BodenSchweiz: 90. Generalversammlung im April in Nottwil Weichen stellen für die Ausbildung

Die Ausbildung ist auch in der eidgenössischen Bodenbelagbranche ein viel diskutiertes Thema. Wer wann wieviel in die schweizerischen Berufsbildungsfonds einzahlen soll und wie das zukünftige Berufsbild des Bodenlegers aussieht, waren die wichigsten Themen auf der 90. Generalversammlung des Verbandes.

Der Präsident von BodenSchweiz, Romano Bigi (2.v.r.), und Generalsekretär Walter Suter (3.v.r.) gratulieren den Chefbodenlegern zur bestandenen Prüfung. - © Grießbach

Romano Bigi redete nicht lange um den heißen Brei herum. Der Präsident von BodenSchweiz, dem eidgenössischen Verband der Bodenbelagfachgeschäfte, stellte auf der 90. Generalversammlung des Verbandes in Nottwil am Sempachersee fest, dass wichtige Ziele, die sich BodenSchweiz für 2007 gesetzt hatte, nicht erreicht wurden.

So wurden bei der Auseinandersetztung um die Allgemeinverbindlichkeitserklärung (AVE) des Berufsbildungsfonds (BBF) eines anderen Verbandes keine Fortschritte erzielt. Hintergrund: Die AVE des Verbandes der Innendekorateure und Raumausstatter der Schweiz, interieursuisse, wurde vom Bund genehmigt und erlaubt interieursuisse, nun auch bei Nichtmitgliedern Beiträge für den verbandseigenen BBF zu erheben. Gerade in der Berufsbildung sieht BodenSchweiz aber eine seiner wichtigsten Aufgaben und daher nicht die Notwendigkeit, seinen Mitgliedern Beiträge an einen anderen Verband zuzumuten. Zumal die Mitglieder von BodenSchweiz über ihre Beiträge den eigenen BBF mitfinanzieren.

Laut Bigi konnte trotz Intervention von vier Verbänden beim zuständigen Bundesbildungs- und Technologieministerium kein nennenswerter Abschluss erzielt werden. Aktuell bemüht man sich unter Einbeziehung von interieursuisse und allen anderen betroffenen Verbänden, eine allgemeingültige AVE zu erstellen. Für BodenSchweiz scheint dies nun der letzte Versuch zu sein, den Konflikt partnerschaftlich zu lösen und einen Gang ans Bundesgericht zu vermeiden.

Auf einer unsicheren Basis steht nach wie vor der BBF von BodenSchweiz. Er konnte auch 2007 nicht auf ein sicheres Fundament gestellt werden. Der in der Jahresrechnung für 2007 mit 50.000 CHF zu Buche schlagende Fonds wurde in der Vergangenheit gemeinschaftlich von Verbänden und Industrie finanziert. Nachdem der Verband der Schweizerischen Bodenbelaggrossisten (VSBG) sein Engagement deutlich reduziert hatte, mussten neue Finanzierungslösungen gesucht werden. Inzwischen zeichnet sich aber laut Bigi ein Modell ab.

Finanzierungsmodell soll Mitte 2008 stehen

Ein gemeinsam mit der Interessengemeinschaft der Schweizerischen Parkettindustrie (ISP) erarbeiteter Vorschlag liegt auf dem Tisch, der laut Bigi auch von einigen Direktsponsoren wie Cabana Loppacher, Fabromont und Tarkett unterstützt wird. Hier sei bis Mitte 2008 mit einer Sicherstellung der finanziellen Grundlage zu rechnen. Wichtig für Bigi ist dabei, dass das Niveau der Aubildung weiterhin die Qaulität hat, die BodenSchweiz bisher garantieren konnte.

Die Arbeit der Berufsbildungskommission (BBK), das ausführende Organ des BBF, wurde von Bigi und dem Generalsekretär des Verbandes, Walter Suter, vor den mehr als 100 anwesenden Mitgliedern besonders gelobt. Trotz der unsicheren Finanzierungssituation sei es der BBK gelungen, ihre vielfältigen Aufgaben in der Berufsbildung wahrzunehmen und einen Überschuss von mehr als 6.000 CHF zu erwirtschaften. Schwerpunktthema der kommenden Jahre wird nach Auffassung des Geschäftsführers die Realisierung der vom Bund geforderten neuen Berufsbildungsverordnung sein. Der personelle und materielle Aufwand für die Neugestaltung des Reglements für Bodenleger bedeutet für einen relativ kleinen Verband wie BodenSchweiz eine erheblich Zusatzbelastung. Bigi forderte deshalb auch den Abbau administrativer Hürden von allen im KMU-Bereich tätigen Organisationen und Institutionen, um Arbeitsabläufe zu optimieren. Hinzu kommt, dass in der recht kleinen Bodenbelagbranche der Schweiz mehrere Verbände tätig sind. Um die Einheit des Berufsbildes zu gewährleisten müsse zwischen den Verbänden eng kooperiert werden, um gemeinsame Lösungen zu finden. Vorstandsmitglied Max Werder brachte es auf eine einfache Formel: „Ziel muss es sein, den Beruf des Bodenlegers unter ein Dach zu bekommen.“

Für viel Applaus sorgte auf der Generalversammlung die Auszeichnung der neuen Chefbodenleger. Von den insgesamt 34 Kandidaten haben 22 die Prüfung bestanden. Erstmals nahmen auch zwölf französischsprachige Kandidaten an der Prüfung teil. Von ihnen meisterten sieben die durch die Zweisprachigkeit erschwerte Prüfung.

Moritz Grießbach