Interview Altholzböden als Nische: "Wir verkaufen Emotion und Geschichte"

Patrick Kropik ist gelernter Zimmermann und baut Böden aus Material, das andere entsorgen: Dielen und Tafelparkett aus abgetragenen Altbauten. 10.000 Quadratmeter Dielen liegen auf Lager, abgerechnet wird nach Stunden statt nach Quadratmetern, und vom Erstgespräch bis zur Fertigstellung vergeht ein halbes Jahr. Ein Gespräch über ein Geschäftsmodell, das sich der Vergleichbarkeit entzieht.

Patrick Kropik
Patrick Kropik, gelernter Zimmermann und Spezialist für Altholzböden, in Gmünd. - © Kropik

bwd: Herr Kropik, wir haben uns im letzten Jahr beim Workcamp Parquet kennengelernt. Sie haben mir erzählt, dass Sie die perfekte Nische gefunden haben.

Patrick Kropik: Ja, ich habe mich auf alte Baumaterialien spezialisiert, die ich selbst oder Partnerunternehmen aus alten Gebäuden ausbauen und die wir dann für einen zweiten Einsatz aufbereiten. Dabei liegt der Schwerpunkt zu 80 Prozent auf alten Holzböden. Wir liefern aber auch alte Fliesen und Feinsteinzeug, die den Rest ausmachen. Früher haben wir mehr geliefert als selbst verlegt. Das hat sich im Laufe der Zeit geändert, da unsere Maßanfertigungen in der Verlegung sehr viel Wissen und Gefühl brauchen, um ein langes und schadensfreies zweites Leben zu haben.

bwd: Sie sind kein gelernter Bodenleger. Was ist Ihr beruflicher Hintergrund?

Kropik: Ich bin gelernter Zimmermann und wollte schon immer selbstständig arbeiten, da ich das von meinen Eltern kenne, die eine Spedition und Logistik-Firma haben. Das Unternehmertum wurde mir praktisch in die Wiege gelegt. Vor 17 Jahren begann ich in Waidhofen an der Thaya mit dem Handel alter Holzböden. Da an diesem Standort bald zu wenig Platz war, bin ich hier in Gmünd auf das 5.000 Quadratmeter große Gelände mit Werkstatt und großen Freiflächen übersiedelt. Die Lagerung großer Materialmengen benötigt entsprechend viel Platz.

Woher das Altholz kommt und wie es aufbereitet wird

bwd: Wie viel Material lagern Sie ein und wie wird dieses bearbeitet?

Kropik: Wir haben derzeit an die 10.000 Quadratmeter Dielenböden auf Lager und über 400 Quadratmeter altes Massiv-Tafelparkett. Letzteres ist wahrscheinlich über 150 Jahre alt und dementsprechend selten und kostbar. Dieses kostbare Altmaterial stammt nicht nur aus Österreich, speziell aus Wien und Graz, sondern beispielsweise auch aus München. Die Aufbereitung erfolgt ausschließlich nach Kundenwunsch, damit jeder Kunde seinen maßgeschneiderten Traumboden bekommt. Das ist sehr aufwendig und dauert seine Zeit. So wickeln wir übers Jahr gesehen an die 100 Aufträge ab, von klein bis mittelgroß.

Team: acht Fachleute, mehr sollen es nicht werden

bwd: Dafür sind vermutlich qualifizierte Mitarbeiter und entsprechende Maschinen erforderlich. Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie derzeit?

Mitarbeiter des Teams
Mitarbeiter des Teams Nord bei der Aufarbeitung alter Holzböden. - © Kropik

Kropik: Wir haben derzeit fünf Mitarbeiter in der Aufarbeitung, die mit den verschiedenen Maschinen und vor allem mit viel Handarbeit die alten Böden wieder zu neuem Leben erwecken. In der Montage sind drei Spezialisten beschäftigt, die mit mir die Verlegung übernehmen. So sind höchste Qualität und beste Abwicklung gewährleistet.

bwd: Das alles klingt sehr aufwendig und damit teuer. Wie ist Ihre Preis-Range und wer leistet sich solche Spezialböden?

Kropik: Wir sind ein absoluter Nischen-Anbieter, der sich an Menschen mit hohen Ansprüchen wendet, die das Besondere suchen. Unsere Preise sind aber fair und nach dem Aufwand kalkuliert. Genaue Preise zu nennen ist schwierig. Wir rechnen nicht nach Quadratmetern, sondern nach Stundenaufwand ab. Der Preis ist aber oft gar nicht das Hauptthema, sondern eher die Zeit, die wir für die Abwicklung der Aufträge brauchen. Mit sechs Monaten vom Erstgespräch bis zur Fertigstellung muss man dafür rechnen. Das ist für manche Bauherren lange, lässt sich aber kaum beschleunigen.

"Der Preis ist oft gar nicht das Hauptthema." Patrick Kropik

Kundengewinnung im Waldviertel: Internet, Mundpropaganda, Werksbesuche

bwd: Wie erreichen Sie Ihre Kunden, und wie finden diese den Weg zu Ihnen in diese eher abgelegene Region im nördlichen Waldviertel?

Kropik: Ich habe von Anfang an auf das Internet und die sozialen Medien gesetzt. Wir bekommen die Anfragen entweder über diesen Weg oder über Mundpropaganda von zufriedenen Kunden und Architekten. Es kommen sehr viele Interessenten tatsächlich zu uns und fahren dafür Hunderte Kilometer, die meisten wollen doch sehen, wie wir arbeiten. Das ist gut für uns, denn so verstehen sie den Preis besser, den wir einfach verlangen müssen. Das Rohmaterial und der Ausbau sind teuer und auch die Arbeitskosten für unsere Spezialisten in der Aufbereitung sind hoch. Manche Kunden kommen sogar zwei- oder dreimal, um sich von den Arbeitsschritten zu überzeugen. Das ist allerdings eher die Ausnahme.

bwd: Holz ist schon an sich als Naturprodukt nicht ganz einfach zu verarbeiten. Das wird bei Altholz sicher noch einmal schwieriger sein. Gibt es bei Ihnen Probleme mit Reklamationen oder sind alle Kunden immer zufrieden?

Lager mit aufbereiteten Altholzdielen.
Lager mit aufbereiteten Altholzdielen zur Auswahl für den individuellen Traumboden. - © Mayrhofer

Kropik: Das ist in der Tat gar nicht so einfach, weil man den Kunden schon in der Beratung sagen muss, dass Holz ein Naturprodukt ist, das gewisse Eigenschaften und Besonderheiten hat. So hatten wir einmal Probleme mit einem Kleinauftrag, weil die Kundschaft geglaubt hat, dass es auch für Altholz eine Norm gibt. Seit dieser Erfahrung kläre ich noch intensiver im Vorfeld auf und werde auch eine Anzahlung von 50 statt wie bisher 20 Prozent verlangen.

Ein weiteres Thema ist die Oberflächenbehandlung mit Wachs, die nicht immer unproblematisch ist. Wir verwenden die Marken Irsa aus Deutschland und Büffel aus Österreich und haben mit einer Ausnahme damit keine Probleme. In diesem Fall kam es nach dem Betreten mit nassen Schuhen und Salzresten zu Verfärbungen, die wir aufwendig durch Nachschleifen und den Neuauftrag eines anderen Produkts sanieren mussten. Aber das gehört eben auch zum Geschäft und ist zum Glück sehr selten.

bwd: Sie waren beim Workcamp Parquet im letzten Jahr dabei. Wie war das und wie haben Sie von dieser Erfahrung profitiert?

Kropik: Das war ein tolles Erlebnis. Ich habe mich schon im Vorfeld gefreut, dass ich bei diesem internationalen und hochwertigen Programm mitmachen durfte. Dabei habe ich nicht nur viele interessante Kollegen aus der ganzen Welt kennengelernt und mich mit ihnen sowohl theoretisch als auch praktisch ausgetauscht, sondern auch zahlreiche wertvolle Tipps erhalten und mich in meinen bisherigen Erfahrungen und Methoden bestätigt gefühlt. Ganz neu war für mich aber die detaillierte Dokumentation im Vorfeld und bei der Arbeit an historischen Parkettböden im Denkmalschutz-Bereich.

Pläne: exklusiver statt größer

bwd: Welche Pläne haben Sie für Ihre Zukunft? Ist eine Expansion geplant?

Kropik: Ich will nicht mehr viel größer werden. Bei maximal zehn Mitarbeitern ist sicher Schluss, da ich sonst Angst um meine Qualitätsansprüche habe. Ich plane, noch exklusiver zu werden und den Stellenwert unserer Arbeit noch besser zu vermitteln. Die Menschen sind ja auch stolz, wenn sie vom Schneider oder Schuster maßgeschneiderte Kleidung oder Schuhe für viele Tausend Euro bekommen. Genau so müssen wir unsere Tätigkeit verkaufen. Wir verkaufen keine praktischen Bodenlösungen, sondern Emotion und Geschichte, samt Dauerhaftigkeit und höchsten Öko-Standards sowie ein Material mit Seele, das lebt.

"Wir verkaufen Emotion und Geschichte." – Patrick Kropik

Ich habe gerade selbst ein altes Haus in der Umgebung saniert, wo ich das alles berücksichtigt habe. Nach siebenjähriger Bauzeit werde ich heuer gemeinsam mit meiner Lebensgefährtin in dieses Haus einziehen. Dort möchten wir später auch unsere Kinder großziehen. Ein solides Fundament ist nicht nur in der Firma notwendig, sondern auch im Privatleben.

Zur Person

Patrick Kropik, 37, gelernter Zimmermann, hat sich als Quereinsteiger auf Böden aus Altholz spezialisiert. Sein Betrieb sitzt in Gmünd im nördlichen Waldviertel, Niederösterreich.

Das Interview führte Thomas Mayrhofer, Österreich-Redaktion. Erschienen in bwd Ausgabe 8, August 2026, Seiten 66–67.