Der Umgang mit Terrassendielen erfordert spezielles Fachwissen. Auf was es ankommt, weiß der Sachverständige Beni Lysser, der hier einen Einblick in die Risiken und Tücken im Umgang mit den boomenden Outdoorbelägen gibt.
Andere Gesetze als im Wohnzimmer
Der Handel profitiert von der steigenden Nachfrage hölzerner Bodenbeläge für den Garten. Auch der Parkettleger sollte sich von diesem Kuchen seinen Anteil sichern. Gerade er kann in diesem Segment, in dem häufig sehr anspruchsvolle Konstruktionen erforderlich sind, seine Stärken gegenüber anderen Gewerken ausspielen, da er über das notwendige handwerkliche Können verfügt. Dennoch: „Im Outdoorbereich herrschen andere Gesetze als im Wohnzimmer“, weiß Beni Lysser, Leiter der Technik in der Interessengemeinschaft der Schweizerischen Parkettindustrie.
Es gibt eine Vielzahl von Unterkonstuktionen für Terrassenbeläge, die auf unterschiedlichsten Unterböden montiert werden müssen. Daher bestimmen die baulichen Voraussetzungen letztlich die Auswahl. Balken, Latten, Gehwegplatten, sogar Aluprofile oder Metallroste sind denkbar. Wird zum Beispiel direkt aufs Erdreich montiert, ist zwingend ein Wuchsschutzvlies erforderlich. Dieses soll einen Wuchs von unten in die Konstruktion verhindern. Eigens für diesen Zweck gedachte Produkte sind im Handel erhältlich.
Balken und Profile bilden den Untergrund
Häufig liegen bereits alte Terrassenplatten vor, die im direkten Anschluss von Veranda und Wohnbereich etwas tiefer liegen und mit einem fachgerechten Höhenausgleich als Basis für die neue Konstruktion dienen können.
Im Neubau, speziell bei Betondecken, ist es erforderlich, mit einem Gefälle von circa 1,5 bis zwei Prozent zu arbeiten, genauso wie bei Gussasphaltuntergründen, die grundsätzlich für diesen Zweck gut geeignet sind.
Man muss dafür sorgen, dass kein stehendes Wasser die Holzkonstruktion belastet. Wichtig ist, dass es abfließen kann. Deshalb ist die Ebenheit des fertigen Bodens zwingend und fachgerecht zu gewährleisten. Das gilt auch für eine gute Durchlüftung, denn häufig trocknet das Holz oberflächlich schnell ab, während sich unterseitig Feuchtenester bilden. Verbindungs- bzw. Befestigungsmittel, die Dielen und Lager auf Abstand halten, sorgen für die notwendige Zugluft.
Weiterhin wichtig: Das Holz von Unterkonstruktion und Diele kann zwar unterschiedlich sein, sollte jedoch mindestens die gleiche Güteklasse aufweisen, um eine lange Lebensdauer des gesamten Bodenaufbaus zu gewährleisten. Sie sollten nicht im direkten Kontakt mit dem Erdreich stehen.
Die Unterkonstruktion sollte so ausgeführt werden, dass sie Durchbiegungen verhindert. Abstände von 40 bis 100 cm sind üblich, wobei letzteres Maß für spezielle Aluprofile gilt. Die Abstände zwischen den Latten selbst sollten holzartenabhängig zwischen circa 30 bis 50 cm betragen, um zu große Nachgiebigkeiten zu vermeiden. Die enormen Kräfte massiver Tropenhölzer müssen bei der Wahl der Auflagedistanzen ins Kalkül gezogen werden.
Für ausreichende Durchlüftung sorgen
Speziell drehwüchsige Hölzer sind bei zu großen Lagerabständen kaum noch zu beherrschen. Auch die möglichst randnahe Position der letzten Auflage spielt eine Rolle, damit bei Belastung nicht zu viel Bewegung in die Dielenenden kommt. Überstände mit Stolpergefahr wären eine weitere Folge.
An allen Anschlüssen sind ebenfalls ausreichende Abstände vorzusehen, da sich dort Schmutz verfängt, sich Nässe im direkten Kontakt mit einer Wand stauen kann, das Holz aufquillt und gar langfristig zersetzt.
Eine weitere Fehlerquelle sind die Stirnstöße, die nie frei im Feld, sondern auf der Lattung anzuordnen sind, da es ansonsten beim Begehen oder Druckbelasten schnell zu Ausbrüchen in der Nut-Kamm-Verbindung kommen kann. Möglich ist auch die Anordnung von zwei Auflagelatten kurz nebeneinander. Der Dielenstoß wird dann genau in die Mitte versetzt.
Wenn die Stöße frei angeordnet werden, sind nur sehr stabil ausgeführte stirnseitige Nut-Feder-Verbindungen geeignet, ein gegenseitiges Ausklinken bzw. Ausbrechen zu verhindern.
Die Empfehlung einer maximal möglichen Konstruktionshöhe im Unterbau dient vorrangig einer guten Durchlüftung. Darum sollte man bei Flächenabschlüssen Öffnungen vorsehen, denn es gilt der Satz: Je trockener eine Unterkonstruktion, je länger die Lebensdauer.
Holzarten und deren Eigenschaften
Für den Außeneinsatz als Terrassenbelag sind viele Holzarten geeignet. Das gilt für eine Vielzahl von Tropenhölzern, aber auch für einheimische Laub- bzw. Nadelhölzer, deren Dauerhaftigkeit allerdings bisweilen erst durch eine Imprägnierung gesichert werden kann. Grundvoraussetzung ist, dass der Verarbeiter die Eignung der von ihm eingesetzten Hölzer genau kennt.
Bei der vergleichsweise großen Zahl der tropischen Holzarten wird immer wieder die Frage der Zertifizierung gestellt, wobei jedoch ein ausreichendes Angebot an Hölzern aus nachhaltiger, verantwortungsvoller Forstwirtschaft zur Verfügung steht.
Die Holzfeuchte von Terrassendielen liegt idealerweise bei 14 bis 18 Prozent. Die Schwankungen sind allerdings oft größer, da zumeist tropische Holzarten nicht künstlich, sondern lediglich luftgetrocknet sind.
Daraus resultieren schon mal Holzfeuchten von 20 bis 25 Prozent, die natürlich zu hoch sind und speziell in heißen Sommern dazu führen, dass durch das Aufheizen Schwindprozesse einsetzen, die erhebliche Fugenbildungen zur Folge haben. Für den Parkettleger gilt es daher, zu beachten, dass die klimatischen Verhältnisse im Außenbereich mit heißen Sommern und feuchtkalten Wintern anders sind als innen, wo das Beheizen für trockene Verhältnisse im Winter und das Lüften und Kühlen im Sommer für höhere Raumluftfeuchten sorgt.
Insbesondere gilt es, diese Zusammenhänge auch deshalb zu beachten, weil massive Hölzer mit häufig sehr hoher Rohdichte und entsprechend hohen Quell- und Schwindmaßen eingesetzt werden. Eine vorherige HF-Messung ist deshalb bei Qutdoordielen zwingend erforderlich.
Barfußdielen
gibt es nicht
Untertrocknungen sind laut Lysser im Gegensatz zu Parketthölzern außerordentlich selten.
Ein nicht zu vernachlässigendes Thema ist auch die Rissebildung der Dielen, wobei eindeutig festgestellt werden muss, dass kleinere Oberflächenrisse niemals zu verhindern und damit ohne Weiteres zu tolerieren sind.
Der viel strapazierte Begriff der Barfußdielen sollte nicht verwendet werden, denn diese gibt es nicht.
Mit tieferen Rissen versehene Dielen sind jedoch rechtzeitig auszuwechseln, um auch einer Verletzungsgefahr vorzubeugen. Hier hilft nur ein sorgfältiges Sortieren vor Beginn der Arbeit.
Einige Holzarten neigen zum Ausbluten bzw. Auswaschen ihrer Inhaltsstoffe. Das sollte man wissen, sonst sind sehr unschöne Verfärbungen an weiß verputzten Häuserwänden oder Fassaden, die unangenehme, zumeist schwer zu beseitigende und damit sehr kostenintensive Folge. Dieser Prozess, der bei farbintensiven Hölzern in der Regel lediglich zwei- bis dreimal auftritt und dann stark abklingt, muss mit geeigneten Mitteln verhindert werden.
Kleine Pinholes, also Wurm- bzw. Fraßlöcher, sind bei Holzarten wie Bangkirai kein Problem, da das Insekt in der Regel bereits geschlüpft ist. Die Lufttrocknung ist allerdings nicht in der Lage, Larven vollständig abzutöten, wie es bei der technischen Trocknung geschieht. Hier ist allerdings auch immer die Größe und Intensität der Fluglöcher für die fachgerechte Einschätzung entscheidend.
Die natürliche Vergrauung der Hölzer ist in keinem Fall vollständig zu verhindern, weder bei komplett unbehandelten, transparent noch bei farblich geölten Elementen.
Während die Farbpigmente bei rechtzeitiger Nachbehandlung, die je nach Beanspruchung ein- bis zweimal im Jahr erfolgen sollte, diesen Prozess weitestmöglich hinauszögern, erhalten unbehandelte Hölzer ihre Patina bereits nach drei bis vier Monaten. Das gilt für die Eiche genauso wie für die Lärche oder irgendein farbintensives Exotenholz.
Wichtig ist immer, dass der Verbraucher über die natürlichen Holzeigenschaften informiert ist. Dazu stehen eine Reihe von Merkblättern zur Verfügung, die für den Handwerker eine wichtige Hilfe im Umgang mit dem Kunden sein können, weiß Lysser.
Eine Zunahme erfahren übrigens immer mehr die WPC-Dielen (Wood-Polymer-Composites), die aber aufgrund ihres hohen Holzgehaltes keineswegs unveränderbar sind. Das gilt für die Farbe und auch für die Zunahme der Dimensionen. Vorsicht ist hier bei bestimmten Profilen geboten. Schadensfälle wurden bekannt, bei denen sich in den Hohlräumen expandierendes Gefrierwasser ansammelte und zu erheblichen Rissbildungen führte. Auch bei WPC-Dielen ist immer ein Gefälle vorzusehen, da sie im Nassbereich zum allseitigen Quellen neigen.
Schwimmend verlegt oder verschraubt?
Die Befestigungsmöglichkeiten bzw. Verlegearten von Outdoordielen sind mannigfaltig. Das reicht von der schwimmenden Verlegung, der sichtbaren Verschraubung von oben, der seitlichen Befestigung durch sogenannte Igel, der unsichtbaren Befestigung etwa durch Lamelloplättchen bis hin zur vollflächigen Verklebung. Aber auch diese Methoden haben ihre Tücken. So führen seitlich anzubringende Igel zu Rissbildungen, wenn sie zu nahe am Ende der Diele angebracht werden. Werden Dielen auf Rosten befestigt, müssen diese fixiert sein, sonst führen die Verzugseigenschaften der Hölzer zu Verdrehungen und Überständen.
Beim sichtbaren Befestigen von oben ist vorzubohren und es sind immer zwei Schrauben einzusetzen, um eine Verformung der Dielen zu verhindern. Die feste Verklebung zum Unterboden bringt nur dann Erfolg, wenn dieser gut vorbereitet und ausreichend eben ist.
Immer wieder wird diskutiert, welche Oberfläche von Terrassendielen am günstigsten wäre, insbesondere hinsichtlich der Rutschfestigkeit. Glatte Profile, fein- oder grob geriffelte sind am Markt und werden je nach Region mehr oder weniger bevorzugt. Allen gemein ist, dass sie bei Nässe rutschig werden. Welches Profil sich dabei am günstigsten verhält, ist nach Lysser eher philosophisch als technisch begründet.
Finger weg von der Schleifmaschine
Gerade bei neuen Dielen kommen nach den ersten Regenfällen Beanstandungen von Aufrauungen der Holzfasern auf. Ihnen mit den Mitteln aus dem Innenbereich zu begegnen, indem man also eine Schleifmaschine einsetzt, führt ins Leere, denn nach dem nächsten Regen liegt wiederum das gleiche Bild vor.
Eine Methode, den Boden mechanisch zu behandeln, wäre die, mit einer Bürstwalze drüberzufahren, denn dabei werden die aufstehenden Fasern gebrochen bzw. abgerundet.
Und auch das muss man wissen: Schwarze Punkte auf Terrassendielen sind ein immer wiederkehrendes Bild. Häufig handelt es sich dabei um Eisenreaktionen gerbstoffhaltiger Hölzer in Verbindung mit Feuchtigkeit, die durch Flugrost, etwa beim Schleifen von Geländern oder irgendwelchen Metallarbeiten, in der Umgebung entstehen.
Reparieren kann man solche oxidativen Verfärbungen durch maschinelles Schleifen, aber auch chemisch, was allerdings recht aufwändig ist. Rostfreie Verbindungsmaterialien wie Edelstahlschrauben sind daher eine Selbstverständlichkeit.
Überhaupt gilt es, immer auf hochwertige Materialien und aufwändige Konstruktionen zu setzen, sagt Lysser. Denn erstens ist die Klientel, die Terrassendielen kauft, meist finanziell gut gestellt und zweitens bieten die anspruchsvollen Arbeiten dem Parkettleger die Möglichkeit, sich von anderen Gewerken abzusetzen. wp