Zum derzeitigen Zeitpunkt ist die Zukunft der Inku völlig ungewiss, auch wenn heute die Angebotsfrist für die Gesamtübernahme des Unternehmens endet und der Masseverwalter am 29. Januar die Übernahmeverträge unterzeichnen will. Ob und wie dieser Zeitplan eingehalten werden kann, ist noch offen.
Angebotsfrist endet
Zum derzeitigen Zeitpunkt ist die Zukunft der Inku völlig ungewiss, auch wenn heute die Angebotsfrist für die Gesamtübernahme des Unternehmens endet und der Masseverwalter nach kurzen Nachverhandlungen am 29. Januar die Übernahmeverträge endgültig unterzeichnen möchte. Ob und wie dieser ambitionierte Zeitplan eingehalten werden kann, ist aber noch offen.
Die Ereignisse haben sich in den letzten Tagen überschlagen. Während es bis vor kurzem so aussah, dass der Masseverwalter das Gesamtunternehmen unter zwei deutschen und einem österreichischen Mitbewerber quasi versteigern könne, hat sich die Situation drastisch gewandelt.
Nachdem der führende deutsche Großhändler Jordan die Eröffnung eines Büros in Salzburg angekündigt hat, werden die Karten wieder neu gemischt. Ging kurz vor Weihnachten in der Branche das Gerücht, dass sich Jordan bereits mit dem Konkursverwalter über eine Komplettübernahme geeinigt haben soll, zerschlug sich diese Meldung plötzlich wieder.
Unrealistischer Kaufpreis?
Waren es noch Altlasten, die bei der genauen Durchsicht der Bücher und Verträge an das Tageslicht kamen, oder einfach die hohen Erwartungen an den Kaufpreis, die den Deal scheitern ließen? Sicher sind auch die Folgekosten, für die temporäre Erhaltung des Standortes, der EDV- und Fuhrparkleasingverträge sowie die hohen Belastungen einer Lagerauflösung und der Integration in ein anderes Kollektionssystem von ausschlaggebender Bedeutung. Gerüchten zufolge beträgt der angestrebte Erlös mehr als vier Millionen Euro, aus heutiger Sicht ist das völlig unrealistisch.
Sicher ist nur, dass ein neuer Eigentümer das Inku Sortiment von über 11.000 Artikeln plus 6.000 bei Böhm auf 3.000 bis 4.000 kürzen muss und auch die teure Logistik mit dem Fuhrpark radikal ändern muss.
Die zwei anderen großen „Baustellen“ sind das Personal und die Lieferanten. Weil nach einer allfälligen Übernahme die Geschäfte und vor allem die Warenauslieferung weiterlaufen müssen, sollte sich der Übernehmer mit den Leistungsträgern innerhalb weniger Tage auf neue Verträge einigen. Verhandlungen mit den Lieferanten stünden natürlich ebenfalls an.
Wie Insider berichten, wären viele Preise, die man der Inku eingeräumt hatte, nach Neuverhandlungen nicht mehr möglich. Ebenfalls ein gravierender Unsicherheitsfaktor in der Kalkulation ist die Frage, wie man die Übernahmekosten wieder zurückverdienen kann.
Riskante Übernahme
Wenn man davon ausgeht, dass für den Lagerwert nur 25 Prozent des Buchwertes gezahlt wird, und die sonstigen Aktiva bis auf die Marke „Melan“ und Teile des Böhm-Stoffsortiments wenig bis nichts wert sind, ist aus heutiger Sicht von einem Kaufpreis von nicht mehr als ein bis eineinhalb Millionen Euro auszugehen. Und selbst bei diesem Preis ist es fraglich, ob sich ein Käufer findet, der sowohl die Finanzierung aufstellen kann als auch die Bereitschaft zeigt, die nicht unbeträchtlichen Risiken einer Integration auf sich zu nehmen.
Wahrscheinlich ist, dass nur für einzelne Teile der Inku Angebote abgegeben werden. Weil die Lust der deutschen Großhändler auf eine Gesamtübernahme deutlich abgekühlt ist, verkleinerte sich der Zugzwang von Landegger-Chef Martin Orasch deutlich. Wer immer die Inku komplett übernehmen will, wäre erstmal ein ganzes Jahr mit inneren Umstrukturierungen beschäftigt.
Wie das Übernahme-Poker wirklich ausgehen wird, kann noch nicht wirklich vorhergesagt werden. So oder so werden am Markt die Karten auf jeden Fall neu gemischt. In letzter Minute soll sich plötzlich die Mega Malereinkaufsgenossenschaft für eine Übernahme der Inku interessieren. Wie ernst diese Absichten sind, kann zur Stunde nicht genau verifiziert werden. Die nächsten Wochen werden Klarheit in das Dickicht der Gerüchte bringen.
