Das sagt die Anwendungstechnik Welche Auswirkungen hat das Klima auf Verlegewerkstoffe?

Die Rubrik "Das sagt die Anwendungstechnik" liefert in unregelmäßigen Abständen Tipps, Tricks und Know-how für den Fußbodenprofi. Dieses mal beantworten wir die Frage: Welche Auswirkung hat das Klima auf Verlegewerkstoffe?

Die Akklimatisierung und richtige Lagerung von Materialien in den verschiedenen Jahreszeiten ist ein wichtiger Faktor für eine erfolgreiche Ausführung bei Bodenbelagsarbeiten.

Piktogramme auf der Verpackung informieren über die optimale Verarbeitungstemperatur. - © UZIN

Oftmals kommt die Akklimatisierung in der Praxis zu kurz. Sowohl im Sommer als auch im Winter ist deshalb eine vorausschauende Planung zu den klimatischen Bedingungen auf der Baustelle besonders wichtig. Materialien sollten in klimatisierten Räumen gelagert werden, um Frost- und Hitzeschäden zu vermeiden, die sowohl die Produkte als auch ihre Verpackungen beeinträchtigen können. Neben der Temperatur sind auch die Luftfeuchtigkeit und das trockene Lagern wichtig. Reaktive Trockenmörtel wie Spachtelmassen und Estriche werden in Säcken geliefert, die kurzfristig vor Feuchtigkeit schützen. Diese Verpackungen sind jedoch nicht für eine Lagerung im Freien bei Regen oder Schnee geeignet.

Folgen hoher Lagertemperaturen

Hohe Lagertemperaturen bedingen eine Beschleunigung und somit eine extrem verkürzte, unkontrollierte Verarbeitungszeit bei wasserfreien Systemen wie PUR-, Silan- oder Epoxiydharzsystemen sowie Trockenmörtelwerkstoffen und Spachtelmassen.

Folgen niedriger klimatischer Bedingungen

Klimatische Bedingungen, die unter den vom Hersteller empfohlenen Werten liegen, können zur unkontrollierten Verlangsamung der ausgelobten Verarbeitung oder Reaktionszeiten führen. Bei wasserbasierten System kann ein nicht reparabler Schaden am Verlegewerkstoff entstehen.

Ein dauerhafter zu hoher Luftfeuchtewert führt bei Zementspachtelmassen zu einer Reduktion der Reaktivität, was wiederum zu einer Verlangsamung der Belegereife führt. Im schlimmsten Fall führt dies, bindemittelunabhängig, zu einer Verklumpung im Sack.

Die relative Luftfeuchtigkeit, die Boden- und Umgebungstemperatur werden in einer kontrollierten Umgebung nach DIN 18365 und DIN 18356, beurteilt. - © bwd

Verlegewerkstoffe werden unter Laborumständen in einem definierten Raumklima geprüft. Die relative Luftfeuchtigkeit, die Boden- und die Umgebungstemperatur werden in einer kontrollierten Umgebung, nach DIN 18365 und DIN 18356, beurteilt. Dieses Klima beschreibt die ideale Umgebungstemperatur zwischen 18 – 23 ºC, die des Bodens zwischen 15 – 20 ºC. Dies ist in der jeweiligen Produktliteratur der Hersteller aufgeführt. Der Auftraggeber ist verantwortlich, diese Voraussetzungen auf der Baustelle rechtzeitig vor Beginn der Arbeiten zu schaffen und diese zu halten. Unter extremen Bedingungen – zum Beispiel im Winter in einem nicht wind- und wassergeschützten Gebäude ist es unmöglich, die vorgeschriebenen Bedingungen herzustellen.

Taupunkt-Temperatur beachten!

Im Winter werden Baustellen häufig mit Heizgeräten oder Heißluftkanonen beheizt, um die geforderte Umgebungstemperatur zu erreichen. Diese Geräte laufen jedoch meist nur eine kürzere Zeit, wodurch zwar eine Aufwärmung der Luft erreicht wird, allerdings nicht das Aufheizen der Boden- und Wandflächen. Das konstante Halten der Temperatur während der Verarbeitung und der Abbindephase der Verlegewerkstoffe kann mit dieser Methode nicht gewährleistet werden. Solange deren Temperatur unter dem Taupunkt (siehe Tabelle) liegt, kondensiert dann die Feuchtigkeit aus der Luft auf den kalten Oberflächen und das Kondenswasser kondensiert auf Grundierung, Ausgleichsmasse oder dem Klebstoff. In der Folge kann die Haftung leiden und die Trockenzeit sich verlängern. Auch Böden und Wände müssen ausreichend akklimatisiert sein. Die Bodentemperatur sollte grundsätzlich mindestes 3°C über dem Taupunkt liegen.

Die sorgfältige Prüfung der Verarbeitungsbedingungen ist zu jeder Jahreszeit ein Muss. Denn diese sind für ein gutes Ergebnis absolut notwendig, sichern ein erfolgreiches Verlegeergebnis und somit einen zufriedenen Kunden.

Der Autor

Thomas Schneider ist Leiter Uzin Anwendungstechnik. Die Rubrik "Das sagt die Anwendungstechnik" erscheint in Zusammenarbeit mit der Uzin Utz SE.