Das sagt die Anwendungstechnik Estrichoberflächen abschleifen oder anschleifen?

Die Rubrik "Das sagt die Anwendungstechnik" liefert in unregelmäßigen Abständen Tipps, Tricks und Know-how für den Fußbodenprofi. Dieses mal beantworten wir die Frage: Estrichoberflächen abschleifen oder anschleifen?

Die Oberflächenvorbereitung von Estrichen ist essenziell für eine langlebige und hochwertige Verlegung von Bodenbelägen. - © Wolff

Die Oberflächenvorbereitung von Estrichen ist essenziell für eine langlebige und hochwertige Verlegung von Bodenbelägen. Hierbei wird zwischen dem Anschleifen und dem Abschleifen unterschieden. Beide Verfahren haben klare Vorgaben und Anwendungsbereiche, die in Normen und Richtlinien festgelegt sind.

Anschleifen | Reinigungsschliff

Die DIN 18560 T1, Ziffer 4.2.1, fordert, dass die Oberfläche von Estrichen für ihren Verwendungszweck geeignet sein muss. Der Bundesverband Estrich und Belag (BEB) empfiehlt in seinem Merkblatt zu Fliesen- und Plattenbelägen auf Anhydritestrichen, dass Anhydrit-Fließestriche mit Schleifpapier der Körnung 16 angeschliffen und anschließend mit einem Industriesauger gereinigt werden sollten, sofern keine anderen Herstellervorgaben vorliegen. Diese Empfehlung wird auch vom Zentralverband Parkett und Fußbodentechnik sowie vom Fachverband Fliesen und Naturstein (FFN) unterstützt. Bei Zementestrichen ist eine ähnliche Vorgehensweise notwendig: Sie müssen mit einer Ein- oder Mehrscheibenmaschine gesäubert und anschließend ebenfalls gründlich abgesaugt werden.

Abschleifen | mechanische Oberflächenkorrektur

Oberflächen, die weiche oder labile Zonen oder dünne, harte Schichten wie Sinterschichten oder Zementleim aufweisen, sind mangelhaft und müssen durch Abschleifen korrigiert werden. Das vorher beschriebene Anschleifen ist eine vom Auftraggeber zu vergütende Regelleistung nach VOB, Teil A §9. Im Gegensatz dazu stellt das Abschleifen eine Mängelbeseitigung dar und gehört nicht zu den Standardleistungen. Der Auftraggeber muss dem Handwerker einen belegreifen Untergrund bereitstellen. Ist dies nicht der Fall, sollte eine Bedenkenanzeige erfolgen. Das Abschleifen wird entweder als Sonderleistung vergütet oder vom Vorgewerk als Mängelbeseitigung ausgeführt.

Wie sind die Verantwortlichkeiten geregelt?

Im Fall des Estrichlegers: Estriche neigen bei fachgerechter Ausführung nicht zu einer Ausbildung von weichen, wunden oder labilen Zonen bzw. harten Schalen. Ein Abschleifen ist somit nicht erforderlich. Es ist nur dann Bestand des Auftrags, wenn dies vorab vereinbart wurde. In diesem Fall stellt es für den Estrichleger eine besondere Leistung dar, die es zu vergüten gilt.

Im Fall des Parkett- und Bodenlegers: Die Arbeiten der Boden- und Parkettleger beginnen, sobald der Estrich belegreif ist, was nicht nur von der Restfeuchte, sondern von insgesamt elf Kriterien abhängt. Dazu zählen unter anderem die Oberflächenfestigkeit, Ebenheit (nach DIN 18202) und der Verschmutzungsgrad der Estrichoberfläche. Während der Bauphase, z. B. durch Malerarbeiten, wird der Estrich oft verschmutzt. Staub und Schmutz, die lose auf der Oberfläche liegen, müssen vom Auftragnehmer entfernt werden, sofern der Auftraggeber den Boden grob besenrein übergeben hat. Schmutz bis 0,5 Liter pro Quadratmeter zählt als Nebenleistung. Bei stärkerer Verschmutzung oder haftungsmindernden Schichten (z. B. Zementschleier), die eine Entfernung durch Abschleifen erfordern, handelt es sich um Sonderleistungen. Das Anschleifen dient hier dazu, die Haftung für Grundierungen, Spachtelmassen oder Klebstoffe sicherzustellen.

Fazit: Zwischen Anschleifen und Abschleifen genau unterscheiden

Die Unterscheidung zwischen Anschleifen und Abschleifen ist für eine erfolgreiche Bodenverlegung entscheidend. Während das

  • Anschleifen eine reguläre Maßnahme zur Vorbereitung der Estrichoberfläche ist, handelt es sich beim
  • Abschleifen um die Beseitigung von Mängeln.

Die Verantwortlichkeiten zwischen Estrich- und Bodenlegern sollten klar geregelt sein, um Missverständnisse zu vermeiden. Nur durch eine sorgfältige Oberflächenvorbereitung kann eine belastbare und langlebige Basis für Bodenbeläge geschaffen werden.

Die Rubrik "Das sagt die Anwendungstechnik" erscheint in Zusammenarbeit mit der Uzin Utz SE und liefert in unregelmäßigen Abständen Tipps, Tricks und Know-how für den Fußbodenprofi.