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Estrichpraxis auf Englisch

Brush up your English. So hieß es vor kurzem an der Bau-Berufsschule in Wien, als beim Praxistag Estrich nicht nur das Einbringen eines Fließestrich gelehrt wurde, sondern obendrein noch praktisches Baustellen-Englisch.

Die 15 Teilnehmer, zwölf Lehrlinge und drei angehende Meister, hatten bereits Musterkojen vorbereitet, in denen der flüssige Anhydritestrich aus dem Fahrmischer gepumpt wurde. Doch bevor es losgehen konnte, besprach Josef Barbi, Vorführmeister der Firma Rohrdorfer, die notwendigen Vorbereitungsarbeiten Schritt für Schritt. So muss vor allem die PE-Folie unbedingt dicht sein, damit kein Estrichmörtel in die Dämmung eindringen kann, was später Schallbrücken verursachen würde. Auch die korrekte Anbringung der Randstreifen, die bei einem Heizestrich mit zehn Millimeter doppelt so dick wie bei einem herkömmlichen Estrich sein müssen, sowie die Faltenfreiheit sind Punkte, die beachtet werden müssen.

Bevor der dünnflüssige Fertigestrich, der immer in gleicher Qualität angeliefert wird, in die Kojen gegossen wurde, galt es noch, die Schläuche korrekt anzuschließen. Danach wurde mit einer Schablone das Ausbreitmaß kontrolliert, das zwischen 22 und 24 Zentimeter liegt. Als alles überprüft war, hieß es noch, die Schläuche vorzuschlämmen, um zu verhindern, dass zu dünnes Material eingepumpt wird. Dies würde zu einem Aufschwimmen und damit zu einer verminderten Oberflächenfestigkeit des Estrichs führen.

Nach wenigen Minuten war dann eine Koje nach der anderen gefüllt und es ging zum Schwabbeln der Oberfläche. Dabei wird mit der beigestellten Schwabbelstange der Estrich gleichmäßig verdichtet, um eine planebene Oberfläche zu erzielen. Jeder musste ran, alle waren mit Feuereifer dabei.

Zusatzkompetenzen

Während des gesamten Praxisunterrichts war die Englisch-Lehrerin Mag. Renate Kurzweil vor Ort und forderte die Burschen auf, das eben gesagte in Englisch zu wiederholen. Mit dieser innovativen Methode will man die Bodenlegerausbildung weiter aufwerten. Zusätzliche Kompetenzen spielen nämlich auch in der beruflichen Fachausbildung eine immer größere Rolle. „Dem versuchen wir an der Berufsschule für Baugewerbe in der Unterrichtsgestaltung Rechnung zu tragen“, heißt es dazu aus der Schulleitung. Schüler erhalten so Zusatzkompetenzen in der Berufsschule, die Firmen oft nur schwer abdecken können. Die Fachgruppenbereiche arbeiten dabei Hand in Hand um einen möglichst praxisnahen Unterricht zu ermöglichen. So beteiligen sich auch Lehrkräfte der wirtschaftlichen und allgemeinbildenden Fächer am Estrichkurs und unterrichten, passend zum Kursschwerpunkt Estrich, berufsbezogenes Fachenglisch direkt in der Werkstatt. Das versteht das kompetente Lehrer-Team an der Berufsschule unter modernem, handlungsorientiertem Unterricht, der nicht an den Fachgrenzen halt macht.

Am Ende waren alle Beteiligten sehr zufrieden. KommR Christian Dobianer bedankte sich in seiner Funktion als Lehrer und Innungsmeister bei der Firma Rohrdorfer für die fachliche Unterstützung und bei den Teilnehmern, die zweifelsohne mehr mitnehmen als bei einem Frontalunterricht ohne Beteiligung. ⇥ Thomas Mayrhofer

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