Das von bwd organisierte Forum Handwerk gehört für viele Messegäste längst zur Domotex dazu. Dieses Jahr lauschten 700 Besucher den Vorträgen, die die Themen Schallschutz, den Wachstumsmarkt Gesundheit und das "lebendige" Parkett beleuchteten.
Besuchermagnet auf der Messe
Mit der Zahl dreizehn hat Joachim Barth keine Probleme. Der Bundesinnungsmeister ist der dreizehnte Referent im Forum Handwerk, das seit acht Jahren ein fester Bestandteil der Domotex ist. Und er ist ein echter Zuhörermagnet. Während seiner Vorträge werden die Hocker noch näher zusammengerückt, an der Bar ist kein einziger Platz mehr frei und selbst wer sich mit Stehen zufrieden gibt, hat es schwer, noch eine Nische zu finden, in die er sich drücken kann. "Das Forum Handwerk ist für mich und mein Team ein triftiger Grund, um auf die Domotex zu kommen", sagt Thomas Klinkert, Bodenleger aus Neu-Zittau, lässig an die Bar gelehnt und auf den nächsten Vortrag wartend. Er ist mit drei seiner Mitarbeiter nach Hannover gefahren um sich neue Trends anzuschauen – und sich von gestandenen Fachmännern Tipps für seine Arbeit zu holen.
Kompetenz plus Humor
Was die von boden wand decke und der Deutschen Messe AG veranstaltete Vortragsreihe angeht, steht Thomas Klinkert mit seiner Meinung nicht allein da. "In den vergangenen Jahren haben uns etwa 6.000 Besucher gehört", sagt Norbert Strehle, der das Forum moderiert. 2012 lauschten knapp 700 Zuhörer den Vorträgen. Insgesamt gingen im Forum Handwerk gut 160 Fachvorträge über die Bühne. Auf der Domotex ist das Forum längst eine Institution. Sicherlich auch, weil es sich mit dem Wechsel an Themen und Referenten immer wieder neu erfindet.
Das neunte Forum Handwerk bestach nicht zuletzt durch seine Themenbrisanz: Schallschutz im Fußbodenbau, Bodenlegen im Wachstumsmarkt Gesundheit und Kurioses wie Alltägliches rund um den "lebendigen" Rohstoff Holz.
Die Referenten, die diese Themen mit Leben füllten, müssen keinen Vergleich scheuen: Manfred Krapp, Michael Rose und Joachim Barth führten ihr Publikum mit geballter Fachkompetenz durch die Materie. Das taten sie mit ebenso viel Praxiswissen wie feinem Humor. Ebenso charmant wie geistreich brillierte der Sachverständige Norbert Strehle, der das Publikum anheizte und die Zuhörer beim Quiz "gefragt, gewusst, gewonnen" zum Mitraten animierte.
Parkett lebt: Zum Beispiel indem es Fugen bildet. Dass Parkett in der Tat ein Eigenleben führt, stellte Joachim Barth mit Geschichten aus der Gutachterpraxis in Wort und Bild unter Beweis. Er nahm dabei auch Schäden ins Visier, die entstehen, wenn Handwerker von ihrem Fach zu wenig verstehen. "Durch Unwissenheit und selbsternannte Fachleute werden Verbraucher in hohem Maße geschädigt", insistierte Barth, "für den ordentlichen Fachbetrieb, der sein Handwerk versteht, ist so ein Auftrag verloren." Die Devise ist daher: von den Fehlern der anderen lernen. Einige solche Malheure stellte Barth in seinem Vortrag vor, grenzte dabei aber auch ab, was kein Mangel, sondern lediglich ein "Echtheitsbeweis" des Naturprodukts Holz ist.
Holzverfärbung im Blick
Ein Kernpunkt seines Vortrags war das Thema Holzverfärbung, dargestellt an folgendem Beispiel: In einem Wohnzimmer wird eine Mehrschichtlandhausdiele mit Oberfläche Nussbaum verlegt. Der Bauherr ist solange zufrieden, bis die Frau den Teppich zurückschlägt und eine andere Farbe sichtbar wird. Von der Farbveränderung besonders schlimm betroffen war ein rumdumlaufendes Paneel, ebenfalls aus Nussbaum, auch lackiert, aber vor dem Lackieren gebeizt. Im Ergebnis blieb die Farbe der gebeizten Oberflächen gleich, der Parkettboden dagegen hellte sich auf. Der Bauherr reklamierte, der alte Boden sollte raus und ein neuer verlegt werden. Die große Frage ist: Hätte der Parkettleger aufklären müssen?
"Viele Parkett- und Bodenleger sagen: Ihr drückt uns immer noch eine Hinweispflicht mehr auf", erzählte Barth, "das ist richtig. Richtig ist aber auch: je mehr ich wissen muss, je mehr Daseinsberechtigung hat der wirkliche Fachmann." Gerade die Farbe spiele heute eine riesige Rolle bei der Raumgestaltung. "Ich kann doch keinen Boden reinlegen, der nur bis zur nächsten Sommerperiode die Farbe behält", wetterte Barth. Der Bundesinnungsmeister wies zu diesem Thema noch mal auf das von dem Sachverständigen und bwd -Redakteur Walter Pitt verfasste Buch "33 Farbtafeln Parkett" hin, erschienen bei Holzmann Medien.
Ein Markt mit Zukunft
Spannend blieb es beim Vortrag des Sachverständigen Manfred Krapp, der die Zuhörer in die Materie "Zukunftsmarkt Gesundheitswesen" einführte. Nach Meinung des Referenten ein Thema, an dem kein Bodenleger vorbeikommt. "Das ist ein Markt, der immer mehr zu beachten ist", findet Krapp. Die demografischen Zahlen geben ihm Recht: Die Bevölkerung in Deutschland wird immer älter, damit einhergehend steigen die Ausgaben für das Gesundheitswesen. Aufträge für Alten- und Pflegeheime, Arztpraxen, Krankenhäuser oder betreutes Wohnen werden auch für Bodenleger immer mehr zunehmen. Wer Böden für diese Zielgruppe verlegt, muss deren Bedürnisse kennen. Also widmete sich Krapp der Wahl des richtigen Bodenbelags und dessen Verlegung, erläuterte Wissenswertes zu den Rutschhemmklassen und klärte über die veränderte Wahrnehmung des Bodens im Alter oder bei Demenzkranken auf. Mit einem Blick auf Krankenhäuser rechnete er vor, welche Kräfte über die Rollen eines Krankenbetts wirken und was das für Bodenbelag und Unterboden bedeutet – mit überraschendem Ergebnis. Dicke Spachtelschichten und klassische Nassverklebung waren nur zwei der wertvollen Ratschläge, die Krapp seinem Publikum mit auf den Weg gab.
Schallschutz für alle
Einer leiseren Welt widmete sich der Sachverständige Michael Rose bei seinem Vortrag "Schallschutz im Fußbodenbau". Dieses Thema geht jeden bodenlegenden Handwerker an, weiß Rose. "Als Parkett- oder Bodenleger verändert man immer die Konstruktion. Um die jeweilige Problematik vor Ort überhaupt erkennen zu können, muss man sich mit dem Thema auskennen"“ Hier lauern viele Gefahren, die sich nur mit dem nötigen einschlägigen Wissen vermeiden lassen. So muss man etwa wissen, dass die Dezibelwerte von Schalldämmungen bzw. Entkopplungsschichten nicht einfach addiert werden dürfen. "18 dB + 18 dB = 36? Nein, das funktioniert so nicht." Rose beleuchtete klassische Fehler wie falsch eingebaute Bewegungsfugen ebenso wie besondere Schwierigkeiten im sensiblen Bereich Altbau. Hier ist vom Bodenleger mehr gefordert, als nur den Boden neu zu verlegen. Alle vorhandenen Schallbrücken müssen beseitigt werden. Dazu gehöre auch, zu kontrollieren, ob etwa ein Randdämmstreifen vorhanden ist. Hörbare Mängel zu vermeiden, gewinne für den bodenlegenden Handwerker insbesondere deshalb an Bedeutung, weil die Rechtssprechung zu diesem Thema immer restriktiver werde: Schallschutz wird in unserer Gesellschaft immer wichtiger. Wer hier denkt, er müsse unnötig sparen, den holt das Thema schlimmstenfalls vor Gericht wieder ein.
Elisabeth Göpel elisabeth.goepel@holzmann-medien.de