Die Eiche ist wie für den Fußboden gemacht. Und derzeit gefragt wie nie: Viele Parketthersteller produzieren zu gut 80 Prozent Eichenholz. Was Sie über das deutscheste aller Hölzer wissen müssen, lesen Sie hier.
Der einheimische Klassiker
Wenn etwas steht „wie eine Deutsche Eiche“, ist das nicht nur ein geflügeltes Sprichwort, auch eine Wertschätzung für Eigenschaften wie Dauerhaftigkeit, Beständigkeit, Härte und Zuverlässigkeit. Genau jene also, die von einem langlebigen Parkettholz erwartet werden. Dass darüber hinaus hiesige Hölzer gegenüber Herkünften aus fernen Ländern derzeit wieder besonders gefragt sind, kommt dem Klassiker natürlich entgegen.
Ungefähr 200 Eichenarten kommen auf der nördlichen Halbkugel vor, auf der die Eiche ausschließlich zu Hause ist. Die Hauptverbreitungsgebiete liegen in Europa, reichen von Nordafrika, Vorderasien bis zum Kaukasus, sind in Russland und im nördlichen China bzw. Japan und vor allem auch in Nordamerika. Die Eiche gehört zur Familie der Fagaceaen. In Deutschland am häufigsten sind die Traubeneiche (Quercus petrea) und Stieleiche (Quercus robur). In den Staaten sind die Weißeichen (Quercus alba) und die Roteichen (Quercus rubra) diejenigen, die im Fußbodenbereich Bedeutung haben.
Trittbrettfahrer der Deutschen Eiche aus Chile oder Afrika
Während Weißeichen in den USA und auch in Europa natürlich vorkommen, sind die Roteichen auf dem alten Kontinent vor ca. 200 Jahren angepflanzt worden. Zu den immer noch gefragtesten Herkünften gehören diejenigen aus dem Spessart oder aus der Pfalz, slawonische und französiche Eichen verfügen ebenfalls über einen ausgezeichneten Ruf. Dieser führt jedoch dazu, dass andere Holzarten das gute Image für sich nutzen. Chilenische Eiche (Eukalyptus, Alerce), afrikanische Eiche (Azobe, Dabema, Iroko), brasilianische Eiche (Tauari) oder indische Eiche (Teak) sind nur einige der Beispiele für die irreführenden Handelsnamen.
Eine Besonderheit stellen die Korkeichen dar, die im mediterranen Raum vorwiegend in Portugal und Spanien wachsen und deren ausnehmend dicke Rinde den auch für Fußböden so beliebten Rohstoff Kork liefert.
Eichenbäume sind mittelgroß und erreichen Höhen von 20 bis 30 m. Die Stämme sind im Bestand bis zu 15 m astfrei und erreichen Durchmesser von 0,30 bis zu 0,90 cm und mehr. Der Stamm hat eine zylindrische Form und eine typische tief gefurchte Rinde.
Eichenholz ist vergleichsweise leicht erkennbar an den auf Radialflächen auffällig breiten, auf Tangentialflächen ebenso prägenden, mehrere Zentimeter hohen Holzstahlen, die auf den Radial-Längsflächen ganz charakteristisch glänzen – passenderweise werden sie daher Spiegel genannt.
Charakteristisch ist auch der vom hell- bis mittelbraunen Kernholz abgesetzte weißlich-helle Splint, der manchen Parkettsortierungen sein typisches Aussehen verleiht.
Die Porenringe des Frühholzes sorgen auf Tangentialflächen für die markanten Fladern der Eiche.
Eichenholz verfügt über Rohdichten von etwa 0,70 g/m3. Die differentielle Quellung liegt tangential bei 0,28–0,36 % /% und radial bei 0,15–0,22 %/% , was zu einem Mittelwert von etwa 0,26 %/% führt, der beispielsweise im Parkettbereich bei nachträglichen Beurteilungen von Fugenbildungen herangezogen wird.
Die Feuchtewechselzeit ist gering, das Stehvermögen gut bis mittel. Die Härte des Eichenholzes wird mit etwa 34 N/mm2 angegeben. Eichenholz ist gut zu trocknen, doch sollte dieser Prozess schonend ablaufen, um Verwerfungen zu vermeiden. Zu hohe Trocknungstemperaturen führen allerdings zu unschönen Verfärbungen. Bei der Lufttrocknung ist darauf zu achten, dass eindringendes Regenwasser schnell wieder abfließen kann, da ansonsten die ausgelaugten Gerbstoffe in Verbindung mit dem Wasser braune Flüssigkeiten bilden und zu den bekannten Lohflecken führen können.
Eichenholz dunkelt im Sonnenlicht nach
Eisenreaktionen, zum Beispiel von Metallbändern, aber auch Schleifpartikel mit den Gerbstoffen der Eiche führen in Verbindung mit Feuchtigkeit (Wasserlacke) zu Farbreaktionen.
Die Gerbstoffreaktion der Eiche nutzt man beim Räuchern des Holzes aus, bei dem sich durch die Verbindung mit gasförmigen Ammoniak der typische, farbstabile, dunkelbraune Farbton bildet. Auch für die Mooreiche, die keine eigene Holzart ist, sondern für Eichenhölzer steht, die Jahrhunderte luftabgeschlossen in Mooren gelagert haben, gelten ähnliche Chemismen.
Die Oberflächenbehandlung ist problemlos, die zumeist groben Poren empfehlen aber eine vorherige Behandlung mit einem Füller.
Die Verklebung von Eichenparkett bereitet keine nennenswerten Probleme. Eichenparkett verändert sich unter UV-Licht zu einem etwas dunkleren Farbton. Diese Reaktion kann man mit Weißpigmenten in der Oberflächenbehandlung reduzieren, wie überhaupt sich die Eiche für nahezu alle derzeit vorgenommenen Farbbehandlungen gut eignet. Ebenfalls lässt sich Eichenholz gut dämpfen, wobei im Gegensatz zur thermisch behandelten Eiche ein stabiler Farbton erzielt wird.
Das einheimische Holz ist mit FSC- bzw. PEFC-Zertifizierung lieferbar.Walter Pitt
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