Porträt Einer von uns: Dennis Giesen aus Schalksmühle

Dennis Giesen setzt auf Handwerk statt Selbstinszenierung: Der Parkettlegermeister aus Schalksmühle bleibt bewusst im Hintergrund und stellt seine Arbeit in den Mittelpunkt. Mit digitaler Planung, klarer Haltung zu Qualität und Nachhaltigkeit sowie Nähe zum Privatkunden geht der Ein-Mann-Betrieb seinen eigenen Weg.

Dennis Giesen
Dennis Giesen ist Parkettlegermeister und Leiter der Bundesfachgruppe Digitalisierung im Bundesverband Parkett und Fußbodentechnik. - © privat

Wer Dennis Giesen ist und was er vorhat, das macht er auf seiner Website deutlich. „Nach zwölf Jahren praktischer Erfahrung als angestellter Parkettleger und einer anschließenden zweijährigen Tätigkeit in der Administration eines mittelständischen Unternehmens habe ich den Meister im Parkettleger-Handwerk zeitgleich angestrebt und 2023 schlussendlich erfolgreich abgeschlossen“, schreibt er dort. Im Bild zu sehen ist er da aber nicht. Neben dem Text findet sich sein gerahmter Meisterbrief, aber kein Portraitfoto. In Zeiten von Social Media, dem Zeitalter der Selbstinszenierung, bleibt Giesen, von einer einzigen kleinen Abbildung abgesehen, auf seiner eigenen Seite fast unsichtbar. Warum eigentlich?

Dennis Giesen – handwerkliche Tätigkeit im Mittelpunkt

„Bei mir steht die handwerkliche Tätigkeit im Mittelpunkt, aber nicht mein Gesicht“, sagt der Parkettleger. Ein Team sucht man auf der Website ebenfalls vergeblich. „Momentan bin ich tatsächlich eine One-Man-Show, aber das wird sich wohl bald ändern. Mein Praktikant wird voraussichtlich im August die Lehre als Parkettleger bei mir beginnen“, berichtet Giesen. Im Unternehmen „Parkettlegermeister Dennis Giesen“ wird der junge Mann

  • nicht nur Renovierungen,
  • sondern auch die Neuverlegung erleben,

und das gar nicht mal so selten. „Neuverlegung macht rund dreißig Prozent bei mir aus. Ansonsten haben wir viel Restaurierung und Instandsetzung. Aber: Dreißig Prozent ist in diesen Zeiten nicht wenig. Die Aufträge sind da. Was man aber merkt bei den Kunden: Viele wollen oder müssen das Geld zusammenhalten“, sagt der Handwerker.

Kommunikation ist das A und O

Für ihn das A und O: die Kommunikation mit dem Kunden. „Ich hatte vor Kurzem eine Baustelle, da wollte der Bauherr ursprünglich ein Fischgrätmuster aus der Ecke heraus diagonal in den Raum verlegt haben. Wir haben die Variante entwickelt, das Fischgrätmuster aus der Mitte heraus zu gestalten und im Randbereich einen Fries einzuziehen. Man muss gegenüber dem Kunden vernünftig argumentieren und präsentieren. Dazu gehören für mich 3D-Darstellungen und Grafiken.“ Das muss man erst einmal können. Giesen kann es. Und nicht nur das – digitale Technik fasziniert ihn seit jeher. Er macht beim Kunden im ersten Schritt immer ein genaues Aufmaß vor Ort mittels digitaler Tools. Die Daten werden ins Aufmaßprogramm eingegeben, dann folgt die Nachbearbeitung. „3D-Darstellungen zeigen, wie ein Raum wirken kann. Der Kunde hat so viel bessere Möglichkeiten, sich das Ergebnis vorzustellen. Die Visualisierung wirkt fast so, als könne man den Boden anfassen, bevor die Verlegung überhaupt angefangen hat“, sagt Giesen.

Sein Kunde ist der Privatkunde; von Großkunden halte er „einen sehr großen Abstand“, sagt er. Das hat auch etwas mit Giesens Vorleben zu tun. Bevor er sich als Parkettleger selbstständig machte, war er Auftragskalkulator in einem mittelständischen Unternehmen in Düsseldorf. Dort hat er auch Großprojekte betreut. „Eine eher abschreckende Erfahrung“, erklärt Dennis Giesen.

  • Beim Privatkunden seien die Entscheidungswege deutlich kürzer,
  • die Offenheit für Design sei wesentlich größer.

Tatsächlich gibt es in der Region von Schalksmühle im Nordwesten des Sauerlandes, wo sein Unternehmen beheimatet ist, eine nicht ganz geringe Anzahl von Menschen, die sich der gehobenen Einkommensklasse zurechnen. Und eine entsprechende Eigentumsquote. Giesen bearbeitet einen Radius von rund achtzig Kilometer um die Ortschaft ab.

„Die KI kann das Holz nicht lesen.“

Dennis Giesen, Inhaber Parkettlegermeister Dennis Giesen

Dennis Giesen: Leiter der Bundesfachgruppe Digitalisierung

Sein technisches Wissen bringt er auch in die Innung ein – als Leiter der Bundesfachgruppe Digitalisierung im Bundesverband Parkett und Fußbodentechnik. „Die Mitglieder, die sich der Bundesfachgruppe angeschlossen haben, sind sehr offen dafür“, berichtet Giesen. Die Innung selbst sei „ein Muss für den Parkettleger“, findet er: „Wenn man aktiv dabei ist, erhält man auch Informationen, die es so auf dem Markt nur nach akribischer Suche gibt. Und wer von uns hat so viel Zeit? Die Innung ist ein wichtiges Gut, auch wenn manche Unternehmer klagen, dass das Zeit und Geld koste. Ich finde: Es kostet Geld, wenn man nicht in der Innung ist.“

Giesen setzt auf nachhaltige und umweltfreundliche Materialien

Was wollen die Kunden, was verlegt er selbst am liebsten? „Die erste Wahl ist immer Parkett. Aktuell ist Fertigparkett am beliebtesten. Allerdings muss es solches mit mindestens 2,5 Millimeter Nutzschicht sein. Alles, was darunter liegt, verlege ich noch nicht einmal mehr, wenn der Kunden mich von jeglicher Haftung und Gewährleistung ausschließt. Das lehne ich ab, da hier auch der ökologische Gedanke nicht gewährleistet ist.“

Giesen setzt bevorzugt auf nachhaltige und umweltfreundliche Materialien. Der ökologische Aspekt, sagt der Parkettleger, sei ihm sehr wichtig: „Das ist kein Marketing oder Bedienen eines Trends, sondern meine Lebensweise. Ich habe meine Lehre zum Parkettleger neben einem ökologischen Baustoffhändler gemacht. Da war alles auf ökologisch und ökonomisch vernünftiges, nachhaltiges Wirtschaften ausgerichtet. Hier in Schalksmühle habe ich ein Häuschen in Hanglage mit Wald drumherum. Wir sollten nur so wenig wie möglich in die Natur eingreifen, um das zu bewahren, was da ist. Wenn wir eingreifen, wie im Falle von Holzböden, sollten die zwanzig, 25 Jahre halten.“

Fazit nach einem Jahr Selbständigkeit

Mehr als ein Jahr ist der Parkettlegermeister nun selbstständig. Sein vorläufiges Fazit? „Ich habe zu tun ohne Ende und es reißt nicht ab. So kann’s weitergehen.“ Den Leiter der Bundesfachgruppe Digitalisierung begeistert Technik, gerade auch in der Branche und fürs Handwerk. Wie ist seine Prognose: Wird es in ein paar Jahren einen mit KI gesteuerten Parkett-leger-Robo geben?

„Innerhalb der nächsten zehn, 15 Jahre nicht. Die KI, der Roboter, die können das Holz nicht lesen. Wir als Parkettleger wissen: Hier darf ich weiterschleifen oder nicht. Das interessiert eine Maschine nicht. Wir müssen viele Nebenschauplätze beachten, um ans Ziel zu kommen. Das macht ein Roboter einfach nicht. Was das angeht, sind wir der KI weit voraus. Die ist nützlich in Kommunikation, auch bei Berechnungen, aber dass sie uns beim Verlegen unterstützt, das sehe ich nicht.“

Autor

Alexander Radziwill, Kontakt: alexander.radziwill@holzmann-medien.de.

Kontakt

Parkettlegermeister Dennis Giesen,
58579 Schalksmühle,
E-Mail: info@parkett-giesen.de,
Tel. 0 15 25 / 39 38 103
www.parkett-giesen.de