Baustellenversiegelungen per UV-Licht Von der Industrie abgeschaut

Mit der Aushärtung von Baustellenversiegelungen per UV-Licht könnte man die Technik der Parkettverlegung verändern. Erste Ansätze sind gemacht, Referenzobjekte entstehen. Arbeits,- Strahlen- und Gesundheitsschutz werfen allerdings Fragen auf.

© Pallmann

In der jüngsten Vergangenheit haben einige Versiegelungshersteller sich des Themas der UV-Licht­härtung von Lacken auf der Baustelle angenommen. Die Strahlenhärtung tauchte vor etwa 30 Jahren im Fertigparkettbereich auf und prägte maßgeblich dessen Erfolg. Dies, weil die Arbeitsgänge des Schleifens und Versiegelns damit bereits in der Fabrik geschahen, wie es damals in den Werbebroschüren hieß. Jetzt könnte die Strahlenhärtung zukünftig auch auf der Baustelle Karriere machen. So wie aus den anfänglich nur „wohnfertigen“ Versiegelungen für den Gebrauch im Wohn­zimmer allmählich hochabrieb-, kratz- und chemikalienfeste Lack­aufträge entwickelt wurden, wäre eine solche Erfolgsstory auch bei der handwerklichen Applikation denkbar. 

Für den erfolgreichen Einsatz sprechen eine Reihe von Faktoren, übrigens längst nicht nur bei Parkett, sondern genauso oder gar noch mehr bei elastischen Belägen. Das derzeit wohl schwerwiegendste Argument ist wohl die VOC-Armut, denn die äußerst geringen Lösemittelanteile bzw. die Lösemittelfreiheit lassen flüchtige organische Verbindungen kaum erwarten.  Echte Wirtschaftsfaktoren sind die kurzen Aushärtezeiten, die Erzeugung sehr kratzfester, chemisch beständiger Versiegelungen, die sofortige Begeh- und Nutzbarkeit und die nur geringen Auftragsmengen. Viele Argumente werden angeführt und in Ländern wie den USA scheint das System schon ein Stück weiter entwickelt zu sein. Dort sammelte man bereits in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts Erfahrungen, indem man ausgesprochen breite, kaum transportable Maschinen zur Aushärtung des UV-initiatorhaltigen Lackes auf großen Turnhallenflächen ausprobierte. Die Technik konnte sich nicht durchsetzen, findet aber in der heutigen Zeit des schnellen Austausches und der Kurzlebigkeit von Investitionsgütern neue Freunde.

Renovierung: Beide Partner profitieren

Es ist ja auch reizvoll, einem Kaufhaus, das sich aus finanziellen Gründen keine Ausfallzeiten erlauben kann, eine sofort nutzbare Versiegelung des abgeschliffenen alten Parkettbodens anzubieten. Bei Renovierungen, Umbauten und zeitkritischen Ladeneröffnungen kann das System seine Stärken voll ausspielen. Stellt man die Kosten für die Nichtnutzung den Mehrkosten für eine Baustellen-UV-Aushärtung gegenüber, können doch beide Partner nur profitieren, denn da spielt es keine Rolle, ob das Abschleifen und Versiegeln 35 oder 75 Euro kostet. Eigentlich sollten die Euroscheine nur so winken, denn die technische Machbarkeit und Gebrauchstüchtigkeit haben sich im industriellen Gebrauch längst gezeigt. Doch ganz so einfach ist die Sache nicht. Ähnlich, wie bei der industriellen Lackaushärtung mit UV-Licht der nicht sofort entdeckte Ausfall oder die Leistungsminderung einer UV-Lampe dafür ursächlich sein kann, dass einzelne Lackschichten nicht richtig trocknen oder ein typischer Geruch, der auf nicht ausgehärtete Restmonomere hindeutet, entsteht, sind solche Fälle natürlich auch auf der Baustelle denkbar. Dort sogar noch mehr, denn der klar definierte Anlagenaufbau mit den Quecksilberlampen und Reflektoren und die absolut gleich­mäßige Laufgeschwindigkeit der Transporteinrichtungen sind bei einem handwerklichen Versuchsaufbau nicht herzustellen.

Billig ist das Ganze nicht 

Ähnlich wie beim Schleifen eines Bodens benötigt man auch praktikable Handgeräte, die an Stellen, die die große Strahleneinheit nicht erreicht, eingesetzt werden. Das oben beschriebene Risiko wird damit nicht geringer und auch Arbeitsschutz, Strahlenschutz Gesundheitsschutz sind im handwerklichen Gebrauch schwerer umsetzbar. Man muss also sehen, was die Systeme zu leisten im Stande sind. Der Preis für eine solche Maschine beträgt wohl etwa 12.000 Euro, sicherlich auch nicht ganz unwichtig. Es soll bereits Anbieter geben, die über Leasingmodelle nachdenken. Schutzausrüstungen sind auch nicht umsonst.

Ganz handfeste Praxisprobleme könnte auch das Kabelmanagement bereiten, denn die Arbeit des Maschinenführers findet ja in nasser Versiegelung statt. Da nicht wie bei einer industriellen Anlage sechs bis sieben Auftrags- und Aushärtungseinheiten hin­ter­einandergeschaltet sind, sondern die jeweilige Auftragsmenge höher ist, steigt auch die Monomerkonzentration. Wie verhalten sich die Deck­lamellenverleimungen bei Bestrahlung? Noch schwieriger als das wärmeaufnahmefähige Holz dürfte es bei den elastischen Belägen und deren Klebern werden. Entstehen Spaltprodukte, setzt man auf Kombinationen von UV- Härtung inklusive physikalischer Trocknung des Lackes, wie es ein Anbieter tut. Wie baut man auf, wie stellt man die Grundierungen ein? Setzt man auf herkömmliche wässrige Systeme? Wie reagieren verschiedene Holzarten, wie inhaltsstoffreiche Exotenhölzer, wie steht es mit der Seitenverleimung? Wie schnell geht es tatsächlich? Es gibt noch eine ganze Anzahl von Fragen, weshalb die Protagonisten sich dieser mobilen Entwicklung nur schrittweise nähern.

Step by Step, das macht Sinn, denn wenn sich der Erfolg einstellen soll, müssen die Hersteller gegen alles gewappnet sein und noch mehr die Handwerker, die sich darauf einlassen. Dennoch: Skepsis gegenüber der Technik war auch in den 80er Jahren gegenüber der UV-Anlagentechnik vorhanden. Den Erfolg sieht man heute. Besonders wichtig: Lösemittel oder VOCs waren gestern oder stehen zumindest im Visier vieler Interessengruppen, die ihre Reduzierung und Vermeidung erfordern. Die vorausschauenden Rohstoff­lieferanten stehen sicherlich ebenfalls Gewehr bei Fuß. Allein schon deshalb lohnt es sich, die Augen aufzubehalten. Innovationen braucht die Branche immer. Außerdem: Gerade in der Oberflächenbehandlung setzt die Industrie immer mehr auf althergebrachte handwerkliche Systeme. Warum sollten die Handwerker da nicht auch industrielle Techniken übernehmen?

Walter Pitt walter.pitt@t-online.de