Hallensport im Winter Sportboden nach DIN 18032: Systeme, Bauarten, Marktchancen

Sportboden ist ein eigenes Fachgebiet mit eigener Norm und eigenen Konstruktionsprinzipien – und ein Markt mit milliardenschwerem Sanierungsstau, dem es an qualifizierten Verlegern fehlt. Harald Jung, Leiter von Haro Sports, erklärt die sechs Kriterien der DIN 18032, drei Systeme, zwei Bauarten, Oberbeläge und Prallwände – und warum Sporthallen mit bis zu 1300 Quadratmetern ohne Ecken und Schrägen Betrieben Masse bringen.

Hallenboden von Haro Sports in Herrnhut Deutschland
Hallenboden von Haro Sports in Herrnhut Deutschland. - © Hamberger Flooring GmbH & Co. KG

Tausende Sportler strömen jeden Winter in die Hallen, spielen Basketball, Volleyball oder Badminton – und kaum jemand denkt an den Boden unter den Füßen. Für Harald Jung ist genau das ein Kompliment: "Ein guter Sportboden fällt nicht auf. Und funktioniert einfach." Dabei schützt und trägt er, entscheidet mit über Leistung und Verletzungsrisiko.

"Sportböden sind die unsichtbaren Helden in der Sporthalle", so der Leiter von Haro Sports in seinem Vortrag, der hinter die Kulissen eines eigenständigen Fachgebiets blickt und zugleich das Marktpotenzial für Verleger aufzeigt.

Vom Architekten zum Sportbodenspezialisten: Wer hinter Haro Sports steht

Jung kam über das Architekturstudium in die Branche: Nach zwei Jahren im Architekturbüro wechselte er zu einem Generalunternehmer und sammelte rund 20 Jahre Erfahrung in Bau- und Projektleitung. Seit 15 Jahren ist er bei Haro Sports, zunächst als Vertriebsleiter, seit 2022 als Leiter des Bereichs. Die 20 Mitarbeiter betreuen den nationalen Markt sowie mindestens 30 Exportländer. Standort und Vorfertigung befinden sich in Stephanskirchen; sechs Projektberater sind deutschlandweit verteilt, Niederlassungen gibt es keine.

Ein Stück Sport- und Baugeschichte: Von der Turnhalle zur DIN 18032

Die Entwicklung des Sportbodens zeichnet Jung in Etappen nach:

  • 1850 bis 1920: Mit der Jahn'schen Turnbewegung entstehen die ersten Turnhallen – mit einfachen Holzdielen, aber ohne spezialisierte Böden.
  • 1920 bis 1950: Die ersten Schwingböden werden verlegt, für mehr Sicherheit und Komfort – die Geburtsstunde des modernen Sportbodens.
  • Ab 1950: Industrialisierung mit Serienfertigung von Holzschwingböden und den ersten Spezialunternehmen. Haro Sports ist seit 1955 dabei und zählt sich zu den Pionieren des industriellen Sportbodenbaus.
  • Ab den 1970er-Jahren: Neue Materialien wie PVC, Linoleum und Polyurethan kommen hinzu.

Der Wendepunkt: Die Norm macht aus Einzelkonstruktionen einen Qualitätsmarkt

Den eigentlichen Wendepunkt sieht Jung jedoch im Normenwerk: Die DIN 18032 wurde 1965 ins Leben gerufen und 1975 mit messbaren Kriterien überarbeitet. "Die moderne deutsche Sportbodenindustrie begann faktisch nicht erst mit dem ersten Schwingboden, sondern mit der Einführung der DIN im Jahr 1965." Sie habe aus einer handwerklichen Einzelkonstruktion einen standardisierten Qualitätsmarkt gemacht.

Vortrag von Harald Jung
Haro ist auch bekannt für seine Sportböden unter der Marke Haro Sports. Geschäftsführer Harald Jung stellte spannende Projekte in seinem Vortrag am Firmensitz vor. - © Steffen Guthardt

2006 kam die EN 14904 hinzu, die den europäischen Mindeststandard definiert, während die DIN 18032 darüber hinaus die in Deutschland etablierten sportfunktionellen Anforderungen und klassischen Bauarten beschreibt. Seit 1972 – der Olympiade in München – gibt es zudem mobile Böden für Wettkämpfe.

Wie weit der Weg war, illustriert Jung mit einem Foto einer Konstruktion um 1960, in der bis hin zu Metallfedern alles verbaut wurde, was irgendwie Schwingeigenschaften versprach. Heute kommen vorgefertigte Schwingträgerkonstruktionen mit Blindboden und verschraubtem Sportparkett zum Einsatz.

Sanierungsstau in Sporthallen: Milliardenmarkt mit Zugangshürden

Das Marktpotenzial beziffert Jung als "extrem groß". Das Sondervermögen der Bundesregierung für Infrastruktur umfasst 500 Milliarden Euro – wenn auch nicht nur für Sporthallen. Viele Hallen aus den Jahren 1965 bis 1985 erreichen heute das Ende ihrer Lebensdauer; der bundesweite Sanierungsstau wird auf mehrere zehn Milliarden Euro geschätzt.

Im Bundesprogramm zur Sanierung kommunaler Sportstätten stehen 916 Millionen Euro bereit, eingereicht wurden bereits Projekte mit einem Förderbedarf von rund 7,5 Milliarden Euro. Auch wenn der explizit ausgewiesene Anteil für Sportböden klein erscheine, sei der politische Druck sehr hoch.

KennzahlWert laut Vortrag
Sondervermögen der Bundesregierung für Infrastruktur500 Milliarden Euro (nicht nur für Sporthallen)
Bundesweiter Sanierungsstau Sporthallenmehrere zehn Milliarden Euro (Schätzung)
Bundesprogramm zur Sanierung kommunaler Sportstätten916 Millionen Euro
Bereits eingereichter Förderbedarfrund 7,5 Milliarden Euro
Betroffene HallenBaujahre 1965 bis 1985, Ende der Lebensdauer

Zertifikate sind Pflicht: Nicht jeder Betrieb darf Sportböden bauen

Allerdings kann nicht jeder Betrieb Sportbodensysteme bauen: Prüfungen, Zertifikate und besondere Qualifikationen sind zwingend erforderlich, da Sicherheit und Gesundheit der Nutzer im Fokus des Unfallschutzes stehen. Haro Sports verfügt über die sportfunktionellen Prüfzertifikate nach DIN und RAL sowie die Nachweise zu Emissionen und Brandschutz. Entscheidend bleibe jedoch die Ausführung: "Der beste Sportboden der Welt bleibt nur ein Konzept, wenn er nicht fachgerecht eingebaut wird. Deswegen brauchen wir euch."

Sechs Kriterien nach DIN 18032: Was einen Sportboden von Parkett unterscheidet

Was einen Sportboden von herkömmlichem Parkett oder Linoleum unterscheidet, legt die DIN 18032 in sechs Kriterien fest:

KriteriumAnforderung laut Vortrag
Kraftabbau53 Prozent der vom Sportler einwirkenden Kraft müssen vom Boden absorbiert werden – zur Gelenkschonung und Verletzungsreduktion
VerformungDie Durchbiegung unter einwirkender Kraft
VerformungsmuldeLasten dürfen nicht weiträumig verteilt werden, sondern nur in einem eng begrenzten Raum
GleitreibungNicht zu rutschig, nicht zu stumpf – beides birgt Verletzungsgefahr
BallreflexionDas definierte Rücksprungverhalten, besonders für Basketballer wichtig
Rollenbelastung–

Ziel sind bestmögliche sportliche Performance, Unfallverhinderung und Langlebigkeit. Den Unterschied spüre jeder, der einmal auf einem Sportboden statt auf Beton Fußball gespielt habe.

Sportparkett: fugenlos, elastisch, edel

Naheliegend für Haro Sports ist die Präferenz für Parkett, mit dem die Sportbodengeschichte begann. Jung nennt fugenlose Verlegung, hohe Oberflächenelastizität, eine edle Erscheinung, Pflegeleichtigkeit, geringe Unterhaltskosten und einfache Verlegung als Vorteile – räumt aber ein, dass jeder Belag seine Stärken hat; mit anderen Belägen lasse sich etwa farblich gestalten.

Fertigparkett oder Massivparkett?

Bei der Frage Fertig- oder Massivparkett sei in Deutschland das Fertigparkett klar favorisiert; lediglich Junkers setze auf Massivware. Fertigparkett sei deutlich formstabiler und reagiere weniger auf wechselndes Hallenklima, während bei Massivparkett leichter Fugen entstünden. Hinzu kämen höhere Elastizität, eine durch Spezialversiegelung härtere Oberfläche, schnellere Verlegung, einfacherer Austausch einzelner Dielen im Reparaturfall sowie geringere Kosten in Anschaffung und Unterhalt – ideal für Schulen und Mehrzweckhallen.

Drei Sportbodensysteme: flächen-, punkt- und kombielastisch

Sportbodensysteme unterscheiden sich im Wesentlichen durch ihr Verformungsverhalten.

SystemVerformungTypischer Aufbau / BelagEinsatzBewertung Jung
FlächenelastischUnterkonstruktion verteilt die Last großflächig, ein größerer Teil der Konstruktion verformt sichSportparkett oder Lastverteilerplatte, Blindboden, Feder- oder SchwingkonstruktionHandball, Basketball, Volleyball, Badminton; kommunale Ein- und Dreifeldhallen; Rollsport, schwere Geräte"Der klassische Premium-Sportboden", "nach wie vor der Qualitätsmaßstab"; fast 90 Prozent der Großhallen
PunktelastischNahezu ausschließlich direkt unter der BelastungsstellePolyurethan-Beschichtung oder PVC mit elastischer SchaumlageGymnastikräume, Fitnessbereiche, Kindertagesstätten, GrundschulsportGeringe Aufbauhöhe, meist niedrigere Kosten; für ambitionierten Ballsport "selten die erste Wahl"
KombielastischPunktelastischer Belag auf flächenelastischer KonstruktionKombination beider SystemeSchul-, Kinder- und Jugendsport"nicht Fisch, nicht Fleisch, keine klare Positionierung"; am Markt nur mittelmäßig etabliert

Flächenelastisch: Der Qualitätsmaßstab für Großhallen

Beim flächenelastischen Boden – laut Jung in fast 90 Prozent der Großhallen verbaut – verteilt die Unterkonstruktion die Last großflächig: Tritt ein Sportler auf, verformt sich nicht nur der Bereich unter dem Fuß, sondern ein größerer Teil der Konstruktion. Der typische Aufbau besteht aus Sportparkett oder Lastverteilerplatte, Blindboden und Feder- oder Schwingkonstruktion. Sehr gute Kraftaufnahme und Ballreflexion machen ihn zur ersten Wahl für Handball, Basketball, Volleyball und Badminton, zudem ist er dauerhaft und mehrzwecktauglich. "Das ist der klassische Premium-Sportboden", insbesondere für kommunale Ein- und Dreifeldhallen – und "nach wie vor der Qualitätsmaßstab".

Punktelastisch: Geringe Aufbauhöhe, schwächere Ballreflexion

Beim punktelastischen Boden findet die Verformung nahezu ausschließlich direkt unter der Belastungsstelle statt. Typisch sind Polyurethan-Beschichtungen oder PVC mit elastischer Schaumlage. Vorteile sind geringe Aufbauhöhe, meist niedrigere Kosten und weniger Verlegeaufwand; eingesetzt wird er in Gymnastikräumen, Fitnessbereichen, Kindertagesstätten und im Grundschulsport.

Nachteile sieht Jung in der schwächeren Ballreflexion, einem weniger sportlichen Laufgefühl und einer stärkeren lokalen Gelenkbelastung bei schnellen Richtungswechseln. Für ambitionierten Ballsport sei er "selten die erste Wahl".

Kombielastisch: "Nicht Fisch, nicht Fleisch"

Der kombielastische Boden setzt einen punktelastischen Belag auf eine flächenelastische Konstruktion, um die Vorteile beider Systeme zu vereinen. Er bietet gute Kraftreduzierung, Ballreflexion und Laufgefühl und eignet sich für Schul-, Kinder- und Jugendsport. Jungs Urteil fällt dennoch nüchtern aus: "nicht Fisch, nicht Fleisch, keine klare Positionierung" – am Markt sei das System nur mittelmäßig etabliert.

Führung über das Gelände
Die Teilnehmer der Tagung der Bundefachgruppe durften sich auch über eine Führung über das Werksgelände freuen. - © Hamberger Flooring GmbH & Co. KG

Welches System für welche Halle?

Die Systemwahl richte sich nach den Sportarten in der Halle, der Frage, ob Profisport betrieben wird, und der Nutzergruppe – Kinder oder Erwachsene mit um die 100 Kilogramm Körpergewicht. Auch Rollsport und schwere Sportgeräte wie Mattenwagen mit Kindern darauf halte der flächenelastische Boden am besten aus.

Zwei Bauarten: Schwingträgerkonstruktion und Sandwichboden

Konstruktiv unterscheidet Jung zwei Varianten:

Schwingträgerkonstruktion: Für hohe Fußbodenaufbauten

Die Schwingträgerkonstruktion steht am Anfang der Sportbodengeschichte. Die Schwingträger werden in Stephanskirchen vorproduziert, auf der Baustelle per Laser verlegt und mit Holzklötzen ausnivelliert; darauf kommt der Blindboden aus Holzbrettern zur Lastverteilung, dann das Fertigparkett. Je nach Höhe gibt es Einfach- oder Doppelschwingträger. Das System eignet sich besonders für hohe Fußbodenaufbauten und punktet mit Langlebigkeit, Naturmaterialien und Nachhaltigkeit.

Für Fußbodenheizungen, die in Sporthallen immer häufiger werden, hat die Heizungsindustrie Halterungen entwickelt, die zwischen die Schwingträger geklemmt werden und in die die Rohre eingeklipst werden – schnell und kostengünstig.

Sandwichboden: Geringe Einbauhöhe für Sanierungen

Der Sandwichboden besteht aus einer Schaummatte auf Abdichtung, Estrich oder Bodenplatte, darüber Lastverteilerplatten und Oberbelag. Vorteile sind die geringe Einbauhöhe und der Verzicht auf eine Schüttung bei direkter Verlegung auf den Estrich – weshalb Jung ihn bevorzugt bei Sanierungen einsetzt. Qualitativ seien beide Systeme ähnlich oder gleich. Fußbodenheizung ist auch hier möglich, über Heizungsplatten mit Wärmeleitblechen, allerdings teurer.

Auf Nachfrage aus dem Publikum stellte Jung klar, dass die Schaummatte keine Dämmfunktion hat: Es handle sich um einen offenporigen Verbundschaum, der ausschließlich dem Kraftabbau dient – die Wärme komme oben an.

BauartAufbauVorteileFußbodenheizungBevorzugter Einsatz
SchwingträgerkonstruktionVorproduzierte Schwingträger (Einfach oder Doppel), per Laser verlegt, mit Holzklötzen ausnivelliert; Blindboden aus Holzbrettern; FertigparkettLanglebigkeit, Naturmaterialien, NachhaltigkeitHalterungen zwischen den Schwingträgern, Rohre eingeklipst – schnell und kostengünstigHohe Fußbodenaufbauten
SandwichbodenSchaummatte (offenporiger Verbundschaum, nur Kraftabbau, keine Dämmung) auf Abdichtung, Estrich oder Bodenplatte; Lastverteilerplatten; OberbelagGeringe Einbauhöhe, keine Schüttung bei direkter Verlegung auf EstrichHeizungsplatten mit Wärmeleitblechen – teurerSanierungen

Für Verleger interessant: Sporthallen sind rechteckige Flächen mit bis zu 1200 oder 1300 Quadratmetern ohne Ecken und Schrägen. "Da könnt ihr richtig Masse machen", so Jung – ganz anders als im kleinteiligen Wohnbau.

Der mobile Boden: Aufbau in drei Stunden

Ein Sonderfall ist der mobile Boden, der eher dem Sandwichprinzip folgt. 1972 bei der Olympiade in München erstmals verlegt, liegt er heute im Audi Dome, wo Profisport darauf stattfindet. Bei Events wie Basketball-Länderspielen wird er innerhalb von drei bis vier Stunden aufgebaut; ein Team von fünf bis sechs Leuten baut ihn in zwei Stunden wieder ab. Grundlage sind kaschierte Schaummatten, auf denen die Elemente mit einem patentierten Verbindungssystem zusammengefügt werden.

Haro stellt einen Einweiser, nach zwei, drei Bahnen beherrschen Veranstalterteams das System. Die Nutzschicht beträgt 3,6 Millimeter – generell bietet Haro Sportparkett in 3,6 und 5,2 Millimetern an. Den mobilen Boden gibt es zum Kauf oder auf Leihbasis.

Oberbeläge: Sportparkett und Linoleum dominieren

Neben Parkett verbaut Haro Sports auch Linoleum, PVC, Polyurethan und Kautschuk. Linoleum gewinnt an Bedeutung, weil Architekten zunehmend Farbkonzepte für Sporthallen entwickeln – und es ebenfalls ein Naturprodukt aus Leinöl, Naturharz und Kalkstein ist. Hersteller sind DLW, Gerflor, Forbo und Tarkett; im Sportbereich gibt es Stärken von 3,2 und 4 Millimetern, wobei der Profibereich 4 Millimeter favorisiert. Gerflor bietet seit drei bis vier Jahren Linoleum mit integrierter Versiegelung, bei Forbo wird sie nachträglich aufgebracht – ein zusätzlicher Arbeitsschritt.

PVC ist dünner, eher im Norden verbreitet und ein typischer Handballbelag, der oft mobil ausgerollt wird. Die gebräuchlichsten Beläge bleiben Sportparkett und Linoleum.

Reinigung und Pflege: Nur Mittel nach DIN 18032

Bei Reinigung und Pflege gibt Haro klare Anleitungen mit Rezepturen vor; Loba habe sich auf Sportböden spezialisiert. Entscheidend sei, dass Reinigungsmittel nach DIN 18032 zugelassen sind, um die Gleitreibung zu erhalten. "Oft wird man in die Halle gerufen, der Boden ist zu rutschig oder viel zu matt", so Jung – meist stecke das falsche Reinigungsmittel dahinter. Da Hallen von morgens (Schulsport) bis abends (Vereinssport) belegt sind, muss täglich gereinigt werden.

Prallwände nach DIN 18032: Schutz für Sportler – und Ohren

Seit etwa 2013 fertigt Haro Sports in Stephanskirchen auch Prallwände, die von den Unfallkassen zunehmend gefordert werden. Die Anforderungen nach DIN 18032 gehen über die des Bodens hinaus: Die Wand muss ballwurfsicher sein – ein Profi-Handballwurf darf sie nicht brechen, geschlossene, splitterfreie Oberflächen haben und Kraft abbauen, wenn ein Sportler mit der Schulter dagegenläuft. Dasselbe gilt für Türen, Tore und Einbauelemente.

Classic, Pro und Protect Light: Die Prallwandsysteme

Haro bietet ein Classic-System mit Holzunterkonstruktion und ein Pro-System mit Stahlunterkonstruktion, letzteres für Versammlungsstätten mit Tribünen und Kapazitäten über 200 Personen, wo Brandschutz ein großes Thema ist. Neuere Entwicklung ist die Protect Light 19: eine Sperrholzplatte mit kaschiertem Schaum und nur 19 Millimetern Konstruktionshöhe, die direkt an die Wand geklebt wird – "das geht fast ins Fliesenlegerhandwerk", so Jung. Die Elemente werden über eine Feder verbunden und bilden automatisch eine Schattenfuge von 5 Millimetern. Die Variante Protect Light 27 ist schwer entflammbar und für Versammlungsstätten geeignet.

Beide bieten eine große Dekorvielfalt, mit der Architekten etwa einen schwarzen Linoleumboden mit andersfarbigen Prallwänden kombinieren.

Akustik und Einbauelemente: Auslastung übers Jahr

Zunehmend wichtig ist die Akustik: "Ein Sportlehrer, der von morgens bis mittags mit Kindern Sport treibt, der hört fast nichts mehr." Prallwände mit Akustiklochung müssen deshalb Schallwerte erfüllen, die in Ausschreibungen immer höher angesetzt werden. Hinzu kommen Einbauelemente wie Geräteraumtore, Ausgangstüren mit Brandschutzanforderungen, Regieraumfenster und Seilklappen – alle mit Kraftabbau. Verleger, die Sportböden und Prallwände anbieten, seien übers Jahr gut ausgelastet.

Aus der Praxis: Linierung, schwarzes Linoleum und 30 Jahre Lebensdauer

Referenzen zeigen Hallen bis 1300 Quadratmeter in Frankfurt oder eine Parketthalle in Wiesbaden mit Linierung – für die Jung die Firma Kipp als "Päpste der Linierung" nennt. Der eine Zeit lang stark gefragte schwarze Linoleumbelag ist wieder rückläufig: Turnschuhstreifen zeichnen sich schnell ab, die Hausmeister haben entsprechend viel zu tun. Für Mehrzwecknutzung mit Bestuhlung oder Faschingsfeiern empfiehlt Haro Abdeckbeläge, auch wenn die Versiegelung des Sportparketts einiges aushalte.

Eine Parketthalle hält laut Jung gut 30 Jahre – und wer einmal eine hatte, wechselt selten zu Linoleum. Das sei allerdings auch ein Nachteil: "Wir müssen 30, 40 Jahre warten, bis wir dann wieder in die Sanierung rein dürfen."

Checkliste: Was Betriebe für den Einstieg in den Sportbodenbau mitbringen und beachten müssen

  • Prüfungen, Zertifikate und besondere Qualifikationen – zwingend, weil Sicherheit und Gesundheit der Nutzer im Fokus des Unfallschutzes stehen
  • Systemwahl nach Sportarten, Profisport ja oder nein und Nutzergruppe (Kinder oder Erwachsene mit um die 100 Kilogramm)
  • Bauart nach Aufbauhöhe: Schwingträgerkonstruktion für hohe Aufbauten, Sandwichboden mit geringer Einbauhöhe für Sanierungen
  • Fußbodenheizung einplanen: Halterungen zwischen den Schwingträgern oder Heizungsplatten mit Wärmeleitblechen
  • Reinigungsmittel nach DIN 18032, damit die Gleitreibung erhalten bleibt; tägliche Reinigung bei Belegung von morgens bis abends
  • Abdeckbeläge für Mehrzwecknutzung mit Bestuhlung oder Faschingsfeiern empfehlen
  • Prallwände und Einbauelemente mit anbieten – für Auslastung übers Jahr

Fazit: Sportboden ist ein eigenes Fachgebiet – und eine Chance für das Handwerk

Sportböden sind ein eigenes Fachgebiet mit eigener Historie, eigener Norm und eigenen Konstruktionsprinzipien – und ein Markt mit erheblichem Sanierungsbedarf, dem es an qualifizierten Verlegern fehlt. Jungs Appell an das Handwerk ist entsprechend deutlich: "Wir brauchen euch." Haro Sports zeige Interessierten, wie die Systeme funktionieren und dass die Arbeit profitabel sei. Und wer am Ende in der Hallenecke stehe und über die fertige Fläche blicke, wisse: "Das ist schon eine coole Sache."