Parkettrestaurierung Intarsien: hohe Handwerkskunst

Von altägyptischen Holzmosaiken bis zu serienreifen Einlegearbeiten mit der Dekupier­säge: Intarsien haben sich technisch und künstlerisch stetig weiterentwickelt. Für Parkettleger bleibt die präzise Furnierarbeit Ausdruck hoher Handwerkskunst.

Intarsien
Intarsien-Ausschnitt vom Treppenpodest in Schloss Burgellern bei Bamberg. - © Domschke

Die Intarsie als Ausdruck lebendigen Kunstschaffens hat sich im Laufe ihrer Geschichte vielfach gewandelt. Aus dem einfachen Holzmosaik hervorgegangen, wurden bereits im zweiten Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung von den alten Ägyptern

  • nicht nur verschiedenartige Hölzer,
  • sondern auch Metalle und
  • andere Materialien

verwendet, um die dekorative Wirkung zu erhöhen.

  • Durch die Verfeinerung der Technik – insbesondere durch den Einsatz des Messers sowie
  • durch neue Arten von Furnieren und Leimen –

wurde die Intarsie zunehmend perfektioniert. Schließlich erlaubt heutzutage der Einsatz von Dekupiersägen ihre serienmäßige Herstellung.

Schmuck und Verzierung

Die Intarsie diente von Beginn an dem Schmuck und der Verzierung von aus Holz gefertigten Gebrauchsgegenständen. Während in den vergangenen Epochen dieser Schmuck jedoch vornehmlich der Ausgestaltung und Verschönerung von Kirchen, Herrscherhäusern und Häusern wohlhabender Bürger vorbehalten war, ist er heute zum Allgemeingut aller schaffenden Menschen geworden und erfreut sich als dekorativer Schmuck oder zur Flächenbelebung von Parkettfußböden großer Beliebtheit.

Die Herstellung von Intarsien

Die Erfindung der Laubsäge im Jahr 1562 brachte einen grundlegenden Wandel in der Technik von Einlegearbeiten mit sich. Gleichzeitig war es möglich, dünnere Furniere – Holzfolien von 4 bis 6 mm Dicke – zu schneiden. Damit stand der Verbreitung der neuen Methode nichts mehr im Wege, und schon bald wendeten sie alle ent­sprechenden Handwerker an.

Der Arbeitsablauf dieser Sägetechnik kurz zusammengefasst:

  • Um eine zweifarbige Intarsie zu schneiden, beginnt man mit dem Zurichten des Furniers – zum Beispiel dunkles Grund- und helles Einlagefurnier.
  • Das Furnier wird etwas reichlicher zugeschnitten, als die Intarsien-Zeichnung angibt. Dabei ist auf gleiche Faser­richtung zu achten.
  • Ist es durch die Art der Intarsien-Zeichnung nicht möglich, von außen mit dem Sägen zu beginnen, müssen an ­jedem Motivteil mit einem Drillbohrer, in dem sich ein feiner Bohrer mit an­geschliffener Nadel befindet, Löcher durch die Zeichnung und die beiden zu sägenden Furniere gebohrt werden. Das Bohren erfolgt am besten an den Ecken und nie in der Mitte einer zu ­sägenden Linie.
  • Bei dem nun folgenden Sägen ist zu beachten, dass man immer in der Mitte einer Intarsien-Zeichnung beginnt und von da Teil auf Teil nach außen sägt.
  • Um sich das Zusammensetzen der ­gesägten Teile zu einem Ganzen zu ­erleichtern, empfiehlt es sich, diese ­entweder auf einer zweiten, gleichen ­Intarsien-Zeichnung an der betreffenden Stelle leicht mit Leim anzuheften oder in kleinen Schächtelchen, die leicht aus Papier oder Pappe herzu­stellen sind, zu sammeln.

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    Einzelne Blume im Schloss Solitude in Stuttgart.
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    Freie Intarsien-Kreation nach Kundenwunsch.
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    Sterneinlage in einem Tafelparkett.
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    Intarsienrosette in Eiche, Wenge und Nussbaum.
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    Friesausschnitt mit Tafelparkett in der Villa Olbernhau.
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    Mäanderband-Fries mit Blattelementen und Adern.
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    Intarsien-Ausschnitt vom Treppenpodest in Schloss Burgellern bei Bamberg.
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    Stadtwappen der Stadt Straubing.
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    Intarsie: Einzelblume aus Ahorn, Rosenholz, Zebrano, Essigbaum und Bubinga in Nussbaum eingelegt.
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    Intarsien: Aufwendig gearbeitete Einzelrosette in einer Dresdner Stadtvilla.

Boulle-Intarsien: die schwierigste Einlegearbeit

Die schwierigste Einlegearbeit ist die nach ihrem Erfinder André Charles Boulle (1642 bis 1732) genannte Technik, die Boulle-­Intarsien. Boulle genügte die Wirkung, die durch das Zusammensetzen von Furnieren erzielt wurde, nicht mehr. Er verwendete als Einlegematerial immer mehr Metalle (Messing, Kupfer, Zinn, Zink, Silber). Zuletzt ersetzte er auch das Grundfurnier durch in dünne Scheiben geschnittenes und zu größeren Flächen zusammengekittetes Schildpatt. Um dessen Wirkung noch weiter zu erhöhen, unterlegte er dieses leicht durchsichtige Material mit Rot. Boulle strebte danach, den natürlichen, durch Politur hervorgehobenen Glanz des Holzes noch zu übertreffen.

  • Mithilfe des schimmernden Schildpatts, das dem Nussbaum-Wurzelholz ähnelt, sowie
  • durch Metalleinlagen.

Vergoldete Bronzezierteile erhöhten die Farben- und Glanzwirkung. Sie erfüllten zugleich den Zweck, die Kanten sowie größere, stärker beanspruchte Flächen der Gebrauchsmöbel zu schützen. Weil: die von Boulle verwendeten Materialien nicht die dauerhafte feste Verbindung mit dem Grundholz hatten. Außerdem wurden die Metalleinlagen von künstlerisch hochstehenden Graveuren ausgeführt. Die Intarsien und Möbel von André Charles Boulle erreichten eine Vollkommenheit. Dies vereinte sowohl technisches Können als auch künstlerische Gestaltung auf höchstem Niveau.

Die von Boulle ausgebildete Spezialtechnik entwickelte sich zu Kunstwerken, auf die sein Heimatland Frankreich mit Recht stolz sein konnte. Seine Technik fand viele Nachahmer und wurde auch in Deutschland kopiert. Nicht alle in Museen befindlichen sogenannten Boulle-Möbel sind Originalarbeiten aus seinen Werkstätten. Die geschilderte Technik blühte fast das ganze 18. Jahrhundert hindurch. Die Techniken der Boulle-Methode wurden grundsätzlich auch im Bereich der Parkett- und Bodenintarsien angewendet. Allerdings mit wichtigen Unterschieden im Material.

  • Statt des empfindlichen Schildpatts und diverser Metalle, die zerkratzen würden,
  • kamen verschiedene Holzarten zum Einsatz.

Denn für Böden brauchte man robuste Lösungen.

Fazit

Intarsien für Fußböden sind auch weiterhin für den Parkettleger eine Hervorhebung seines Handwerks. Nach wie vor werden Intarsien entweder nach historischem Vorbild oder auch nach neuen Vorlagen mit der Dekupiersäge von Hand gefertigt und hergestellt. Und daran wird sich auch so schnell nichts ändern.

Der Autor

Marko Domschke ist Restaurator im Parkettlegerhandwerk und Fachgruppenleiter der Parkettrestauratoren im BVPF.

Quelle: „Intarsien – Herkunft – Herstellung – Verwendung“ von Friedrich Krauss, 6. Auflage 1981, erschienen im VEB Fachbuchverlag Leipzig.