Ausbildungsbetrieb vs. Berufsschule Azubis zwischen den Stühlen

Berufsschule und Ausbildungsbetrieb – für manche Azubis ist das nicht so einfach in Einklang zu bringen. Betriebe klagen, dass viele Auszubildende die Ausbildung abbrechen oder sie erst gar keine Azubis finden. Woran liegt das? Tragen Ausbilder und Berufsschulen eine Mitschuld daran? Und wie lässt sich die Zusammenarbeit verbessern?

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"Ein Azubi ist nur so gut wie sein Ausbildungsbetrieb und die Berufsschule", sagt Nils Zimmermann, Parkettlegermeister und selbst Ausbilder im eigenen Betrieb. Dem kann sich sein Bruder Patrik Zimmermann, Berufsschullehrer für Parkettleger, nur anschließen. Grundsätzlich läuft die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Ausbildungsstätten sehr gut, das finden beide.

Trotzdem gibt es einige Probleme, die oft zu Lasten der Azubis gehen. Gerade wenn der Chef meint, dass die Arbeit im Betrieb wichtiger sei und den Azubi schlichtweg für den nächs­ten Unterrichtsblock krankmeldet, geraten junge Handwerker in Schwierigkeiten. Schließlich sind sie abhängig von ihrem Ausbilder, aber auch angewiesen auf gute Noten. "Das passiert leider gar nicht so selten, obwohl die Betriebe durch den Ausbildungsvertrag dazu verpflichtet sind, Azubis für die Schule freizustellen", erzählt der Berufsschullehrer. Die Berufsschule ist in solchen Fällen aber verpflichtet einzuschreiten. "Wir reagieren allergisch, wenn wir merken, da steckt System dahinter", sagt er.

Lehrer unterstützen

Azubis rät er daher, sich in der­artigen Situationen an die Lehrer zu wenden. Nicht sie sollten das Fehlverhalten ihres Ausbilders ausbaden müssen. Zeigt sich der Chef dennoch uneinsichtig, kann es auch schon mal vorkommen, dass die Berufsschule dann bei der Suche nach einem neuen Ausbildungsplatz unterstützt.

In einem Punkt aber sind sich die Brüder nicht einig: Probleme im Ausbildungssystem mit Blockunterricht, der oft weit weg von der Heimatstadt der Azubis stattfindet, erkennt Patrik Zimmermann. Gerade die finanzielle Unterstützung durch die Betriebe komme für den Unterricht oft zu kurz. "Wenn die Azubis drei bis vier Wochen bei uns sind und alles aus eigener Tasche zahlen müssen, haben sie am Ende ihr komplettes Gehalt aufgebraucht. Und leider übernehmen immer weniger Betriebe Fahrt- und Unterbringungskosten", erläutert er. Da wundert es nicht, dass einige Auszubildende die Ausbildung abbrechen oder sich gar nicht erst dafür entscheiden. "Betriebe müssen Anreize schaffen, auch was das Azubi-Gehalt angeht", sagt der Lehrer.

Anderer Meinung ist diesbezüglich Nils Zimmermann. Das, was hier während der Ausbildung von den meisten Jugendlichen gefordert wird, bereite sie auf das spätere Leben vor. Grund für Veränderungen sieht der Geschäftsführer daher nicht.

Duales System ist gut

Dennoch: Im Großen und Ganzen sind sich die Brüder einig, dass die meisten Betriebe ihre Azubis sehr gut ausbilden. Auch die Zusammenarbeit klappt gut. "Von schulischer Seite aus wünschen wir uns manchmal, dass vom Betrieb die Wichtigkeit der schulischen Ausbildung betont wird", fügt Patrik Zimmermann aber hinzu. Da möchte Nils Zimmermann gar nicht widersprechen: "Die Rahmenbedingungen wie Fehlzeiten durch die Berufsschule und die überbetriebliche Ausbildung werden von vielen Betrieben als Belastung empfunden. Hierzu kann ich nur sagen: lächerlich."            

Mirabell Schmidt