Arbeitsschutz für Bodenleger beginnt mit der Gefährdungsbeurteilung auf der Baustelle. Die Technische Information 8 des FEB zeigt, welche persönliche Schutzausrüstung Standard ist, was der GISCODE über Klebstoffe und Grundierungen verrät und welche Hilfsmittel schwere Arbeit erleichtern. Betriebe erhalten eine Checkliste für die Objektbesichtigung, Hinweise zu Epoxidharzen und Diisocyanaten sowie die Arbeitshilfen und Prämien der BG RCI.

Gesundheit, motivierte Beschäftigte und gemeinsamer, nachhaltiger Erfolg im Team sind die Ziele der täglichen Arbeit. Doch im Arbeitsalltag passieren kleine Missgeschicke und Unfälle, und jedes Gewerk kennt typische Belastungen und Gefährdungen, die im schlimmsten Fall zu einer Berufskrankheit führen. Die aktuelle Technische Information 8 des FEB zeigt, wie Betriebe den Arbeitsschutz für Bodenleger mit einfachen Mitteln organisieren.
Typische Gefährdungen beim Verlegen elastischer Bodenbeläge
Sehr schwere Arbeitsunfälle sind in der Bodenbranche eher selten. Dagegen kommen Muskel- und Skeletterkrankungen, Atemwegserkrankungen und Einschränkungen des Hörvermögens häufig vor. Außerdem passieren viele "kleinere" Unfälle, zum Beispiel Schnittverletzungen im Raumausstatterhandwerk.
Die aktuelle Technische Information 8 des Fachverbands elastischer Bodenbelagshersteller (FEB) behandelt nicht die globalen Aufgaben der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen zur Verhütung von Unfällen, Berufskrankheiten und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren. Stattdessen will der neue FEB-Leitfaden für den Schutz vor Arbeitsunfällen und den Schutz vor arbeitsbedingten Erkrankungen bei der Verlegung und Verarbeitung elastischer Bodenbeläge sensibilisieren. Angesprochen sind:
- Handwerklich tätige Mitarbeiter im Bereich Raumausstattung und Verlegung von Bodenbelägen
- Hersteller von Bodenbelägen und von Verlegewerkstoffen
- Planer, Sachverständige und Objekteure
- Alle Verarbeiter von Bodenbeläge
Die Marktpartner dieser Zielgruppen sollten in ihren Unternehmen für alle Aufgaben und Arbeiten oder Baustellen individuelle Gefährdungsbeurteilungen und entsprechende Präventionsmaßnahmen erstellen. Diese Vorbereitung ist eine sehr gute Investition für:
- Gesundes Arbeiten ohne Berufskrankheiten
- Die Vermeidung von Arbeitsunfällen
- Die Reduzierung von Kosten für Kranken-, Heilbehandlungen und Reha-Maßnahmen
Gefährdungsbeurteilung: Mit einfachen Mitteln präventiv aktiv werden
Die Vermeidung von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten beginnt mit dem Motto: "Gefahr erkannt – Gefahr gebannt!" Maßnahmen und Aktivitäten gliedern sich dabei in fünf Kapitel:
- Erkennung von Gefahren (Prävention, Gefährdungsbeurteilung)
- Arbeitskleidung
- richtiges Werkzeug
- Hilfen zur Erleichterung schwerer körperlicher Arbeiten
- Transport (und Transportsicherung)
Die "Checkliste Bodenlegen" im folgenden Abschnitt bietet hierzu viele relevante Punkte. Bodenhandwerker können sie bereits bei der ersten Besichtigung der Baustelle abarbeiten.
Checkliste Bodenlegen: Von der Objektbeurteilung bis zum Transport
Für die Arbeitssicherheit, für einen nachhaltigen Gesundheitsschutz sowie zur Erleichterung schwerer körperlicher Arbeiten gibt es viele praxisrelevante Punkte. Die folgende Liste hat nicht den Anspruch auf Vollständigkeit und kann individuell erweitert werden.
Objektbeurteilung und Kalkulation
- Liegt eine Belastung mit Schadstoffen auf der Baustelle vor?
- Besteht ein sicherer Zugang zur Baustelle (Wege, Treppen)?
- Ist ein sicheres Arbeiten auf der Baustelle gewährleistet (Gerüst, Geländer …)?
- Ist der sichere Transport von Arbeitsmitteln zur Baustelle gewährleistet?
- Können die Arbeitsmittel auf der Baustelle fachgerecht gelagert werden?
- Welche Schutzausrüstungen sind vor Ort erforderlich?
- Wie ist das Raumklima?
- Bestehen Gefährdungen durch parallel arbeitende Gewerke?
Persönliche Schutzausrüstung (Standard)
- Sicherheitsschuhe
- Knieschutz
- Sicherheitshandschuhe (nach Gefährdungsart)
- Staubmaske (ggf. Atemschutz)
- Schutzbrille
- Gehörschutz
- Sicherheitshelm
Untergrundvorbereitung und Verlegung
- Baustellensicherung durchführen
- Ergonomische Hilfsmittel zur Entfernung und zum Abtransport von Altbelägen
- Sicherheits- und Verarbeitungshinweise der jeweiligen Hersteller beachten
- Verwendung emissionsarmer Produkte (Grundierung, Spachtelmasse, Klebstoff)
- Erforderliche Schutzausrüstung tragen
Sichere Hilfsmittel, Werkzeuge und Maschinen für nachhaltigen Gesundheitsschutz
- Tragehilfen für den Transport von Sackwaren
- Staubsauger mit Hepa-Filter
- Nutzung von Anrührstaubsaugersystemen
- Pumpen und Geräte zum Anmischen
- Ergonomische Werkzeuge (Rakel zum Spachteln …)
- Ergonomische Produkte zur stehenden Verarbeitung
- Lautstärkereduzierte und vibrationsgeminderte Maschinen
Transport
- Ladungssicherung: Checkliste zur Kontrolle der Ladungssicherung beachten! Die Checklisten erhalten Interessenten in gedruckter Form oder zum kostenlosen Download auf www.bgrci.de.
- Schwere Lasten sollten nicht auf dem Fahrzeugdach transportiert werden.
- Beachtung des zulässigen Gesamtgewichts.
- Transporthilfen zum ergonomischen Transport auf der Baustelle.
Sichere und emissionsarme Bodenbeläge auswählen
Elastische Bodenbeläge müssen der europäischen Norm EN 14041 (CE) und/oder der ISO 14904 hinsichtlich Nutzungssicherheit, Brandschutz, Gesundheit und Umwelt entsprechen. Zusätzliche Kennzeichnungen dokumentieren, dass es sich um ein sicheres und wohngesundes Produkt handelt. Drei Beispiele:
| Kennzeichnung | Was sie belegt |
| Eurofins-Zertifizierung "Indoor Air Comfort" | Einhaltung aller relevanten Anforderungen in der EU an die Emissionen in die Innenraumluft |
| Label "Indoor Air Comfort GOLD – certified product" | Einhaltung der Anforderungen aller relevanten freiwilligen Gütezeichen an die Produktemissionen |
| Warenzeichen "TÜV PROFiCERT-product Interior" vom TFI Aachen | Informationen zu qualitativen, gesundheitlichen (Emissionen) und ökologischen (Schadstoffe) Grundsätzen |
Verlegewerkstoffe: Lösemittelfreie Produkte nach TRGS 610
Entsprechend der TRGS 610 (Technische Regeln für Gefahrstoffe – Ersatzstoffe und Ersatzverfahren für stark lösemittelhaltige Vorstriche und Klebstoffe für den Bodenbereich) sind Ersatzstoffe zu verwenden. Das sind Produkte, die stark lösemittelhaltige Vorstriche und Klebstoffe ersetzen können, zum Beispiel lösemittelfreie Dispersions- oder SMP-Verlegewerkstoffe.
GISCODE: Eine Gruppeninformation statt vieler Einzelinformationen
Ersatzstoffe erkennen Sie am GISCODE. Der GISCODE ist das Kennzeichnungssystem von GISBAU (Gefahrstoff-Informationssystem der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft). Der Code ordnet Produkte einer Produktgruppe zu. Für jede dieser Gruppen werden Produktinformationen bzw. Betriebsanweisungen erstellt, die für alle in einer Gruppe zusammengefassten Produkte gültig sind.
Das ermöglicht dem Anwender, anstelle vieler Einzelinformationen eine Gruppeninformation im Betrieb vorrätig zu halten und für die erforderlichen Unterweisungen zu verwenden. Für Klebstoffe wird die Verwendung folgender Produkte empfohlen:
| Klebstofftyp | GISCODE |
| lösemittelfreie Dispersionsklebstoffe | D 1 |
| SMP-Klebstoffe | RS 10 |
| lösemittelfreie PU-Klebstoffe | RU 0,5 und RU 1 |
GISCODE liefert die Schutzmaßnahmen
Der GISCODE gibt Auskunft über Gefährdungen und Schutzmaßnahmen bei der Anwendung der Produkte, beispielsweise zum Augenschutz, Handschutz oder Atemschutz. Beachten Sie daher vor der Anwendung immer das Sicherheitsdatenblatt und den darin aufgeführten GISCODE. Stimmen Sie die Auswahl der persönlichen Schutzausrüstung auf diese Angaben ab. Auf www.wingisonline.de können Sie die Informationen abrufen und Betriebsanweisungen gemäß der Gefahrstoffverordnung herunterladen.
Emissionsarme Produkte: EMICODE und Blauer Engel
Grundsätzlich sollten Sie emissionsarme Verlegewerkstoffe für die Untergrundvorbereitung und Verlegung verwenden. Wer größtmöglichen Schutz in puncto Gesundheit sicherstellen will, sollte auf Produkte vertrauen, die mit dem EMICODE ausgezeichnet sind. Der EMICODE ist das Kennzeichnungssystem der GEV (Gemeinschaft Emissionskontrollierte Verlegewerkstoffe, Klebstoffe und Bauprodukte e. V.). Gekennzeichnete Produkte sind sehr emissionsarm, halten strengste Grenzwerte ein und stehen unter permanenter und unabhängiger Kontrolle.
Erkennbar sind diese Produkte beispielsweise an der Kennzeichnung EMICODE EC 1 bzw. EC 1PLUS. Ein anderes Umweltzeichen ist der Blaue Engel nach DE-UZ 113, der emissionsarme Bodenbelagsklebstoffe und Verlegewerkstoffe kennzeichnet.
Epoxidharze: Nur wenn technisch nötig – und nur mit Schutzmaßnahmen
Die Verarbeitung von lösemittelfreien Epoxidharzen stellt durch die reizenden/ätzenden und sensibilisierenden Einzelkomponenten eine Gesundheitsgefährdung dar. Der Einsatz von Epoxidharzen ist in der Regel technisch begründet, zum Beispiel als Feuchtesperre des Estrichs. Prüfen Sie aber grundsätzlich, ob der Einsatz weniger gefährlicher Produkte möglich ist, zum Beispiel Dispersionsfeuchtesperren.
Müssen Epoxidharze zum Einsatz kommen, sind die entsprechenden Schutzmaßnahmen zu beachten:
- Handschuhe aus Nitrilkautschuk oder Butylkautschuk,
- Bedeckung freier Körperstellen durch langärmlige Kleidung,
- Augenschutz beim Anmischen und bei der Verarbeitung.
Berührungen mit Augen, Haut und Kleidung sind in jedem Fall zu vermeiden. Weitere Informationen finden sich in den GISCODES für Epoxidharzprodukte (Kürzel RE).
Polyurethane: Schulungspflicht für Diisocyanate seit 24. August 2023
Polyurethanprodukte, zum Beispiel PU-Grundierungen oder PU-Klebstoffe, enthalten Diisocyanate. Seit dem 24. August 2023 dürfen diese Produkte nur noch von geschulten Mitarbeitern verwendet werden. Auf der Website www.safeusediisocyanates.eu/de/reach erfahren Anwender mehr über die Schulungsanforderungen und können dort an Online-Schulungsprogrammen teilnehmen.
Empfohlene Ausrüstung und Hilfsmittel für die Baustelle
Ergänzend zu sicheren Standard-Ausrüstungen bietet der Markt eine Vielzahl zusätzlicher Produkte, die das Arbeiten mit Bodenbelägen einfacher oder sicherer machen. Der FEB-Leitfaden zeigt unter anderem diese Beispiele:
| Bereich | Beispiele aus der TI 8 |
| Fußschutz | Sicherheitsschuhe für verschiedene Sicherheitsanforderungen; Stachelschuhe |
| Handschutz | Schnittschutz-Handschuhe der Schnittschutzklasse 3 gegen Schnittverletzungen und zur Kontaktverhinderung gegen Chemikalien/Gefahrstoffe |
| Knieschutz | Knieschoner bzw. Knieschützer für die Verarbeitung im Knien |
| Gehörschutz | Kapselgehörschutz, auch mit digitalem Radioempfang und Bluetooth-Technologie; Gehörschutzstöpsel mit hohem Dämmwert (SNR = 34 dB), die sich jedem Gehörgang individuell anpassen, zum einmaligen Gebrauch |
| Augen- und Atemschutz | Schutzbrille; Atemschutzmasken in verschiedenen Schutzstufen, zum Beispiel FFP3-Atemschutzmaske mit Ventil oder Atemschutzmaske zum Schutz vor Gasen und Dämpfen |
| Spachteln und Kleben | Ergonomisches Werkzeug für Spachtel- und Klebstoffauftrag |
| Transport | Liftkar mit Akku für schwere Materialien und Geräte; Rollentragegerät zum ergonomischen Tragen von Bodenbelagsrollen |
| Anmischen | Fahrbare Rührstation mit optimaler Staubabsaugung und "Janser Staub-Geweih" |
| Ausbau von Altbelägen | Angetriebene Fußbodenablösemaschinen mit verstellbaren Führungsgriffen für ergonomisches Arbeiten; abnehmbare Gewichte reduzieren das Gesamtgewicht für den leichteren Transport |
| Schleifen | Bodenschleifer mit starker Absaugung – heutzutage ein Muss |
Arbeitsschutz für Bodenleger: Unterstützung durch die BG RCI
Wenn Bodenhandwerker sich mit dem Thema Arbeitsschutz beschäftigen, haben sie die erste Hürde bereits erfolgreich genommen. Denn es gilt: Gefahr erkannt – Gefahr gebannt! Höchste Priorität hat dabei die Vermeidung schwerer Arbeitsunfälle und Erkrankungen.
Professionelle Unterstützung erhalten Handwerksbetriebe von ihrer Berufsgenossenschaft, der BG RCI – Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie. Die BG RCI bietet sinnvolle, individuelle Arbeitshilfen zur Analyse von Gefahrenpotenzial in Betrieben bis hin zu Checklisten. Sie helfen speziell beim Erkennen von Gefahren, bei der Gefährdungsbeurteilung, bei der Festlegung von Schutzmaßnahmen sowie bei der Kontrolle der Wirksamkeit und Überarbeitung von Schutzmaßnahmen.
Speziell für Bodenhandwerker gibt es beispielsweise diese Broschüren:
- "Arbeiten im Knien und Hocken: Vermeidung von Gesundheitsschäden im bodenlegenden Handwerk"
- "Gefährdungsbeurteilung für Kleinbetriebe – Bodenlegen"
Die Broschüren erhalten Interessenten entweder in gedruckter Form oder zum kostenlosen Download.
Prämien für Investitionen in den Arbeitsschutz
Darüber hinaus bietet die Berufsgenossenschaft ein Prämiensystem an und will damit für Investitionen in den Arbeitsschutz motivieren. Beispiel: Die Anschaffung eines Defibrillators oder eines elektrischen Treppensteigers wird mit Prämien von je 500 Euro unterstützt. Nachfragen lohnt sich.
Eine Auswertung der BG RCI nach Unfalltyp (Stand: 31.07.2023) belegt: Im Maler- und Raumausstatterhandwerk passieren viele Schnittverletzungen, Stürze verursachen dagegen hohe Kosten. Die Grafik stellt für acht Unfalltypen die Unfallanzahl den Unfallkosten in T€ sowie den Ø-Werten je Unfall gegenüber. Erfasst sind Stürzen (Ebene, Treppen), Absturz, Schnittverletzungen, Herunterspringen, Verrenken, Stürzen (bei Nässe, Glätte), Verkehrsunfall sowie Unfälle ohne Zuordnung.
Gesetze, Vorschriften, Regeln und Normen im Überblick
Für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz bei elastischen Bodenbelägen sind laut FEB-Leitfaden diese Regelwerke maßgeblich:
- Betriebssicherheits-, Arbeitsstätten-, Baustellenverordnung
- Unfallverhütungsvorschriften
- Sicherheitstechnische, arbeitsmedizinische Regeln
- Vorgaben der Regeln zum Arbeitsschutz auf Baustellen (RAB)
- TRGS 610 Ersatzstoffe und Ersatzverfahren für stark lösemittelhaltige Vorstriche und Klebstoffe für den Bodenbereich
- Gefahrstoffverordnung (GefStoffV)
- Gefahrstoff-Informationssystem der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (GISBAU)
- GISCODE als Kennzeichnungssystem von GISBAU
- Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe (REACH)
Fazit: Arbeitsschutz für Bodenleger beginnt bei der ersten Besichtigung
Für den Arbeitsschutz für Bodenleger gilt: Gefahr erkannt – Gefahr gebannt. Wer die Checkliste Bodenlegen bereits bei der ersten Baustellenbesichtigung abarbeitet, die persönliche Schutzausrüstung nach GISCODE auswählt und emissionsarme Verlegewerkstoffe einsetzt, senkt das Risiko für Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten. Zugleich sinken die Kosten für Kranken-, Heilbehandlungen und Reha-Maßnahmen.
Dieser Beitrag ist ein Auszug aus der aktuellen Technischen Information TI 8 des Fachverbands der Hersteller elastischer Bodenbeläge (FEB). bwd
