Bereits zum fünften Mal fand im September das "Workcamp Parquet 2017" statt. Diesmal füllten 35 Parkettleger aus elf Ländern den europäischen Gedanken mit Leben und verhalfen ganz nebenbei einem alten Schloss in Sachsen zu neuem Glanz.
Auch wenn Europa politisch nicht so recht zusammenhalten will, im Handwerk funktioniert die Kooperation der Nationen. Zumindest im Rahmen des sogenannten "Workcamp Parquet 2017“. Das findet auch Berufsschullehrer Ernst Müller: "Die europäische Zusammenarbeit war das Ziel und das kam auch rüber.“ Das Workcamp, ein jährlich stattfindendes Event, bei dem Parkettleger aus ganz Europa ein gemeinnütziges Projekt unterstützen, fand Anfang September in der sächsischen Stadt Dahlen statt.
Über eine Woche lang packten Parkettleger aus elf Ländern jeden Tag an. Ihre Aufgabe: Dem historischen Kaisersaal des Stadtschlosses zu einem neuen Boden und damit zu altem Glanz verhelfen. Schon vor 45 Jahren ist das Schloss bis auf die Grundmauern abgebrannt, aus finanziellen Gründen war an eine Sanierung bisher nicht zu denken. Für Dahlen kam das "Workcamp Parquet 2017“ daher wie gerufen.
Renovierung eines Schlosses in Sachsen
Zehn Tage lang wurde freiwillig gesägt, gefräst, geschliffen und verlegt. Ernst Müller, der das Projekt organisierte, lag die Renovierung am Herzen: "Die Stadt hätte das nicht alleine stemmen können. Wir wollen Projekte machen, bei denen sicher ist, dass die nächsten Jahre ohne Hilfe nichts vorangehen wird. Und das war hier der Fall.“
Seit fünf Jahren leitet Müller das Workcamp – eine Idee, die ursprünglich durch die Peter-Maffay-Stiftung geboren wurde. Damals wurde unter dem Motto "Deutsches Handwerk hilft“ ein Kinderferienheim in Rumänien gebaut.
Der europäische Gedanke zählt
Das Projekt ist also ein soziales und doch ist die Agenda klar: Das Image des Handwerks soll dadurch besser, der Beruf des Parkettlegers bekannter und attraktiver werden. Das ist auch René Caran vom Organisationsteam wichtig. "Wir wollen zeigen, dass das eine gute Arbeit sein kann. Und zwar über die Ländergrenzen hinaus.“ Bisher hat das Workcamp die Erwartungen der Organisatoren erfüllt, das zeigt zumindest das Interesse der Medien. Vor allem regional wurde ausgiebig berichtet.
Aber auch für den sogenannten "Sachsenspiegel“ des MDR wurden die Handwerker begleitet. Einen positiven Effekt der Veranstaltung konnte Caran sogar direkt erleben: "Einer der Teilnehmer hat sich in meinem Betrieb in Tschechien beworben und ist für die Stelle 400 Kilometer umgezogen. Er will hier wirklich lernen.“
Carans neuer Mitarbeiter ist einer der 35 Parkettleger, die in Dahlen zusammenkamen, um in wenigen Tagen ein außergewöhnliches Parkett im Versailler Muster zu verlegen. Unter den Helfern waren Deutsche genauso wie Engländer, Italiener, Polen, Holländer und Russen. Fast die Hälfte der Teilnehmer erfuhr durch Facebook von dem Projekt, der Rest durch Hörensagen.
Bunt zusammengewürfelte Gruppe
Caran legte Wert auf eine zusammengewürfelte Mischung unterschiedlicher Nationen und Altersgruppen: "Es geht um den Erfahrungsaustausch von Jung und Alt und zwischen den Nationen. Alle sollen voneinander lernen.“ Der jüngste Teilnehmer war 17, der älteste über 50 Jahre.
"Das waren also nicht nur Azubis, sondern auch gestandene Männer“, erklärt Müller. Die Auswahl der Truppe war gelungen, die unterschiedlichen Sprachen kein Problem. Die Teilnehmer hatten Spaß an der Arbeit, unterhielten sich auf Englisch, übersetzten gegenseitig oder verständigten sich mit Hand und Fuß.
Die Agenda in der Praxis
Als die Parkettleger in Dahlen ankamen, wussten die meisten von ihnen nicht, auf was sie sich einließen. "Aber das ist ja genau das Spannende“, erklärt Müller, der alle handwerklichen Abläufe leitete. "Die Nationen arbeiten sehr unterschiedlich. Aber alle haben die Chance, etwas Unbekanntes zu lernen, zum Beispiel im Umgang mit neuen Maschinen.“ Das Paradebeispiel seien in dieser Hinsicht die Engländer gewesen. Für sie waren die meisten Maschinen Neuland.
Dem Berufsschullehrer ist auch ein polnischer Kollege im Gedächtnis geblieben: "Er hat drei Tage lang genutet. Und das hat ihn überhaupt nicht gestört, denn er stand zum ersten Mal an einer Fräse.“ Sowohl Müller also auch Caran sind die russischen Parkettleger aufgefallen. "Sie sind von früher schlechte Maschinen und schlechtes Material gewöhnt“, so Caran. "Auf diese Weise können sie aus Unglaublichem Unglaubliches machen.“
Deutsches Ausbildungssystem im Vergleich
Müller findet die russischen Arbeitsmethoden unkonventionell, aber er nimmt es mit Humor: „Die vorgeschriebenen Sicherheitsvorkehrungen waren für sie eigentlich überflüssig.“ Die deutschen Handwerker sind durch ihre Ausbildung positiv aufgefallen. "Das duale Ausbildungssystem ist schon etwas, das bewundert wird“, sagt Müller. Unter seinen Anweisungen verlegten die Parkettleger ein Versailler Muster aus Ahorn- und Eichenhölzern und fertigten Intarsien in Eiche, Räuchereiche, Ahorn und Kirschbaum. Zur Erinnerung an das gemeinsame Projekt verlegten die Helfer ein Randfries, in das sie die Namen aller Teilnehmer und Sponsoren einlaserten.
Die Stadt Dahlen war stolz, Gastgeber des Projekts zu sein und organisierte zum Dank einen "Europatag“ mit Rahmenprogramm. Mit dabei war auch Udo Herrmann, bwd-Kolumnist und Trainer für Handwerksbetriebe. Er hielt einen Fachvortrag über seine Handwerksakademie QM1, mit der er Betriebe unter anderem bei der Mitarbeiterführung und der Verbesserung von Betriebsabläufen unterstützt. Für ihn war das Event ein Idee, die Schule machen könnte: "Der europäische Gedanke ist hier gelebt worden. Ich kann mir vorstellen, dass hier Freundschaften fürs Leben entstanden sind.“
2018 findet Workcamp wieder statt
Auch nächstes Jahr wird das Workcamp stattfinden. Dann bereits zum sechsten Mal. Wo genau, das wissen die Veranstalter noch nicht. Für Caran steht aber eines fest: "Wir wollen die europäischen Länder durchgehen.“ Und auch Müller ließe sich für noch eine Runde begeistern, solange der soziale Gedanke auch weiterhin im Vordergrund steht.
Die Sponsoren
- Asuso
- boden point
- Fermacell
- FG Floortec - FG Maschinenbau
- Fristads Kansas
- Gewerbliche Schule Ehingen
- Janser
- Kiesel
- Lobis Böden
- Mafell
- Mapei
- Metallwerk
- Murexin
- Mitgas
- PCI
- Prinz
- Parkett-Hinterseer
- Pallmann
- Renspol Parkety & Interiéry
- Saicos Coating Systems
- Stickywood.eu