halten alle den Ball flach und konsolidieren. Aber: In jeder Krise steckt immer auch eine Chance.“

Boden Konzept gibt es seit 2010

Boden Konzept betreibt Kunovic seit 2010. Den Showroom in Böblingen hat er 2018 eröffnet. Dabei, erklärt der Unternehmer, handele es sich um so etwas wie eine Fußbodenboutique: „Wir haben hier 120 Quadratmeter Ausstellungsfläche und noch einmal 200 Quadratmeter außer Haus. Das ist nicht viel, bietet aber von allem immer das Schönste, zumindest meiner Meinung nach. Ich gehe das Angebot mit dem Kunden durch und zeige das, was wir nicht dahaben, am 70-Zoll-Monitor, auf der Website, Raumplaner und dergleichen. Textile Beläge, Kork, Vinyl, Holz – wir machen alles, abgesehen von Stein und Laminat.“

Inklusive Verkaufsleitung, Vertrieb und Buchhaltung besteht Boden Konzept aktuell aus fünf Personen. Eigene Kolonnen zum Verlegen in Dreier- und Vierer-Teams gab es einmal, mittlerweile arbeiten Kunovic und sein Team mit externen Partnern, um den Kontakt zwischen Kunde und Verleger vor Ort zu gewährleisten. Aber die, mit denen er arbeitet, sagt er, seien handverlesen: „Der feste Stamm, das sind zwei Kolonnen, mit denen ich seit 25 Jahren zusammenarbeite, die sind hier im Süden und fahren auch mal nach Hamburg, wenn es nötig ist. Ich möchte das nicht mehr selbst machen und habe meine Mitarbeiter an befreundete Partnerunternehmen weitervermittelt“, berichtet der Unternehmer.

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    Angelo Kunovic mit Hund Mucki
    © Radziwill
    Mucki, eine sechs Jahre alte französische Bulldogge, gehört quasi zum Inventar von Boden Konzept. Wo Angelo Kunovic hingeht, ist Mucki meist nicht weit.
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    showroom Boden Konzept
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    Boden Konzept ist Ansprechpartner ist für Privatleute und Unternehmen auf der Suche nach dem passenden Bodenbelag – auch, aber längst nicht nur im Bereich Sport und Fitness.
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    Angelo Kunovic Boden Konzept
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    Angelo Kunovic ist Inhaber und geschäftsführender Gesellschafter von Boden Konzept in Böblingen.
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    Sport und Bodenbeläge gehen bei Angelo Kunovic Hand in Hand. 2010 gründete er sein eigenes Bodenbelagsunternehmen und sein erstes Fitnessstudio.
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    Boden Konzept betreibt Angelo Kunovic seit 2010. Den Showroom in Böblingen hat er 2018 eröffnet.

Die Teppich-Generation

Wie so viele Karrieren hat auch die von Angelo Kunovic im elterlichen Betrieb begonnen. „Mein Vater begann mit 19 bei Teppich Frick, da gab es noch Hunderte Teppichrollen und abgepasste Teppiche ab Lager. Er ist aus der Generation, die Teppichboden immer geschätzt hat. Erst wurde er Filialleiter bei Teppich Frick, dann machte er sich mit der Teppichhalle selbstständig. Da war ich von Kindesbeinen an mit dabei. Nach meinem BWL-Trainee-Studium ging ich zurück in das Unternehmen meiner Eltern und führte unsere zweite Filiale in Leonberg“, erinnert sich Kunovic.

Teppichboden war bereits zu dieser Zeit rückläufig; angesagt waren damals Parkett und Laminat. „Mein Vater war Textilkaufmann. Alles, was nicht EK Mal zwei war, war nichts. Beim Laminat musstest du mit 30-40 Prozent Aufschlag zufrieden sein. Insgesamt war ich 15 Jahre in der Firma meines Vaters aktiv. 2010 gründete ich mein eigenes Bodenbelagsunternehmen sowie mein erstes Fitnessstudio.“

In sieben Jahren 13 Studios

Gemeinsam mit dem Bruder, dem Vater und Freunden eröffnete Kunovic in sieben Jahren 13 Studios in Österreich, Heidelberg/Mannheim, der Bodenseeregion und natürlich in Böblingen. „Das war eine sehr expansive Zeit. Eines Tages wurde es mir zu viel“, blickt der Unternehmer zurück. Bei der Einschulung seiner Töchter, erinnert er sich, sei er zwar körperlich dabei gewesen, aber geistig im Geschäft: „Ich war gefangen im Hamsterrad.“

Etwas musste sich ändern, das wurde Kunovic vor rund zehn Jahren klar. „Ich habe gemerkt, dass meine Work-Work-Balance in Schieflage geraten ist. Schwäche zeigen, das ist in unserer Generation keine Option. Ich habe mir Hilfe geholt durch Coachings und Seminare. Ich habe gelernt, wie das geht: Ordnung schaffen durch Klarheit und Struktur.“

Welche Rolle spielt Struktur heute in Ihrem Leben?

Angelo Kunovic: Ich werde dieses Jahr 50. Ich mache gern, was ich mache, da gibt es eine gewisse Zufriedenheit. Manche haben den Punkt, an dem die Kinder ausgezogen sind und das eigentliche Ziel erreicht ist. Du funktionierst, du arbeitest, aber weißt nicht, für was und für wen und wann du aufhörst. Da ist ein luftleerer Raum zwischen Ziel 1 und dem Ziel am Ende. Meine Woche hat noch immer sechzig Stunden, aber das ist nicht schlimm, denn ich bin organisiert und strukturiert. Ich schaffe mir Freiräume. Meine Lebensgefährtin wohnt in der Schweiz. Also arbeite ich gerne die ein oder andere Woche auch mal samstags und bin dafür oft ab Freitag nicht da. Montags gehe ich immer erst zur Physio, dann zum Personal Trainer oder gehe mit meinem Vater eine Runde laufen, bevor ich die Woche starte. Mittags ist Team Meeting, wir planen die Woche, und jeder geht an seine Arbeit. Ohne feste Struktur würde das nicht gehen.

Bei Boden Konzept gibt's Kundenberatung mit Hund

Mucki, eine sechs Jahre alte französische Bulldogge, gehört quasi zum Inventar von Boden Konzept. Wo Angelo Kunovic hingeht, ist Mucki meist nicht weit. - © Radziwill

Zum neuen Leben gehört auch Mucki, eine sechs Jahre alte französische Bulldogge, die durch ihre Körpersprache freundlich, aber bestimmt ausdrückt, dass an ihr vorbei nichts geht. Auch bei der Kundenberatung macht sie sich gern nützlich. Kunovic: „Mucki spielt gern Orakel. Wenn Kunden fünf, sechs Muster am Boden liegen sehen und sich nicht entscheiden können, kommt er und setzt sich auf eine Planke. Die Wahl fällt dann oft auch auf genau diese Variante. Die Trefferquote liegt bei fünfzig Prozent.“

Sie arbeiten im Bereich Fitness sehr oft mit Designbelägen. Was muss solch ein Belag können, um den Belastungen im Sportbereich standzuhalten?

Angelo Kunovic: Nehmen wir das Thema tanzen und Tanzkurse: Das war früher der klassische Schwingboden aus Holz. In den heute zu investieren für einen Kursraum, der zu siebzig Prozent am Tag leer steht, das ist eine Herausforderung. Da wird lieber Geld für Licht und Sound ausgegeben. Und das kann ich leasen. Im Fitnessstudio hast du am Tag 500 Menschen, die trainieren. Da wird gearbeitet, die Hantelbank von A nach B gezogen, da fällt die Hantelscheibe herunter und macht eine Macke in den Boden. Wenn du drei, vier Jahre Macken gesammelt hast, bist du froh über einen Boden, den du schnell wieder renovieren kannst. Also: Planke raus, Kleber runterrubbeln, neuer Kleber, Planke drauf. Dann eine Grundreinigung, und alles sieht aus wie neu.

Klicken, kleben, Looselay

Klicken oder kleben?

Angelo Kunovic: Ich sage zu meinen Kunden im Fitnessbereich immer: Wenn du willst, dass wir Freunde bleiben, lass uns kleben. Klicken überlassen wir dem Baumarkt. Natürlich machen wir das auf Wunsch auch und verkaufen es auch, aber zu 95 Prozent setzten wir Lösungen ohne Klick um. Und es gibt Looselay, es gibt so viele Möglichkeiten, da muss Klick nicht sein. Im Fitnessbereich haben wir viele ehemalige Supermärkte, da liegen Fliesen mit Minifuge. Das heißt: grundieren, spachteln, schleifen, dann verkleben. Oder man nutzt komplett lose liegende Kollektionen. Die Fitnessgeräte stehen auf Gummifüßen. Bei der Beinpresse liegst du im 45 Grad Winkel und presst das Gewicht. Bis 800 Kilo sind die Geräte zugelassen. Du lässt es fallen und schiebst das Gerät weiter, das sind enorme seitliche Kräfte, die auf den Boden einwirken, da brauchst du den richtigen Kleber.

Blick geht nach vorn bei Boden Konzept

Angelo Kunovic schaut gern nach vorn, und dort sieht er neue Geschäftsmodelle. „Was macht der Kunde heute, bevor er rausgeht? Öffnet Handy oder Laptop und gibt ein, was er sucht. Und da gehen wir verstärkt rein, in unsere Funnels. Im Online-Marketing wird damit der Prozess beschrieben, der vom Interesse an einem Produkt, an einer Dienstleistung, bis er zum Ende des Funnels, auf Deutsch Tunnel, zu unserem Kunden geworden ist“, berichtet er.

Im Webshop gibt es den Bereich Sport, den Bereich individuelle Lösungen mit Firmenlogos etc. und den Bereich für den Endkunden. Zu finden werden dort aber nicht unendlich viele Bodenbeläge sein, sondern Bestseller. Also ein jederzeit erreichbares Verkaufs- und Beratungstool für Endverbraucher sowie für Betreiber von Fitnessstudios.

Sie sind nicht Hersteller und auch nicht der Händler mit der riesigsten Auswahl, und Sie sind nicht der Verleger. Sie sitzen vielmehr irgendwo in der Mitte und sagen: Ich erfülle deine Wünsche, ich erledige deine Probleme. Ist das für Kunden, die in Kategorien wie Hersteller, Händler, Verleger, Raumausstatter denken, greifbar?

Angelo Kunovic: Viele Marken, die gerade viral sind, suggerieren ja, dass sie quasi Hersteller sind, dabei sind sie eher Vertriebsgesellschaft. Mit my-boden.de möchte ich eine Marke etablieren, mit Videoblogs, Beiträgen, Infos. Ich möchte dem Kunden eine Plattform geben, in die er sich einlesen kann, wo er Videos ansehen kann. Wir geben Informationen und haben eine Auswahl an Bodenbelägen, die wir zu einem ordentlichen Preis anbieten. Die sind nicht vergleichbar, denn ich habe einen Lieferanten, der nicht im Internet auftaucht und mir die Bodenbeläge, die ich als meine Eigenmarke anbiete, produziert.

Online-Projekt startet 2025 im Süden

Wie heißt die Marke?

Angelo Kunovic: Sie heißt my-boden.de, und auch auf dem Karton steht my-boden.de. Es gibt zwölf Holz- und fünf Stein-Dekore, das ist meine Marke, mein Produkt. Der Lieferant übernimmt auch die Logistik. Die Verlegung biete ich über die mit uns in Verbindung stehenden Handwerker an, die Qualität bieten. Das Online-Projekt startet 2025 hier im Süden. Onlineshops, die nur verkaufen, gibt es viele. Ich will natürlich auch verkaufen, aber eben auch beraten. Alle 150,200 Kilometer habe ich jemanden, den ich kenne, der mir empfohlen worden ist oder mit dem ich schon gearbeitet habe.

Optionale Leistungen

In fünf Jahren hofft Angelo Kunovic, wird sein Unternehmen ungefähr so aussehen: zwanzig Prozent stationärer Handel, fünfzig Prozent Onlinehandel, dreißig Prozent Projektgeschäft. Beim Onlinebusiness kann der Kunde optionale Dienstleistungen hinzubuchen. Er gibt die Daten zu seinem Projekt – zum Beispiel ein Wohnhaus, zwei Zimmer, Designbelag – ein. Findet er das Angebot, das ihm my-boden.de daraufhin macht, ansprechend, kommt es zum Termin.

„Meine Handwerker sind alles langjährige Mitarbeiter, auf die ich mich verlassen kann, die über Marktpreisen bezahlt werden und die pünktlich ihr Geld bekommen. Zuverlässigkeit muss in beide Richtungen gehen, nur dann funktioniert das. Und mit Ehrlichkeit“, sagt Kunovic. Er selbst, erklärt der Geschäftsmann, sei auf der einen Seite ein Zahlenmensch, der kleinteilig und säuberlich kalkuliere. „Ich verkaufe aber auch unheimlich gern. Die Geschichten, die da oft mit dranhängen, sind zeitintensiv. Und das Einzige, was mir in meinem Leben fehlt, ist Zeit. Du bekommst aber vom Kunden sehr vieles zurück. Bei einem Objekt wie, sagen wir, einem Krankenhaus mit 3000 Quadratmetern, bekommst du nichts als Druck. Der Boden wirft Blasen, die Sockelleiste sieht nicht gut aus – alles negativ.“ Mit seinen Kunden, erklärt Kunovic, baue er ein Verhältnis auf. Manchmal würden sich, gerade im Fitnessbereich, Beziehungen über Jahre entwickeln: „Ich kenne die Familie und weiß, wie der Hund heißt. Und weil ich auch Kollege bin, ist das Vertrauen größer.“

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