DLW Flooring muss seinen Standort in Bietigheim-Bissingen schließen, weil der Investor kurzfristig abgesprungen ist. Rund 200 Beschäftigte wurden aus insolvenzrechtlichen Gründen freigestellt.
Wie mehrere Medien, unter anderem die Stuttgarter Nachrichten melden, musste Bodenbelaghersteller DLW Flooring erneut Insolvenz anmelden. Nach fortgeschrittenen Gesprächen sei ein potenzieller Investor für den Standort Bietigheim-Bissingen kurzfristig abgesprungen. Da es keine anderen Angebote von Investoren für den Standort gebe, müsse dort die Produktion eingestellt werden. Davon sind rund 350 Beschäftigte betroffen. Das Linoleumwerk in Delmenhorst solle nach jetzigem Stand erhalten werden.
2014 meldete DLW Flooring bereits Insolvenz an, wurde jedoch an den niederländischen Investor Fields verkauft. Im Herbst 2017 beantragte das Unternehmen die vorläufige Insolvenz in Eigenverwaltung, da "ein kurzfristig aufgetretener Liquiditätsengpass nicht ausgeglichen werden konnte."
Gespräche über Standort in Delmenhorst
Nach Unternehmensangaben könne es nach jetzigem Stand gelingen, den Standort in Delmenhorst sowie alle dortigen 270 Arbeitsplätze sowie weitere Arbeitsplätze an anderen Standorten zu sichern. Entsprechende verbindliche Angebote liegen laut DLW vor und werden derzeit mit den potenziellen Investoren verhandelt. Hier zeichne sich bereits zeitnah eine finale Einigung mit einem namhaften strategischen Investor ab. Die endgültige Vertragsunterzeichnung werde noch im Januar erwartet. Zudem laufen nach Unternehmensangaben noch Verhandlungen über den Verkauf von einzelnen Produktionsbereichen der DLW Flooring.
Investor erklärte überraschend seinen Rücktritt
Für den Standort Bietigheim-Bissingen gebe es dagegen kein Angebot eines Investors, nachdem ein Interessent für diesen Standort abgesprungen ist. "Die Gespräche mit dem Interessenten waren bereits weit fortgeschritten", sagt Hans-Norbert Topp, Vorsitzender der Geschäftsführung der DLW Flooring. Kurzfristig hatte der international tätige potenzielle Investor dann allerdings überraschend seinen Rückzug erklärt.
"Wir haben für den Standort Bietigheim-Bissingen alles versucht. Ohne Investor aber ist die Standortschließung nicht zu vermeiden", sagt Topp. Der Standort in Bietigheim-Bissingen habe durch fehlendes Investoreninteresse keine Perspektive mehr und schreibe seit Jahren hohe Verluste. Eine Fortführung des Geschäftsbetriebs ginge zu Lasten aller Gläubiger. "Das ist aus rechtlicher Sicht nicht zulässig", erläutert der Geschäftsführer. Derzeit organisieren die Verantwortlichen eine Ausproduktion, um vorhandene Aufträge abzuarbeiten und Bestände zu verarbeiten.
190 Beschäftigte werden freigestellt
190 Beschäftigte in Bietigheim-Bissingen müssen aus insolvenzrechtlichen Gründen ab dem 15. Januar 2018 freigestellt werden. Entsprechend den gesetzlichen Vorgaben werden darüber hinaus kurzfristig Verhandlungen mit dem Betriebsrat über einen Interessensausgleich und Sozialplan geführt. Danach müssen die Kündigungen ausgesprochen werden. 150 Mitarbeiter bleiben weiterhin beschäftigt und sollen für eine geordnete Abwicklung der Arbeiten am Standort Bietigheim-Bissingen sorgen.
Sanierungsmaßnahmen kamen zu spät
Sanierungs-Geschäftsführer Hans-Norbert Topp, der vor knapp einem Jahr berufen wurde, gibt vor allem zwei Gründe für das mangelnde Interesse am Standort Bietigheim-Bissingen an. "Es fehlte knapp drei Jahre nach der ersten Insolvenz das Grundvertrauen in das Unternehmen. Und: Die erst vor etwa einem Jahr eingeleiteten Sanierungsmaßnahmen zeigten zwar gute Erfolge, wie alle Seiten bestätigten, sie kamen aber zu spät. Die notwendigen Investitionen an diesem Standort waren den Investoren zu riskant." Das zeigte sich in den Gesprächen mit den meisten der mehr als 40 Interessenten, welche die Zahlen und Daten der DLW Flooring intensiv geprüft hatten.