Bei der Rekonstruktion der Parkettflächen im Propositionssaal und im Großen Ballsaal des Dresdner Residenzschlosses kam ein Versailler Tafelparkett auf „Sächsische Art“ zum Einsatz. Ein Projekt, das ein hohes Maß an fachmännischem Können erforderte.
Das Dresdner Residenzschloss zählt zu den wichtigsten Bauwerken Sachsens und kann auf über 800 Jahre Geschichte zurückblicken. Ursprünglich im 12. Jahrhundert als Burg errichtet, entwickelte es sich zur Residenz der sächsischen Kurfürsten und Könige. Das bedeutende Renaissance-Schloss wurde 1945 gegen Ende des Zweiten Weltkrieges bei den Bombenangriffen auf Dresden weitgehend zerstört. Es brannte bis auf die Grundmauern nieder. Heute zeigt sich das Schloss wieder in alter Pracht und beherbergt mehrere bedeutende Museen wie beispielsweise das „Grüne Gewölbe“.
Parkettrestaurierung im Dresdner Residenzschloss
Im Zeitraum Februar 2025 bis Januar 2026 führte die Firma Parkett Kleditzsch aus Pockau die Neuverlegung von Parkett im Propositionssaal und im Großen Ballsaal im zweiten Obergeschoss des Nordflügels des Residenzschlosses aus. Auftraggeber war der Staatsbetrieb SIB NL Dresden I.
Bei Beginn der Arbeiten fanden die Parkettprofis eine Fußbodenfläche vor, die aus den verspachtelten Kunststoffrohren der Trockenestrichkonstruktion mit Fußbodenheizung bestand.
- Zuerst nahmen sie ein Vorstreichen des gesamten Fußbodens vor, danach die Abdichtung der Bodentanks mittels Montageschaum.
- Die Flächen wurden mithilfe eines Lasers nivelliert und in einem Raster von etwa 60 cm durch aufgeklebte Höhenpunkte markiert.
- Anschließend wurden alle Flächen mit einer Gipsspachtelmasse bis zur vorgesehenen Sollhöhe aufgespachtelt.
- Nach dem Trocknen erfolgte ein Anschleifen des Estrichs mittels einer Einscheibenmaschine mit Diamantschleifteller.
Rekonstruktion der Tafelparkettböden
Im Propositionssaal sollte auf einer Fläche von ca. 340 m² und im Großen Ballsaal auf ca. 320 m² ein Versailler Tafelparkett auf „Sächsische Art“ verlegt werden. Bei dem als Unterschied zum originalen Versailler Tafelparkett die Diagonalfriese in den Tafeln bis zur Außenecke durchlaufen und es keine Zwischenfriese gibt. Zur Rekonstruktion der Parkettflächen dienten dem ausführenden Betrieb Raumpläne und Fotos aus einem Umbau im 19. Jahrhundert. Vorgegeben war, dass
- die Parketttafeln aus Einzelteilen montiert werden sollten,
- die einen dreischichtigen Aufbau aufwiesen und
- mit D3-Leim kreuzweise verleimt wurden.
Fertigung der Parketttafeln
Alle Parketttafeln wurden als A- bzw. B-Tafeln gefertigt, sodass die Innenteile stets identisch waren. Sie lagen in derselben Richtung, während sich die gegenüberliegenden Außenfriese an den Ecken als Winkelfriese abwechselten. So bilden die vier zusammenstoßenden Tafeln bei der Verlegung an ihren Kreuzungspunkten eine „Windmühle“.
Trocknung und Zuschnitt des Holzes
Die Firma Parkett Kleditzsch trocknete das Holz in der Trockenkammer künstlich auf 9 % Holzfeuchte,
- bevor sich eine erste Sortierung der Qualität und
- der Zuschnitt in die verschiedenen Breiten für die Friese und für die Würfel stattfinden konnte.
Die Bretter sind auf eine gleichmäßige Dicke gehobelt. Nach dem dreischichtigen Verleimen, bei der
- die Holzrichtung der Unter- und Decklagen längs und
- die der Mittellage quer verlief,
schloss sich eine nochmalige künstliche Trocknung auf eine einheitliche Holzfeuchte von 8 +/– 2 % an. Deckschichten, Mittellagen und Gegenzüge sind aus Eichenholz hergestellt. Im Anschluss wurden die getrockneten Dreischichtdielen auf eine Sollstärke von 22,5 mm gehobelt und mittels Finiermaschine oberseitig abgezogen. Dies beseitigt die Hobelspuren.
Es folgten der Längszuschnitt auf Fries- und Würfelbreiten sowie das Längsnuten. Alle Friese, die innerhalb einer Parketttafel optisch durchlaufen sollten, wurden rückseitig nummeriert. Sie stellt nach dem Zusammenbau eine durchgängige Holzmaserung sicher. Bei der Montage der Einzelteile zu fertigen Parketttafeln kamen Fremdfedern aus Nadelholz zum Einsatz. Die Federn sind aus Querholz geschnitten. Alle Würfel sind rundherum gefedert, die Friese an den Stirnseiten. Die Parketttafeln sind durch ein leimfreies Zusammenstecken der Einzelelemente montiert und rückseitig verklammert. Die zuvor vorgenommene Kennzeichnung der Frieselemente stellte sicher, dass bei der Montage die Optik ineinander verflochtener Friese entstand.
Nummerierung der Tafeln
Für die gleichen Einzeltafeln mit Öffnungen für Bodentanks erhielten die Tafeln Nummern. Diese waren je nach A- oder B-Tafel farblich unterschieden. An den vorgesehenen Positionen der Bodentanks legten die Parkettleger jeweils einen Würfel ohne Parkettfedern lose als Platzhalter ein.
Der Rand der Leerstelle ist unterseitig rundum ausgefräst und ein vorbereitetes Aluminiumprofil mit einem Überstand von 1 mm eingeklebt und verschraubt. Die Deckel für die Bodentanks wurden aus dem Parkettholz 1 mm schmäler zugesägt, unterschnitten und rückseitig ausgefalzt. Somit liegen die Deckel auf den Aluminiumprofilen auf und sind oberseitig bündig. Das Beschneiden der Parketttafeln und ringsum nuten beendete die Werkstattarbeit. Die Herstellung der Parketttafeln erfolgte in zwei Etappen,
- zuerst wurde der Propositionssaal gefertigt,
- danach der Große Ballsaal.
Einbau der Böden
Die Parketttafeln wurden bedarfsweise auf die Baustelle transportiert, mit einem Ladekran oder Baustellenaufzug in das 2. Obergeschoss gebracht und im Raum auf Paletten gelagert. Das Verkleben der Tafeln mittels 2K-PU-Parkettkleber erfolgte jeweils im Wechsel A- und B-Tafeln basierend auf einem Verlegeplan, ausgehend mit der Tafel auf der Mittelachse diagonal durch den gesamten Raum. Alle Parketttafeln und Friese sind durch Fremdfedern aus Querholz miteinander verbunden. Den Abschluss zur Wand bildeten individuell angepasste und zugeschnittene Parketttafeln. Die letzten Arbeitsschritte: ein minimales Verspachteln der verlegten Parkettfläche, das Abziehen mittels mit einer Ziehklinge und das Abpadden mit einem Schleifpad. Die Oberflächenbehandlung setzte Parkett Kleditzsch durch zweimaligen Auftrag eines Hartwachsöles mit Härterzusatz um.
Mit der Fertigstellung der beiden Räume ist das zweite Obergeschoß des Dresdner Residenzschlosses wieder komplett als musealer Rundgang nutzbar.
