Nachgefragt bei Bundesinnungsmeister Peter Fendt Hat Handwerk noch goldenen Boden? - Kleinbetriebe können, wollen sie alles richtig machen, nicht mehr bestehen"> Nachgefragt bei Bundesinnungsmeister Peter Fendt Hat Handwerk noch goldenen Boden? Kleinbetriebe können, wollen sie alles richtig machen, nicht mehr bestehen

Peter Fendt. - © Pitt

„Grundsätzlich müssen wir uns, wenn man die Frage einmal auf unseren Beruf bezieht, überwiegend unter Wert verkaufen. Wenn man ehrlich ist, sind die erzielten Preise – gleiche Qualität vorausgesetzt – niedriger als vor zehn Jahren. Als problematisch sehe ich das Verhältnis von Materialpreis und Arbeitslohn/Verlegepreis an. Der Arbeitslohn ist im Vergleich zum Materialpreis auf den Quadratmeter gesehen zu teuer. Die Wertigkeit vieler Produkte steht in keinem Verhältnis zum Wert der Arbeitsleistung. Dementsprechend sind viele Betriebe für den Verbraucher einfach zu teuer! Durch aberwitzige Preise in LVs – die sich dann in den Köpfen mancher Architekten festsetzen – werden real kalkulierte Preise als viel zu hoch angesehen.

Stellt sich die Frage, ob wir noch hochqualifiziertes Personal brauchen. Mit Sicherheit, da die Unterbodenvorbereitung oft mehr an Wissen erfordert als die Oberbodenverlegung. Da sind wir wieder beim Thema: Gute Betriebe schreiben da ein umfängliches Angebot und schießen sich mit dem Preis für die Untergrundvorbereitung selber ab.

Die Schere wird wohl wie überall in der Gesellschaft auch im Handwerk auseinandergehen. Es wird nach wie vor Betriebe geben, die hochwertig anbieten und gutes Geld damit verdienen. Nach meiner Meinung fehlt den seriösen Betrieben das Alltagsgeschäft. Mal schnell ein Zimmer schleifen oder eine Küche oder ein Wohnzimmer mit Belag ausstatten kommt fast nicht mehr vor. Wer diese Arbeiten dann letztendlich macht, kann ich nicht sagen. Inzwischen interessieren sich sehr viele Handwerker für den Boden. Der Weg in die Selbständigkeit ist wegen der Zulassungsfreiheit weder aufwändig noch teuer. Garage, Auto, Werkzeugkoffer und den Großhändler als Hausbank, mehr braucht es nicht.

Zulieferfirmen, die als Service den Estrich beurteilen und messen, sowie Produktentwicklungen, die jeder Heimwerker verlegen kann, subventionieren Seiteneinsteiger. Jeder Endverbraucher kennt schon fast unsere Einkaufspreise. Teppichhersteller bieten speziell für den Onlinehandel Ware an, die im Großhandel nicht erhältlich ist.

Jeder kämpft! Wenn es dann so ist, dass der Handwerker nur noch Erfüllungsgehilfe ist, hat es sich sehr schnell mit dem goldenen Boden. In der Realität werden doch schon jetzt Aufträge versteigert oder die Ware liegt zum Verlegen bereit schon am Bau. In Anbetracht dessen, welcher Aufwand zur Erledigung aller Dinge erforderlich ist, war es früher mit Sicherheit einfacher, sein Geld zu verdienen. Der damit verbundene Aufwand ist viel größer als noch vor Jahren. Kleinbetriebe können bereits jetzt, wenn sie alles richtig machen wollen, nicht mehr bestehen. Wenn ich alleine an all die bürokratischen Dinge denke (Unterweisung, Dokumentation usw.). Insofern ist der goldene Boden bei objektiver Betrachtung – auch bei guter Auftragslage und guten Gewinnen – weitaus risikobehafteter. Mehr denn je bräuchte man eigentlich eine umfängliche Ausbildung. Der Boden wird steiniger, aber letztendlich ist das vielleicht auch eine ­Situation, wo sich die Spreu vom Weizen trennt.“