Einblicke Von Stefan Heinze Glanzparade oder Flop?

Glanzparade oder Flop?

Vom Enia-Firmensitz im niederländischen Goirle bis zur Desso-Zentrale in Waalwijk sind es mit dem Auto gerade mal 25 Minuten. Und dennoch trennen die beiden Firmen Teppichbodenwelten. Desso hat international einen guten Namen, wenn es um Sportböden und Teppichböden für das Objekt geht. Insbesondere im Hotelbereich, aber auch bei der Ausstattung von Kreuzfahrtschiffen ist Desso gut positioniert.


Nahezu bedeutungslos ist dagegen das Geschäft mit Teppichböden für den privaten Wohnbereich. Unter dem Label Desso Home führte die Sparte bis dato ein Schattendasein. Wenn es stimmt, dass es eine langfristige Strategie gab, dies zu ändern, dann könnte diese Strategie mit dem Erwerb der niederländischen Enia-Tochter jetzt aufgehen. Enia war im Livingbereich in Holland Marktführer. Die Marken Bonaparte und Parade sind dort fest verankert. Und: Enia Holland war immer in Besitz dieser Markenrechte. Hinzu kommt: Innerhalb der Enia Carpet Group hat die niederländische Tochter offenbar profitabel gearbeitet und nach eigenen Angaben auch 2008 und 2009 Gewinne erzielt.


Zusammen mit dem zugekauften Enia-Umsatz in Höhe von 50 Millionen Euro bringt es die Desso-Gruppe nun auf rund 230 Millionen Euro Gesamtumsatz. Das ist auch international betrachtet eine passable Größenordnung. Derart gestärkt will Desso nach eigener Aussage künftig auf dem Wohnsektor in Europa ein gehöriges Wörtchen mitreden. Definiert sind die Deutschland-, Österreich- und Schweizambitionen. Auch Frankreich habe man im Visier, heißt es. Ob Desso Living ein Erfolg wird, hängt auch davon ab, ob man mit der neuen Parade in Deutschland an die alten Kollektionserfolge anknüpfen kann. Eine selbstverständliche Voraussetztung dafür ist, dass das Produkt stimmt. Aber fast noch wichtiger sind bei zunehmend austauschbaren Produkten in unsicheren Zeiten Zuverlässigkeit, Berechenbarkeit und eine funktionierende Perspektive. Die Marke Parade hätte es schlechter treffen können als mit Desso. Die Chancen, sie zu neuer Stärke zu bringen, stehen so schlecht nicht.