Sockelleisten im Hygienebereich erfordern vom Verleger besondere Aufmerksamkeit. Michael Rose, Sachverständiger für das Estrichlegerhandwerk, zeigt die Gefahren bei der Verlegung auf und stellt dar, wie man Fallstricke umgeht.
Perfekt bis in die letzte Ecke
Die Sockelausbildung in Hygienebereichen ist die Königsdisziplin in der Bodenverlegung. Schließlich sollen Sockelleisten oder Sockelsysteme in diesen Bereichen keine „scharfen“ Ecken, keine Ritzen oder Spalten aufweisen, flüssigkeitsdicht und leicht zu reinigen sein.
Übliche vorgefertigte Sockelsysteme werden auf den Belag aufgesetzt und dann an den Wänden befestigt. Da es keine direkte Verbindung mit dem Belag gibt, sind sie nicht wirklich dicht. Selbst wenn Belagsockelsysteme verwendet werden, die entweder aus dem Bodenbelag selbst oder aus Belag und Acrylfugen bestehen, lassen sich „ideale 90°-Ecken“ nicht gut reinigen. Deshalb müssen die Übergänge Wand-Boden auch in ihren Eckbereichen mit einem Hohlkehlsockel so ausgebildet werden, dass keine „Schmuddelecken“ entstehen. Neben der richtigen Auswahl der Werkzeuge muss auch der Untergrund besonders geprüft werden. Hierzu gehören Boden und Wände. Ebenheiten, Saugfähigkeit, Verschmutzung und Festigkeit müssen auch im Wandbereich gegeben sein. Ganz besondere Bedeutung hat die Restfeuchte des Estrichs. Nicht nur die Blasenbildung, die bei dampfdiffusionsdichten Belägen ohnehin zu Schäden führt, sondern auch der Schwindprozess muss beachtet werden. Gerade bei Zementestrichen ist es wichtig, dass das Schwinden weitestgehend abgeschlossen ist. Estrichrandabsenkungen bei Rückstellung des Zementestrichs können hier zu Schäden führen.
Tücken der Verlegung
Werden Hygienesockel ausgebildet, sollte der Estrich bei zu hoher Restfeuchte nicht einfach durch Epoxydharzsysteme abgesperrt werden. Es ist ratsam, hier objektspezifische Überlegungen anzustellen, was mit dem Überschusswasser im Estrich passieren soll. Sind auch die Wände überprüft und vorbereitet, kann die Verlegung beginnen. Diese hat allerdings so ihre Tücken. Als da wären: Kein passgenauer Anschnitt, offene Fugen, über den Belag verschmierte Fugenmasse, keine exakte Führung der Fugenfräse.
Dass solche Schadensbilder immer wieder auftreten, bedeutet, dass die Notwendigkeit der korrekten und sorgfältigen Arbeit leider nicht immer im Kopf des Verlegers verankert ist. Denn Sockel für den Hygienebereich müssen nun einmal besondere Aufmerksamkeit erfahren. Viele Belaghersteller bieten hier Hilfestellungen und Schulungen an. Je nach dem, wie intensiv die Schulungen sind, fallen hier auch Kosten an. Kosten, die sich in diesem Fall sicherlich lohnen. Denn „Lehrgeld“ muss bezahlt werden, entweder bei der Ausbildung oder bei der Mangelbeseitigung.
Für 1,50 Euro? Lächerlich!
Handwerkliche Fehlleistungen verursachen bei allen Beteiligten hohe Kosten. Alleine die Arbeitszeit, die für Dokumentationen, Stellungnahmen, Gegendarstellung, Überwachung der Mängelbeseitigung usw. verloren geht, ist Zeit, die nicht umlegbar ist. Oder doch? Wie sonst lässt es sich erklären, dass schlecht ausgebildete Arbeiter auf Baustellen von angeblich hohem Renommee versuchen, Beläge zu verlegen. Von handwerksgerechter Leistung ist häufig keine Rede.
Dass es bei den Ausführungen zu Mängeln kommen muss, steht für mich häufig schon bei der Bewertung der Angebote außer Frage. Wie etwa bei diesem hier: „Hygienesockel aus Bodenbelag herstellen, 10 x10 cm liefern und verlegen, incl. Anschluss an den Bodenbelag, mit Abspritzen des oberen Sockelabschlusses mit Arcyl, incl. Eckausbildung f.d.m 5,45 Euro + MwSt.“ Gute Schulungen sind in jedem Fall unerlässlich. Tatsache ist, dass sich ein Hygienesockel nicht für 1,50 Euro/m (reiner Lohn) befestigen lässt, wenn für eine Ecke selbst unter idealen Bedingungen, kaum unter 30 Minuten benötigt werden. Die Kosten für die Sanierung von Mängeln sind sicherlich um einiges teurer wie die entsprechenden Schulungskosten. Und Imageverluste lassen sich ohnehin fast nicht taxieren.
Einige Hersteller haben schon damit angefangen, Unternehmen, die an Schulungen teilgenommen haben, besseren Support auf Baustellen zu geben. Meiner Meinung nach Schritte in die richtige Richtung. Hersteller und Handwerker können sich so gemeinsam besser abgrenzen und Kosten sparen.
Michael Rose