Blick in den Markt Wohngesunde Bodenbeläge, Verlegesysteme & Co.: Mehr als nur Marketing

Gesundheitlich unbedenkliche Bodenbeläge, Wachse, Öle, Siegel oder auch Verlegesysteme auf Basis von natürlichen Produkten sind mehr denn je ein Thema. Das Angebot ist mittlerweile größer denn je – wir haben einige interessante Beispiele ausgewählt.

Wohngesunde Bodenbeläge
Mit „Taterra Click“, einem PVC- und weichmacherfreier Designboden, erweitert der Hersteller Parador sein Sortiment nachhaltiger Bodenlösungen. - © Parador

Selten berichten uns Bodenprofis von Kunden, die zur Tür hineinkommen und nach gesundheitlich unbedenk­lichen Bodenbelägen und Zubehör fragen. Oft dagegen wird das Thema „wohngesunde Bodenbeläge" im Beratungsgespräch behandelt. Und dann vom Kunden meist wohlwollend behandelt.

Der Begriff „wohngesund“ führt in die Irre, bezieht er sich doch auf den privaten Bereich, das Wohnen. Aber auch im Objekt sind natürlich längst möglichst unbelastete Produkte gefragt, wenn nicht sogar gleich in der Ausschreibung vorgeschrieben. Dabei ist auch bei solchen Produkten der Preis wichtig; vielleicht sogar mehr denn je.

Beim Kunden, aber auch beim Verarbeiter selbst ist das Bewusstsein für die Beschaffenheit der Materialien und ihrer Inhaltsstoffe ist in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen; das bestätigen uns professionelle Anwender immer wieder.

Wohngesunde Bodenbeläge – die nächste Generation

Längst ist das Angebot an Produkten, die einen Schwerpunkt auf Wohngesundheit legen, kaum mehr zu überblicken. Wir haben aus Platzgründen einige wenige aktuelle Beispiele aufgegriffen – die Auswahl „wohngesunde Bodenbeläge" am Markt ist deutlich größer.

Bei Parador zum Beispiel sind nachhal­tige Bodenlösungen lange etabliert. Mit Taterra Click hat der Hersteller aus Coesfeld nun einen PVC- und weichmacherfreien Designboden „der nächsten Generation“ vorgestellt. Eine Polypropylen-Dekorschicht an der Oberfläche trifft hier auf eine integrierte Kork-Trittschalldämmung für mehr Gehkomfort und weniger Geräusche.

„Gefertigt aus überwiegend nachwachsenden Rohstoffen und ausgestattet mit ­einer ultramatt wirkenden, authentischen Holzoberfläche, bietet die Kollektion eine natürliche Optik und Haptik“, so der Hersteller. Neben der unvermeidbaren Eiche wird auch Nussbaum zitiert.

„Nachhaltigkeit ist für uns kein Marketingversprechen, sondern ein Prinzip, das jede Entscheidung prägt“, sagt Neel Bradham, CEO von Parador. Taterra Click bietet übrigens für jedes Boden-Dekor auch gleich passende Treppenlösungen, Profile und Sockelleisten.

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    Mit „Taterra Click“, einem PVC- und weichmacherfreier Designboden, erweitert der Hersteller Parador sein Sortiment nachhaltiger Bodenlösungen.
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    © Osmo
    Osmo Hartwachs-Öl Original ermöglicht offenporige, flüssigkeitsresistente, kratz- und ab riebfeste Oberflächen. Es basiert auf natürlichen Ölen und Wachsen und enthält keine Konservierungsstoffe, Aromate oder Biozide.
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    © Gerflor
    DLW Linoleum basiert zu 98 Prozent auf natürlichen Rohstoffen. Der Boden wird CO₂-neutral am Standort Delmenhorst hergestellt.

Gutes Raumklima

Bei Osmo stehen Massivholzdielen aus nachhaltiger, PEFC- und FSC-zertifizierter Forstwirtschaft im Mittelpunkt. „Gekennzeichnet sind alle Osmo Massivholzdielen mit dem FEP Nachhaltigkeits-Label, ­welches Produkte offiziell als renovierfähig und ­‚made in Europe‘ ausweist. Dank ihrer ­Oberflächenbeschaffenheit und ihrer feuch­tigkeitsregulierenden Eigenschaften

  • sorgen sie für gutes Raumklima und
  • sind damit die optimale Grundlage für gesundes Wohnen“,

teilt das Unternehmen mit. Als nachwachsender Rohstoff enthält Holz weder Weichmacher noch Formaldehyd. „Außerdem lässt sich ein massiver Holzfußboden mehrfach abschleifen oder auffrischen und muss im Renovierungsfall nicht neu verlegt werden“, erklärt man bei Osmo.

Holz als Naturwerkstoff hat die Eigenschaft, Feuchtigkeit aus der Raumluft aufzunehmen und diese auch wieder abzugeben. Mit umweltfreundlichen Anstrichsystemen kombiniere Osmo diese natürlichen Vorteile zu einem Gesamtpaket in Form des auf natürlichen Ölen und Wachsen basierende Hartwachs-Öls. „Da das Produkt auf natürlichen Ölen und Wachsen basiert, keinerlei Konservierungsstoffe, Aromate oder Biozide enthält und die feuchtigkeitsregulierenden Eigenschaften des Holzes unterstützt, ist es optimal zum Schutz und zur farblichen Veredelung von Massivholzdielen, Landhausdielen, 3-Stab-Parkett oder Korkböden geeignet“, so der Hersteller.

Klassiker Linoleum

Vor Kurzem hat Gerflor mit der neuen DLW Lino Art Kollektion sein Portfolio an nachhaltigen Bodenbelägen aus Linoleum erweitert. Zwei Designlinien sind erhältlich: Lino Art Urban und Lino Art Moon. Letzterer ist besonders geeignet für den Einsatz in öffentlichen Gebäuden, Bildungseinrichtungen oder im Gesundheitswesen. Farbliche „Highlights“ in beiden Designlinien sind elegante Erd-, Terracotta- und Pastelltöne.

Die neue Kollektion biete „alle Optionen für das ressourcenschonende und zirkuläre Bauen der Zukunft“, erklärt der Hersteller. Die DLW Linoleumbeläge bestehen zu 98 Prozent aus natürlichen Materialien, darunter

  • Leinöl,
  • Holzmehl,
  • Kalkstein,
  • Jute und
  • Harz.

Neu ist die Integration von vier Prozent gemahlenen Kaffee-Silberhäutchen – einem organischen Nebenprodukt aus der Kaffeeproduktion. Dank dieser Rezeptur-Anpassung konnte der Anteil schnell nachwachsender Rohstoffe von 76 auf 83 Prozent ­gesteigert werden. Zudem enthält der Belag bis zu vierzig Prozent Recyclinganteil, ist zu hundert recycelbar und nach dem Cradle-­to-Cradle-Prinzip Silber-zertifiziert.

Emissionsarme Produkte für wohngesunde Bodenbeläge

Bereits seit 1997 gibt es mit dem Emicode-­Zeichen ein Klassifizierungssystem für sehr emissionsarme Verlegewerkstoffe, Klebstoffe und Bauprodukte. Ob Putze, Mörtel, Klebstoffe, Parkettlacke, Öle, Wachse oder Dichtstoffe. Das GEV-Siegel (Gemeinschaft Emissionskontrollierte Verlegewerkstoffe, Klebstoffe und Bauprodukte) wird nur an Produkte vergeben, deren gesundheitliche Unbedenklichkeit dank geringstmöglicher Emissionen durch strenge Laborprüfungen festgestellt wurde.

Produkte mit dem Emicode-Zeichen enthalten keine Lösemittel oder phthalathaltige Weichmacher. Zudem ist ihr Gehalt an flüchtigen organischen Verbindungen (VOCs) streng begrenzt. Hersteller müssen ihre Produkte regelmäßigen Kontrollen in Form unangemeldeter Stichproben unterziehen. Wenn sie mit einem Emicode EC 1-Zeichen werben, muss dieses spätestens nach fünf Jahren erneuert werden. Insgesamt gehören 268 Mitgliedsfirmen aus 24 Ländern zum Verbund. Aktuell sind 17339 Produkte aus neun Produktkategorien – von Bodenaufbau bis Wandbaustoffe – nach Emicode zertifiziert.

Autor

Alexander Radziwill, Kontakt: alexander.radziwill@holzmann-medien.de.