Worauf kommt es heute an, wenn es um Bodenbeläge für das Objekt geht? Wie heben sich die Produkte von solchen ohne Eignung für das Objekt ab? Und wohin entwickelt sich der Objektmarkt? Das wollten wir von einigen renommierten Herstellern wissen.

Manchen gelten Bodenbeläge mit Eignung fürs Objekt als die „besseren“, weil stärker beanspruchbaren Produkte. Der Begriff „Objektbodenbelag“ enthält dabei allerdings keine Aussage über bessere und schlechtere Qualität. Er verweist lediglich auf die Eignung für einen speziellen Zweck. Auch die gegenteilige Aussage, es handele sich schließlich „nur“ um ein Objekt, darum dürfe und solle das am Boden eingesetzte Produkt ruhig günstiger sein, hat man schon gehört.
- Was muss ein Boden – außer robust zu sein – „können“ im Objekt?
- Und was sind die Besonderheiten im Objektgeschäft?
- Wohin entwickelt sich der Markt bei Bodenbelägen fürs Objekt, was Eigenschaften, Materialien, Design etc. angeht?
Unternehmen der Branche, die wir nach ihrer Einschätzung gefragt haben, kommen teilweise zu unterschiedlichen Ergebnissen.
Christian Grube, Gesamtvertriebsleiter bei der Infloor-Girloon GmbH & Co. KG, sieht neben der Robustheit im Objektbereich heute vor allem gestalterische und funktionale Aspekte als wichtig an: „Architekten und Planer fragen zunehmend nach individuellen Designs sowie nach akustisch wirksamen Lösungen. Ein zentrales Thema ist zudem die Modularität von Teppichböden.“ Nachhaltigkeit werde in vielen Gesprächen inzwischen als selbstverständlich vorausgesetzt. Grube: „Entsprechend stellen wir für unsere Produkte Umweltproduktdeklarationen (EPD) zur Verfügung und bieten Zertifizierungen. Etwa den Nachweis für Gebäudezertifizierungen über das TÜV-Proficert-Premium-Siegel oder das Umweltzeichen ‚Der Blaue Engel‘. Zudem sind unsere Bodenbeläge frei von umweltbelastenden Schwerbeschichtungen wie PVC oder Bitumen.“
Reinigungsfähigkeit
Im Objektbereich gehe es vor allem um dauerhafte Funktionsfähigkeit unter realen Nutzungsbedingungen, sagt Jutta Wiebe, Global Team Lead Public Relations and Corporate Communications bei Hersteller Parador: „Ein Boden muss über viele Jahre hinweg zuverlässig funktionieren – auch bei hoher Frequentierung, wechselnden Belastungen und intensiver Reinigung. Dazu gehören Eigenschaften wie Formstabilität, Widerstandsfähigkeit gegenüber mechanischer Beanspruchung, Pflegeleichtigkeit und emissionsarme Materialien. Gerade in stark frequentierten Bereichen, etwa in Hotels, Büros, Bildungs- oder Gesundheitsbauten, spielen außerdem Aspekte wie Hygiene, Reinigungsfähigkeit und akustische Eigenschaften eine wichtige Rolle.“
Gleichzeitig haben die Bodenbeläge immer auch eine gestalterische Funktion und trage zu Orientierung, Identität und Aufenthaltsqualität bei.
Lohnminuten zählen
Der Boden im Objekt muss nach Einschätzung von Steffen Weber, Sales Director Deutschland/Österreich HMTX Global/Aspecta, vor allem schnell und einfach zu verlegen sein. Denn: „Speziell im Objektbereich liegt das größte Einsparpotenzial nicht im Materialpreis, sondern im Einsparen von Lohnminuten.“
Carsten Klever, Verkaufsleiter Süddeutschland bei Fabromont, bringt den Begriff der Raumqualität in die Diskussion ein: „Ein Objektboden kann diese entscheidend beeinflussen. Er kann optisch ruhig wirken, akustische Anforderungen erfüllen, Sicherheit durch Rutschhemmung bieten. Gleichzeitig geht es im Objekt um Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit im Unterhalt.“
Wie sieht das mit Belägen aus Kautschuk aus? Das hänge von den funktionalen Anforderungen ab, sagt Simon Knauf, Head of Regional Marketing DACH nora: „In technischeren Einsatzbereichen wie Operationssälen, Laboren oder Reinräumen geht es um die Erfüllung spezifischer Normen und Spezifikationen, die gefordert sind. Gleichzeitig ist der Kautschukboden auch ein wichtiges Gestaltungselement bei der Schaffung unterschiedlicher ‚Umgebungswelten‘. Etwa lernfördernde Bildungsräume oder ein genesungsförderndes Ambiente im Gesundheitswesen.“
Für Teppichfliesen und LVT sei neben der hohen Belastbarkeit und Stuhlrolleneignung vor allem die ästhetische Integration in das Gesamtkonzept des Innenraums entscheidend, ergänzt Anne Salditt, Director, EMEA Marketing bei Interface. Und: „In modernen Arbeitswelten können Teppichfliesen und LVT Zonierung und Orientierung bieten. Sie können die Raumakustik verbessern und zu einer angenehmen Arbeitsatmosphäre beitragen.“

Thema Restfeuchte
Den Bodenbelag isoliert zu betrachten, hat wenig Sinn. Denn wichtig ist zum Beispiel auch, wo er verlegt wird und welche Voraussetzungen gegeben sind. „Grundsätzlich“, erklärt Steffen Weber (Aspecta), sei ein neuer Boden „häufig ein komplexes System aus mehreren Komponenten. Tatsächlich ist der Bodenbelag final auch nur so gut wie das gesamte System.“
Da der eingesetzte Bodenbelag die sichtbare Komponente ist, sei immer „der böse Bodenbelagshersteller schuld“, wenn es zu einer Beanstandung kommt. Für Weber steht fest: „In 99 Prozent der Fälle ist das Problem jedoch an anderer Stelle zu suchen. Und das muss an der Stelle leider gesagt sein. In der Regel sind dies Anwendungsfehler oder auch eine falsche Erwartungshaltung ans Produkt in der Planungsphase.“
Bodenbeläge fürs Objekt: normgerechte Vorbereitung
Eine normgerechte Vorbereitung des Untergrunds sei entscheidend, erklärt Christian Grube von Infloor-Girloon: „Besonders wichtig sind dabei Faktoren wie Restfeuchte und ein stabiler, tragfähiger Unterboden. Wird hier nicht sorgfältig gearbeitet, können nach der Verlegung Probleme auftreten, beispielsweise Geruchsbildungen.“ Grube verweist auf die selbsthaftenden Module seines Unternehmens. Für deren Verlegung werde lediglich ein staubfreier, fester Untergrund benötigt – idealerweise gespachtelt und grundiert. „Die Module können dann ohne zusätzliche Klebstoffe oder Fixierungen verlegt werden. Dadurch bleibt der Unterboden weitgehend im ursprünglichen Zustand und wird nicht durch weitere Materialien belastet.“
Jutta Wiebe (Parador) hebt die sorgfältige Untergrundvorbereitung, die Einhaltung von Trocknungszeiten sowie stabile klimatische Bedingungen während der Verlegung hervor. Gerade unter Zeitdruck auf Baustellen könne es hier zu Problemen kommen. Wiebe: „Deshalb spielt im Objektgeschäft eine frühe Abstimmung zwischen Planung, Bauleitung und Ausführung eine zentrale Rolle. Je besser die Beteiligten im Vorfeld zusammenarbeiten, desto zuverlässiger funktioniert das Gesamtsystem Boden später im Betrieb.“

Bodenbeläge: Regeln fürs Objektgeschäft
Im Objekt, heißt es oft, gelten eigene Regeln. Worauf kommt es an im Objektgeschäft? Planungssicherheit, Termintreue und eine präzise Abstimmung aller Gewerke – das sind die zentralen Punkte für Christian Grube von Infloor-Girloon.
„Bodenbeläge werden häufig erst in einer späten Bauphase verlegt, sodass Verzögerungen im Bauablauf schnell zu Zeitdruck führen können. Gleichzeitig müssen Produkte hohen funktionalen Anforderungen entsprechen und langfristig zuverlässig funktionieren. Eine enge Abstimmung zwischen Planern, Bauleitung und Verlegebetrieben ist daher besonders wichtig.“
Für Anne Salditt (Interface) zeichnet sich das Objektgeschäft durch ein eng verzahntes Zusammenspiel verschiedener Gewerke und eine oft knappe Bauzeitenplanung aus. Dies erfordere eine enge Abstimmung mit dem Objekteur.
Steffen Weber, HMTX Global/Aspecta, berichtet von einem Phänomen, das ihm seit Jahren immer wieder begegne. Produkte würden mit dem Verweis angefordert, es müsse preiswert sein, da es sich um ein Objekt handele. Weber: „Leider herrscht oftmals immer noch der Irrglaube, dass im Objektbereich nur ‚billige‘ Produkte eingesetzt werden können. Da wir im Objektbereich in vielen Fällen von großen Flächen im öffentlichen Bereich sprechen, müsste hier genau das Gegenteil der Fall sein. Hochwertige Produkte mit exzellenten technischen Eigenschaften sollten hier zum Einsatz kommen. Die besonders in puncto Oberflächenvergütung, Langlebigkeit und Vorteile beim Verlegen/Verarbeiten hervorstechen. Hier gilt besonders das Sprichwort zweimal gespart ist meist hintenraus einmal zu teuer.“
Komplexe Abstimmungen
Carsten Klever von Fabromont findet eine griffige Formel, die einige der Besonderheiten zusammenfasst: „Im Objektgeschäft treffen hohe Beanspruchungen auf anspruchsvolle Rahmenbedingungen. Zeitdruck, Restfeuchte im Untergrund, heterogene Untergründe und komplexe Abstimmungen zwischen mehreren Gewerken gehören zu den häufigsten Herausforderungen. Da ist ein flexibler und einfach zu verlegender Bodenbelag Gold wert.“
Objektprojekte, ergänzt Jutta Wiebe von Parador, seien in der Regel komplexer und stärker arbeitsteilig organisiert. „Entscheidungen werden häufig von mehreren Beteiligten gemeinsam getroffen, etwa von Architekten, Planern, Bauherren, Fachplanern und ausführenden Gewerken. Gleichzeitig müssen sehr unterschiedliche Anforderungen miteinander in Einklang gebracht werden.“
Hinzu komme Zeitdruck im Bauablauf. Jutta Wiebe: „Bauzeiten sind oft eng getaktet, sodass Planungssicherheit und klare technische Lösungen besonders wichtig sind. Im Objektgeschäft sind daher vor allem Produkte gefragt, die zuverlässige Performance, klare Systemlogik und langfristige Nutzbarkeit miteinander verbinden.“
Bodenbeläge fürs Objekt – gestalterisches Element
Der Markt bei Bodenbelägen fürs Objekt ist in Bewegung. Steffen Weber von HMTX Global/Aspecta, sieht aktuell eine Verschiebung „deutlich weg vom rein funktionalen Bauteil hin zu einem multifunktionalen, nachhaltigen und gestalterischen Systembaustein“. Der Bodenbelag werde zum identitätsstiftenden Raumwerkzeug.
Anne Salditt, Interface: „Grundsätzlich erwarten Kunden emissionsarme Produkte mit transparenten Umweltinformationen, einer guten Recyclingfähigkeit und einer möglichst ressourcenschonenden Herstellung. LVT, Kautschuk und Teppichfliesen werden darüber hinaus gezielt nach ihren funktionalen Eigenschaften ausgewählt. Eine hohe Strapazierfähigkeit bei intensiver Nutzung, die einfache Installation und Reinigung der Produkte sowie ihre lange Lebensdauer sind zentrale Kriterien. Modulare Systeme, schnelle Verlegungsmöglichkeiten und eine unkomplizierte Pflege sind daher ebenso Auswahlkriterien wie eine funktionale, flexible Designvielfalt und gute Akustikwerte.“ Gerade im Hospitality-, Büro- oder Bildungsbereich werde der Boden immer stärker als gestalterisches Element der Raumarchitektur verstanden, nicht nur als funktionale Oberfläche, sagt Jutta Wiebe (Parador).
Und: Der Trend zu modularen Systemen setzt sich nach Beobachtung von Christian Grube von Infloor-Girloon fort. „Gleichzeitig beobachten wir, dass Bodenbeläge gestalterisch wieder stärker in den Fokus rücken. Flächen dürfen heute wieder mehr Ausdruck und Individualität zeigen. Unser Atelier arbeitet daher kontinuierlich an objekt- und kundenspezifischen Lösungen. Dank moderner Digitaldrucktechnologie lassen sich individuelle Designs präzise und wirtschaftlich umsetzen – auch für spezifische Projekte im Objektbereich.“
Der Markt für Bodenbeläge bewegt sich auch aus Sicht von Carsten Klever, Fabromont, in Richtung Nachhaltigkeit, Langlebigkeit und gesünderem Bauen. „Außerdem gewinnen akustischer Komfort, modulare Systeme und unkomplizierte Instandhaltung zunehmend an Bedeutung.“
Autor
Alexander Radziwill, Kontakt: alexander.radziwill@holzmann-medien.de.