Bei Berufs- und Schutzkleidung im Boden- und Parkettlegerhandwerk geht es nicht um ganz bestimmte einzelne Eigenschaften, sondern um das optimale Zusammenspiel von Materialien, Ergonomie und Design. Auch die Optik zählt: Was nicht gut aussieht, will niemand tragen.

Boden- und Parkettleger arbeiten unter anspruchsvollen Bedingungen. Langes Knien, ständige Positionswechsel, Materialverschleiß und wechselnde Baustellenumgebungen prägen ihren Arbeitsalltag. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an Berufs- und Schutzkleidung. Gleichzeitig gewinnt aber auch ein weiterer Faktor zunehmend an Bedeutung: das Thema Design. Der wichtigste Aspekt im Bodenhandwerk bleibt jedoch der Knieschutz. Er ist nicht nur Komfortmerkmal, sondern entscheidend für die langfristige Gesundheit.
Wichtiger Aspekt bei Berufs- und Schutzkleidung: Knieschutz
„Boden- und Parkettleger arbeiten unter hoher körperlicher Belastung und in wechselnden Arbeitsumgebungen“, beschreibt Thomas Krause, Experte bei Deutsche Berufskleider-Leasing GmbH (DBL), die Ausgangssituation. „Ein wesentlicher Punkt ist da die starke Beanspruchung der Knie. Hinzu kommt Verschleiß der Arbeitskleidung durch raue Untergründe, Staub, Klebstoffe oder Spachtelmasse.“
Gefragt sei daher Workwear, die robust und gleichzeitig bequem ist. Im Zentrum stehe die Dauerbelastung durch kniende Tätigkeiten. Kaum ein anderes Gewerk arbeitet so häufig und so lange in dieser Position. Entsprechend hoch sei der Anspruch an die Konstruktion von Arbeitshosen.
„Die Kleidung muss die tägliche Arbeit aktiv unterstützen“, so Thomas Krause. Dazu gehörten
- ergonomische Schnitte,
- vorgeformte Kniebereiche sowie
- integrierte Knietaschen für geeignete Polster.
Gleichzeitig seien
- elastische Materialien,
- Stretchzonen und
- vorgeformte Passformen
entscheidend, um Bewegungsfreiheit zu gewährleisten.
Das geht auf die Knie
Auch Alexander Slotnikow, Workwear-Experte bei BP Bierbaum-Proenen, sieht hier den zentralen Punkt: „Boden- und Parkettleger arbeiten viel im Knien. Das ist nicht nur körperlich anstrengend, sondern auch ein Härtetest für die Berufsbekleidung.“ Kleidung müsse daher „sehr robust, haltbar und widerstandsfähig“ sein, gleichzeitig aber leicht und flexibel bleiben. Andernfalls drohten nicht nur Komforteinbußen, sondern auch eine eingeschränkte Konzentrationsfähigkeit im Arbeitsalltag.
Um dem entgegenzuwirken, setzt BP Bierbaum-Proenen auf sogenannte Hybrid-Hosen aus der „BPlus-Workwear“-Kollektion. „Wir haben die besten Eigenschaften von Superstretch- und robustem Gewebe in Einklang gebracht“, erklärt Slotnikow. Entscheidend sei die gezielte Platzierung elastischer Elemente, beispielsweise
- in der Kniekehle,
- oberhalb der Knietaschen,
- im Schritt und
- im Bund,
um zu gewährleisten, dass die Hose bequem sitzt und starke Bewegungen mitgehe.
Knieschutz und Bewegungsfreiheit – zentraler Faktor
Neben dem Knieschutz ist die Bewegungsfreiheit ein zentraler Faktor. „Bodenleger wechseln permanent zwischen knienden, gebückten und stehenden Positionen“, führt Lisa Meissner, Jr. PR & Communication Manager bei Carhartt, aus. Materialien mit Stretch-Anteil und durchdachte Schnitte seien daher entscheidend, um Bewegungsfreiheit zu gewährleisten und Ermüdung vorzubeugen.
Hosen gezielt für Frauen im Handwerk
Gleichzeitig müssten die Kleidungsstücke atmungsaktiv sein und Feuchtigkeit regulieren, da die Arbeit oft körperlich intensiv sei und unter wechselnden Baustellenbedingungen stattfinde. Mit der Einführung der „Women’s Steel Pants“ bietet Carhartt erstmals eine zertifizierte Arbeitshose, die gezielt auf die Anforderungen und Passformen von Frauen im Handwerk zugeschnitten ist.
Auch bei Kübler werde ein besonderes Augenmerk auf die Verfügbarkeit von Damenhosen gelegt, welche die typisch weiblichen Proportionen beim Schnitt berücksichtigten, so Daniel Pusch, Bereichsleitung Brand Management. Das sei eine wichtige Voraussetzung, damit sich die Mitarbeiterinnen wohl und gut angezogen fühlen. Grundsätzlich sollte wegen der körperlichen Anstrengung das Gewebegewicht der Kleidung 300 g/m² nicht überschreiten. Das Mischgewebe der Kollektion „Kübler Activiq“ mit einem Flächengewicht von 270 g/m² verspricht angenehme Trageeigenschaften auch bei höheren Temperaturen.
Berufs- und Schutzkleidung: Knie entlasten und schützen
Marcus Gotthardt, Senior Marketing Manager DACH bei Fristads, unterstreicht: „Kaum ein anderes Handwerk ist im Arbeitsalltag vergleichbar stark von
- dauerhaft knienden Tätigkeiten,
- häufigen Positionswechseln und
- hohem mechanischem Verschleiß
geprägt. Entsprechend zentral sind der Schutz und die Entlastung der Knie. Erwartet werden integrierte, zertifizierte Knieschutzsysteme, die ergonomisch positioniert sind.“ Mit der „Flex Handwerker-Stretchhose 2800 GSTT“ kombiniere Fristads robuste Knietaschen und eine durchdachte Passform.
Durchdachte Schnitte
Boden- und Parkettleger benötigten vor allem funktionale, ergonomische und besonders robuste Bekleidung, die
- elastische Materialien,
- durchdachte Schnitte sowie
- langlebige, abriebfeste Stoffe mit gezielten Verstärkungen
biete, erläutert Philipp Hartmann, Sales Director bei Weitblick. Diese Anforderungen berücksichtige Weitblick bereits in der Produktentwicklung und lasse konkrete Anwenderbedürfnisse in die Kollektionen einfließen. „Ein aktuelles Beispiel ist unsere Kollektion ‚Force Evo‘.“
Auch aus Sicht von Jan Gundermann, CEO von Blåkläder Germany, ist ein dauerhaft wirksamer, zertifizierter Knieschutz eine Voraussetzung für den langfristigen Erhalt der Gesundheit. „Unsere Arbeitshose ‚1504 Arbeitshose Multifunktion Bodenleger‘ ist genau für dieses Gewerk entwickelt: Die Kniepolstertaschen lassen sich auf zwei Ebenen platzieren, so dass der Schutz exakt an die Arbeitsposition angepasst werden kann.“
Kerstin Stieghorst, Geschäftsführerin des Knieschonerherstellers Nierhaus präzisiert: „Man muss sich mehrfach aufrichten und wieder hinknien können, ohne dass der Knieschoner verrutscht.“ Gleichzeitig müsse er rutschfähig sein, ohne den Halt zu beeinträchtigen. Eine große Kontaktfläche verbessere die Druckverteilung, während die Entlastung der Kniescheibe bei langem Knien besonders wichtig sei. Zudem dürften Knieschoner keine Spuren auf empfindlichen Böden hinterlassen. Mit „Ergo Pro“ bietet das Unternehmen beispielsweise einen ergonomisch geformten Knieschoner zur Unterstützung des unteren Knies an.
Gegen den Verschleiss
Bei der Wahl der passenden Berufs- und Schutzkleidung ist auch das Thema Materialverschleiß entscheidend, wie Oliver Mäske, Chief Operating Officer bei CWS Workwear, sagt: „Die Kleidung muss rauen Oberflächen, Klebstoffen und häufigem Waschen standhalten.“ Mit seinem „Industry Power“-Sortiment bietet der Hersteller Verarbeitern eine Kollektion, die neben den funktionalen Eigenschaften auch eine umfangreiche Auswahl an Farben bietet.
Mit der abriebfesten Arbeitshose „Maschine Knieschutz“ hat Schöffel Pro eine Arbeitshosengeneration eingeführt, die Maßstäbe in puncto Haltbarkeit setzen will. Dazu Geschäftsführer Thomas Bräutigam: „Die Produktlebensdauer, des nach EN 14404 zertifizierten Arbeitshosenmodells wird durch das innovative Besatzmaterial ‚Pro AR95‘ erheblich verlängert.“
Daneben stehen auch funktionale Details für den Arbeitsalltag im Fokus. Dazu zählen vor allem
- Taschenlösungen und
- die Erreichbarkeit von Werkzeugen.
„Praktische Details wie Werkzeugtaschen und Schlaufen, die auch im Knien leicht zu erreichen sind, sind ebenfalls wichtig und tragen zu einem reibungslosen Arbeitsablauf bei“, so Oliver Mäske, CWS Workwear.
Berufs- und Schutzkleidung: Wo sitzen die Taschen?
Jan Bergmann, Marketing Manager von Hultafors Group Germany, betont die richtige Positionierung von Taschen: „In Bezug auf Funktionalität wünschen sich viele Handwerker Bodenlegerhosen mit Holstertaschen, die stabil sitzen und ‚immer in Position bleiben‘, selbst bei intensiver Bewegung. So sind Werkzeuge jederzeit griffbereit, ohne dass die Taschen verrutschen oder behindern.“
Ein nicht zu unterschätzender Bestandteil der persönlichen Schutzausrüstung ist das Schuhwerk. Gerade im Bodenlegerhandwerk gelten hier besondere Anforderungen. „Die Produktentwicklung für diesen Bereich muss spezifische biomechanische Belastungen und baustellenspezifische Aspekte berücksichtigen. Bodenleger arbeiten überdurchschnittlich oft in der hockenden oder knienden Position“, erklärt Sonja Arians, Schuhmodelleurin bei Baak. Daher sei eine hohe Vorfußflexibilität entscheidend, um Druckstellen zu vermeiden und Materialbruch vorzubeugen.
Da Bodenleger die „letzte Instanz“ auf der Baustelle seien, dürfe das Schuhwerk das Arbeitsergebnis nicht gefährden.
- Die Gummimischung müsse so eingestellt sein, dass sie keine Schreibstreifen auf hellen Belägen hinterlasse,
- zudem verhindere ein flacheres Profil, dass Split oder Verlegematerialien in den Raum getragen würden.
Berufs- und Schutzkleidung – der Auftritt beim Kunden
Christian Balzer, Vertriebsleitung Retail DACH bei ISM, führt aus: „Beim Verlegen von Bodenbelägen ist eine hochgezogene Abriebkappe zu empfehlen, um ein schonendes Knien für den Träger und das Schuhwerk zu ermöglichen.“ Der Hersteller entwickelt unter diesem Aspekt gemeinsam mit Puma sport-inspirierte Sicherheitsschuhe unter dem Namen „Puma Safety“.
Neben dem Sicherheitsaspekt – Bodenleger benötigten Sicherheitsschuhe der Schutzklasse S3 – spiele der Tragekomfort eine entscheidende Rolle, erklärt Lutz Hentrey, Leiter des Produktmanagements bei Elten. „Der Schuh muss möglichst leicht sein und über eine gute Dämpfung verfügen, damit Knie, Gelenke und Rücken auch bei langen Arbeitstagen entlastet werden.“
Und noch ein weiterer Aspekt wird zunehmend wichtiger: das Design der Berufsbekleidung. „Berufskleidung ist ein Aushängeschild des Unternehmens“, so Thomas Krause, DBL. Gerade im direkten Kundenkontakt werde ein ordentliches und einheitliches Erscheinungsbild erwartet.
Auch Jan Gundermann, Blåkläder Germany, betont die Außenwirkung: „Boden- und Parkettleger sind beim Endkunden im Wohn- oder Geschäftsraum tätig — der Auftritt zählt. Ein modernes, professionelles Design, CI-fähige Farben und die Möglichkeit zur Logointegration machen die Arbeitskleidung zu einem sichtbaren Teil des Marken- und Qualitätsauftritts des Betriebs.“
Kleidung, die nicht attraktiv sei, wolle niemand mehr tragen. Vielmehr solle hochwertige Berufsbekleidung den eigenen Qualitätsanspruch und die fachliche Kompetenz widerspiegeln, ist Silvia Mertens, Leitung des Produktmanagements von Mewa, überzeugt: „Handwerker möchten über ihre Kleidung als kompetente Fachkräfte wahrgenommen werden.“ Gleichzeitig zeige sich ein klarer Trend zu sportlichen, körpernahen Passformen mit viel Bewegungsfreiheit, ähnlich wie in der Outdoor-Mode.
Den Trend zur „Casualisierung“ sieht auch Alexander Slotnikow und verweist auf Elemente aus der Freizeitmode wie Hoodies oder Fleecejacken im Sortiment von BP Bierbaum-Proenen, die Komfort und moderne Optik verbinden.