Dielen schadensfrei zu verlegen, bleibt eine stetige Herausforderung. Bleibender Erfolg stellt sich aber nur ein, wenn man dieser Herausforderung mit den Mitteln des Fachhandwerks begegnet.
Nicht alles, was gefällt, ist erlaubt
Dielen liegen unvermindert im Trend. Schaut man auf Verbrauchszahlen von Holzfußböden, setzt exakt diese Produktgruppe seit Jahren immer wieder positive Akzente. Seien es Landhausdielen im mehrschichtigen Aufbau oder die massive Variante, die Zunahme der großformatigen Fußbodenbretter bleibt ungebremst. Immer größer werden auch die Abmessungen, denen nur noch die Natur Grenzen zu setzen scheint.
Schlossdielen oder raumlange Dielen, vor einigen Jahrhunderten die Entwicklung von Holzfußböden einleitend, sind gefragter denn je. Doch nicht alles funktioniert. Deckten zunächst vorrangig die Nadelhölzer Kiefer, Lärche, Fichte oder Tanne dieses Fußbodensegment ab, dominiert heute ganz eindeutig die Eiche und zwar noch beherrschender als beim Parkett. In zahllosen Variationen wie rustikal oder einheitlich sortiert, geräuchert oder thermobehandelt, in Weiß, und Grau, in unterschiedlichsten Brauntönen eingefärbt, antiquiert, gedämpft, gebürstet, gefast, handbehauen oder sägerau liegt sie auf dem Boden. Die Klaviatur der Bearbeitungsmöglichkeiten wird rauf und runtergespielt.
Doch nicht alles funktioniert. Einige Beispiele: Dünn und breit ist Mode, der Fachmann spricht vom Schlankheitsgrad bzw. dem Verhältnis von Dicke und Breite, und bemerkt, dass es bei den massiven Varianten längst nicht immer stimmt. „Dünner als der Verstand erlaubt“, hatten wir eine technische Auseinandersetzung mit diesem Thema in einem der vorigen Ausgaben etwas provokant überschrieben, denn es hat den Anschein, als würden die Gesetze des Holzes bedenkenlos ausgehebelt. Dabei ist der Rohstoff über die Jahrhunderte unverändert geblieben und somit auch Eigenschaften.
Wo Formate an ihre Grenzen stoßen
Massive Dielen werden zweifelsfrei auch in Zukunft nicht schadensfrei auf dem Boden liegen bleiben, wenn sie schwimmend verlegt werden und Elemente von 21 cm Breite und 14 mm Dicke werden sich weiterhin deutlich mehr verformen als 20 mm starke bei ansonsten gleichen Dimensionen. Deshalb sollte jeder bodenlegende Handwerker die Grenzen der Dimensionsstabilität kennen. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass das Verhältnis von Breite und Dicke kleiner als 7 : 1 sein sollte.
Auch ein Thema: Immer wieder wird unwissentlich pilzbefallenes Holz verlegt. Und wurmstichiges Holz wird an den Mann gebracht, weil es im Trend liegt. Wenn die Löcher dem Zahnarztbohrer oder der Schrottflinte entstammen, mag’s ja noch gehen. Ansonsten ist Vorsicht geboten. Denn die einschlägigen Normen lassen in den einheitlicheren Sortierungsklassen Schädlingsbefall nicht zu. Selbst bei den rustikaleren Varianten erlauben sie lediglich Bläue oder schwarze Fraßgänge, Nadelhölzer nicht ausgenommen, aber entsprechend eingeordnet. Man hat nicht nur die Optik im Auge, sondern auch die Technik. Funktionieren muss der Boden, das ist die Maxime derjenigen, die die Anforderungen formulieren.
Bei den unreglementierten Altholzdielen, also Dielen, deren Holz bereits ein langes Leben als Dachbalken, Whiskeyfass oder gar in einem der fünf großen Seen von Nordamerika hinter sich hat, ist echter Wurmstich zweifellos möglich und authentisch. Jeder, der beim Trödler einmal günstig ein antikes Möbelstück erworben hat und frisches Bohrmehl entdeckt, kennt die Unsicherheit. Lebt der nicht identifizierbare Verursacher noch oder ist er tot? Diese Frage vorher mit dem Lieferanten abzuklopfen, ist für den Verarbeiter geboten.
Das Thema Hohlstellen bleibt ein Dauerbrenner. Es gibt immer wieder Probleme mit Dielen, speziell bei großen Formaten, wobei zwei- bzw. mehrschichtige Elemente keinesfalls eine Ausnahme machen. Im Gegenteil, die Anforderungen an die Ebenheit sind auch dort ausgesprochen hoch und das Beschweren im Zuge der Verlegung sollte ohnehin Standard sein.
Möglichkeiten zur Sanierung überschätzt
Allerdings: Das Handwerk verfügt in der praxisüblichen Arbeit nicht über die Mittel, einen komplett hohlstellenfreien Boden herzustellen. Die Argumente kennt jeder, der sich professionell damit befasst. Bisweilen wird aber der erzielbare Erfolg einer Sanierung mittels Bohrlochinjektion überschätzt, oft zum Unwillen des Kunden, der „keinen durchsiebten Boden“ tolerieren will.
Auch technisch sind der Reparatur einer unfachgerechten Verbindung von Dielen und Unterboden Grenzen gesetzt, weil das Ergebnis der „unsichtbaren“ Arbeit nur ungenügend einzuschätzen ist. In diesem Falle könnte Wurmstich, sei er echt oder künstlich erzeugt, dem Sanierer entgegenkommen - denn wer sieht in einem derart rustikalen Boden schon die Spuren des Aufbohrens. Dieser nicht ganz ernst gemeinte Hinweis soll lediglich die spätere sachverständige Beurteilung einer solchen Maßnahme einzuordnen helfen.
Und auch das Thema Äste und Risse wird beim Einsatz von tangential angeschnittenen Dielen, speziell bei alten bzw. auf alt getrimmten, recht großzügig gehandhabt. Vorsicht ist geboten, denn die potenzielle Verletzungsgefahr ist auf großformatigen Nadelholzelementen allemal größer als auf einem kleindimensionierten Parkett.
Von der Hobeldiele zur Nobeldiele hatten wir vor vielen Jahren getitelt, um den Wandel vom traditionellen Fichte-/Tannenboden, der auch als der „Fußboden des kleinen Mannes“ bezeichnet wurde, zum Bodenbelag der Extraklasse zu beschreiben. Ob sich dieser Trend wieder umkehrt?
So düster, wie die Entwicklung der Dielen beschrieben wird, ist sie keinesfalls. Ganz im Gegenteil: Die Diele lebt in ihrer ganzen Natürlichkeit, Langlebigkeit, Robustheit, Hochwertigkeit, Individualität und Ausstrahlung. Und der Kunde verlangt danach. Die großformatigen, charakteristischen Holzelemente unterstreichen den aktuellen, zuweilen etwas puristischen Einrichtungsstil derzeit wie kein anderer Fußboden. Und noch mehr: Sie sind zum größten und wichtigsten und endlich auch nicht mehr billigstem Möbel des Interieurs geworden.
Ob im Wohnbereich, im Hotel, im Büro, in der Szenekneipe, im Museum oder Foyer von Veranstaltungszentren - die Diele hat sich mittlerweile alle Anwendungsbereiche erobert. Sie prägen zudem die unendlich vielen Ladenzeilen der weltweiten Shoppingmalls häufig mit einheimischen Holzarten. Diese Vielfältigkeit ist ein unschlagbares Argument, das die Echtheit und natürliche Bodenhaftung unterstreicht. Dielen schreiben eine einzigartige Erfolgsgeschichte, was nicht zuletzt dadurch bewiesen wird, dass sämtliche Wettbewerbsbeläge auf die Optik eines großformatigen Holzfußbodens setzen. Da machen weder Laminat- noch Design- oder gar Korkbodenhersteller eine Ausnahme.
Wenn die Holzdiele und auch ihrer Verarbeiter weiterhin auf ihre ureigenen Stärken setzen, kann die scheinbare Konkurrenz nur recht sein. Von dieser lässt sich sogar profitieren, denn das Original wird auch in 100 Jahren noch eindeutig besser sein als jede Kopie.
Und ganz wichtig für den Handwerker: Damit kann man Geld verdienen, denn die Marge eines exklusiv auf den Boden gebrachten, auf vielfältige Weise bearbeiteten Dielenbodens ist allemal höher als bei einem Dreistabfertigparkett. Walter Pitt
walter.pitt@online.de