Bambusparkett hat in Deutschland einen Marktanteil von deutlich unter einem Prozent – und einen Ruf, der Verleger zögern lässt: zu hart, zu exotisch, zu weit transportiert. Michael van Houten, Vertriebsleiter D/A/CH bei Moso, nimmt im Interview Stellung zu Werkzeugverschleiß, Optik ohne Knoten, Leimanteil und CO₂-Bilanz. Betriebe erhalten Argumente, wenn Kunden nach einer nachhaltigen Alternative zu Eiche fragen.

Das niederländische Unternehmen Moso International ist 1997 gegründet worden und gilt heute als europäischer Marktführer für Bambusprodukte im Innen- und Außenbereich. Im DACH-Raum bleibt Bambusparkett trotzdem eine Nische – mit Vorbehalten bei Verlegern wie bei Endkunden. bwd-Redakteur Alexander Radziwill hat Michael van Houten, Vertriebsleiter D/A/CH, zum Gespräch getroffen.
XXL-Schlossdiele aus Bambus
bwd: Bambus als Bodenbelag hat viele Gesichter. Moso International hat zum Beispiel im vergangenen Jahr Bamboo Prestige-Dielen, auch bekannt als XXL-Schlossdielen, aus Bambus vorgestellt – 2.440 mm lang und 300 mm breit. Wie ist das von den Kunden angenommen worden?
Michael van Houten: Grundsätzlich gut. Wir nehmen großes Interesse dafür wahr. Wir brauchen allerdings durchschnittlich zwei bis drei Jahre, bis ein Produkt im Markt wirklich anerkannt ist.
Momentan macht der Innenbereich etwa 35 Prozent unseres Umsatzes aus. Angesichts der recht begrenzten Mittel, um Neuheiten zu bewerben, haben wir im Innenbereich noch Nachholbedarf. Unter diesen Voraussetzungen bin ich mit der Entwicklung des Produktes durchaus zufrieden.
Pläne zum 30. Firmenjubiläum: bereinigtes Sortiment, Fischgrät und extrem-matter Lack
bwd: Nächstes Jahr wird Moso International dreißig Jahre alt. Welche Schwerpunkte setzt das Unternehmen im kommenden Jahr im Bereich der Bodenbeläge?
Michael van Houten: Wir werden ein bereinigtes Sortiment auflegen. Unser Elite-Landhausdielen-Sortiment, also ein Sortiment mit großen Dielen, erweitern wir. Noch relativ neu ist zum Beispiel das Produkt Elite Fischgrät.
Neu ist auch unser Markenauftritt inklusive neuem Produktkatalog für Händler und Endkunden sowie einem neuen Internetauftritt, der in einigen Monaten online geht. Und wir haben im Produktbereich eine neue Versiegelung, einen Lack in extrem-matt. Das alles werden wir in den nächsten Monaten präsentieren. Die von Ihnen erwähnte Schlossdiele, die wir Prestige nennen, wird übrigens ein Teil unseres Auftritts auf der Messe Bau in München im Januar 2027 sein.
Keine Lobby für Bambus: Warum es keinen Verband wie vdp oder EPLF gibt
bwd: Bambus als Bodenbelag ist aktuell im DACH-Raum nicht sehr präsent. Existiert eine Art von Lobbyarbeit, wie sie zum Beispiel vdp, FEP, FEB, EPLF, MMFA oder auch der Kork-Verband betreiben?
Michael van Houten: Nein, und das hat einen Grund: Es gab einmal fünf, sechs Firmen, die sich mit Bambus als Bodenbelag beschäftigt haben. Das ist vorbei. Es gibt heute nicht mehr viele Anbieter – hauptsächlich sind das wir, offen gesagt. Wir haben uns am Markt als nahezu einziges Unternehmen in diesem Segment erfolgreich etabliert.
Optik ohne Knoten: schmale Streifen, Walzenimprägnierung und Density-Dielen
bwd: Bei Bambus bemängeln Kunden manchmal die eingeschränkte Optik: Die Maserung ist gleichmäßig und linear, die Knoten prägen die Optik. Kork kann heute digital bedruckt aussehen wie Holz, Linoleum ist auf Wunsch unter anderem auch mit Betonoptik zu haben. Gibt es Bambusparkett ebenfalls mit bedruckter Oberfläche? Ist so etwas überhaupt gefragt?
Michael van Houten: Man kann das machen und wir haben diese Variante auch schon im Sortiment gehabt. Zwar nicht als Digitaldruck, aber mit einer Walzenimprägnierung, die zum Beispiel eine Eichenstruktur nachbilden kann. Das kam mehr oder weniger gut an. Eher in Frankreich und Spanien.
In Deutschland dagegen ist echte Eiche noch deutlich mehr nachgefragt. Bambus hat sich als nachhaltige Alternative noch nicht vollständig durchgesetzt. Daran arbeiten wir. Wichtig ist aber zu erwähnen: Es gibt Bambusparkett mit schmalen Streifen, wo die Knoten kaum zu sehen sind.
Daneben haben wir ein Produkt namens Density, das auf hochverdichtetem Bambus aufbaut. Fasern werden dabei unter extremem Druck und Zugabe eines Klebstoffs zu Dielen gepresst. Das sieht eher wie Tropenholz als wie Bambus aus, keine Knoten, bietet schöne Farben, von der Optik mit Holz vergleichbar, sorgt für ein wohnliches Ambiente, hat dabei eine unglaubliche Härte und ist extrem langlebig. Dieses Sortiment werden wir weiter ausbauen.
„Bambus hat sich als nachhaltige Alternative noch nicht vollständig durchgesetzt. Daran arbeiten wir.“
Michael van Houten, Vertriebsleiter D/A/CH, Moso International
Werkzeugverschleiß: Ist Bambusparkett härter als Eiche?
bwd: Es gibt Parkett- und Bodenleger, die die Stirn kräuseln, wenn man sie auf Bambus anspricht. „Das ist so hart, das macht mir mein Werkzeug kaputt“, habe ich schon gehört. Um Bambus als Bodenbelag zu verlegen, sind sehr scharfe Werkzeuge nötig. Die Außenwand dieses Grases ist durch die eingelagerte Kieselsäure besonders hart, was zumindest für einen erhöhten Werkzeugverschleiß sorgt.
Michael van Houten: Ich halte das für ein Missverständnis. Und ganz wichtig ist: Die Außen- und Innenwand der Bambushalme werden vor der Weiterverarbeitung komplett entfernt. Unsere Bambusprodukte sind daher mit normalen Werkzeugen problemlos zu bearbeiten; da gibt es keinen Unterschied zu Eichenholz, einem ähnlich dichten Material.
Wir empfehlen Hartholzwerkzeuge, ansonsten gibt es keine Einschränkungen. Sie können den Boden natürlich auch abschleifen wie andere Holzböden auch. Bei der angesprochenen Density-Variante schleifen Sie eigentlich nur im Zehntel-Millimeterbereich ab.

Vom Expo-Hype 2000 zum Qualitätsanspruch: Warum Bambus noch als exotisch gilt
bwd: Beim Gespräch über Bambus wird manchmal gesagt: Das ist eben nicht heimisch, das muss importiert werden. In Deutschland, Österreich und der Schweiz greifen Kunden gern zu heimischen Hölzern, auch aus Gründen der Nachhaltigkeit. Haben Sie das Gefühl, dass Bambus auch nach dreißig Jahren Moso International von vielen in der Branche immer noch als exotisch angesehen wird?
Michael van Houten: Ich bin seit 1997 dabei – zwar nicht die gesamte Zeit bei Moso, aber schon damals im Bereich Bambus. Wenn ich zurückblicke, erinnere ich mich an die Weltausstellung Expo im Jahr 2000 in Hannover. Damals war Bambus in aller Munde. Viele haben das Material importiert und so kam auch schlechte Qualität auf den Markt.
Die Presse hat ein paar Jahre später geschrieben: Kauft kein Bambus, das ist alles nichts. Wir haben daraufhin Medien zu uns in die Niederlande eingeladen, um zu zeigen, was wir aus Bambus machen, nämlich qualitativ hochwertige Produkte. Wir haben vom ersten Tag an die stetige Verbesserung der Qualität als Ziel gehabt, denn wir wollten Deutschland-taugliches, scharfkantiges Parkett, wie Zweischichtparkett oder Klick-Fertigparkett, produzieren. Dieses kontinuierliche Arbeiten ist der Grund, warum wir heute nach wie vor erfolgreich sind.
Wir machen nichts als Bambus. Es dauert manchmal lange, bis sich eine Einstellung zu etwas verändert. Aber wir sind überzeugt von der Zukunftsfähigkeit unserer Produkte und arbeiten weiter daran.
Nachhaltigkeit: Erntereife nach fünf Jahren, Leimanteil und Seetransport
bwd: Vielleicht werden wir in ein paar Jahren Bambuswälder in Europa sehen, wenn das Klima entsprechend ist, aber bis es so weit ist, muss das Material aus Asien hergebracht werden. Wir haben also, Stichwort Nachhaltigkeit, lange Transportwege.

Michael van Houten: Das ist, wie auch die Verleimung, ein immer wiederkehrendes Thema. Bambus wächst innerhalb von nur fünf Jahren zur Erntereife. Ein Bambuswald ist nie weg, weil Sie nie ganze Pflanzen roden, sondern immer nur ausgewachsene Halme. Es kommt nie zu Materialengpässen, denn die Pflanze wächst immer wieder nach.
Roden Sie im Gegensatz dazu eine Eiche, die achtzig Jahre gewachsen ist, ist sie schlicht vernichtet. Sie benötigen weitere achtzig Jahre, bis ein neuer Baum erneut vollständig ausgewachsen ist. Die Nachhaltigkeitsbilanz bei Bambus ist also sehr gut; das Material ist ein enormer CO₂-Speicher.
Was die Verleimung angeht, sind wir bei einigen Produkten so weit, dass der Anteil von Leim nicht mehr als drei Prozent beträgt. Seit fünf Jahren versehen wir unser Sortiment Schritt für Schritt mit biobasierten Leimen. Wir haben einen Nachhaltigkeitsmanager im Haus und verfügen über das QNG-ready-Siegel von Sentinel Holding (SHI), über EPDs etc.
Was den Transport angeht, sind die Emissionen mit dem Lastwagen in Europa viel größer als die des Frachters auf See. Diese Berechnungen gibt es. Darum ist es aus Sicht der Nachhaltigkeit sogar besser, Bambus aus China per Schiff zu beziehen, als zum Beispiel aus Portugal per LKW.
Bambusparkett in Deutschland: Marktanteil unter einem Prozent, Informationsbedarf bleibt
bwd: Es scheint so, dass gerade in Deutschland die Vorbehalte gegen Bambus größer sind als in anderen Ländern Europas, von Asien ganz zu schweigen. Der Marktanteil hier liegt bezogen auf den Gesamtmarkt aller Bodenbeläge deutlich unter einem Prozent. Gibt es hier nach wie vor also Bedarf an Information?
Michael van Houten: Auf jeden Fall. Wir versuchen als mittelständische Firma immer weiter aufzuklären, zu informieren und durch nachhaltige Produkte zu überzeugen. Das ist nicht immer einfach und da braucht es Geduld. Aber wir sind überzeugt davon, das zu schaffen.
