Gemäß der Schadenshäufigkeit werden heute eine Vielzahl Produkte zur Risssanierung angeboten. boden wand decke sagt Ihnen, was die verschiedenen Hilfsmittel können und wo Sie aufpassen müssen.
Hilfsmittel und Fehlerquellen
Je nach Ausgangssituation ist zunächst ein geeignetes Füllmaterial auszuwählen. In den zusätzlichen technischen Vertragsbedingungen und Richtlinien für Ingenieurbauten (ZTV-ING), Teil 3 „Massivbau“, Abschnitt 5 „Füllen von Rissen und Hohlräumen von Betonbauteilen“, werden die folgenden Materialien für das Schließen von Rissen aufgeführt:
◊Epoxidharz (EP),
◊Zementsuspension (ZS) oder Zementleim (ZL)
◊Polyurethan (PUR),
◊Methylmenthanharze (PMMA),
◊Polyesterharze (UP).
Epoxid- sowie Polyurethanharze eignen sich sehr gut als Vergussmasse, sie härten fast „schwindfrei“ aus. Deshalb werden Polyurethanharze immer häufiger am Bau eingesetzt. Bei Trennrissen und oberflächennahen Rissen ist Epoxidharz geeignet, wobei der Rissverlauf beliebig sein kann.
Die Mindestrissbreite beträgt jedoch 0,10 Millimeter.
◊ Epoxidharze sind kalt härtende, niedrigviskose Kunststoffe, welche zweikomponentig in unverwechselbarer, aufeinander abgestimmter Verpackungsform auf die Baustelle kommen. Sie härten zu hartspröden Stoffen aus, sind nicht wasserverträglich und verbinden so nur trockene Rissflanken kraftschlüssig.
◊ Zementleim/-suspension: Ebenso haben zementgebundene Füllgüter als begrenzt kraftschlüssige, starre Verbindung seit einigen Jahren an Bedeutung gewonnen. Modifizierte Zementleime sowie neuartige Zementsuspensionen werden zwei- und dreikomponentig angeboten. Pulverkomponenten müssen feindispers in der Flüssigkeit verteilt werden und dürfen sich nicht zu Agglomeraten zusammenschließen. Dies erfordert viel Mischenergie und ausreichend lange Mischdauer.
Misch- und Aufbereitungsprinzipien können recht unterschiedlich sein. Verwendet werden Dispergierscheibe, Kolloidalmischer oder normales Rührwerk in Verbindung mit Umwälzvorgängen. Wichtig ist die Abstimmung von Rührwerk, Misch- und Umwälzdauer, Mischgeschwindigkeit sowie Volumenmenge der aufzubereitenden Gebindeeinheiten. Aufgrund Verformungsverhalten sowie Festigkeitseigenschaften sind die zementgebundenen Füllgüter bevorzugt beim Verfestigen hohlraumreicher Betone oder poröser Mörtelgefüge in den ausgelaugten Bauteilen von Altbauten in Gebrauch.
◊ Polyurethane: Aus der breit gefächerten Palette der Polyurethane sind für das Schließen, Abdichten und begrenzt dehnfähige Verbinden von Rissflanken weichelastische Harze relevant. Gerade für die Risssanierung von Gussasphaltestrichen werden Polyurethane eingesetzt. Grundsätzlich ist vorher zu prüfen, ob der vorhandene Estrich eine ausreichende Härte besitzt. Nur so ist eine sichere Sanierung gewährleistet. Trifft dies nicht zu, muss er entfernt werden.
Zusätzliche, verfestigende Maßnahmen wie das Aufbringen niedrigviskoser Epoxidharzsysteme sind technisch machbar, jedoch wirtschaftlich unrentabel. Die zu sanierenden Flächen müssen vor jedem Arbeitsgang druck- und zugfest, tragfähig sowie frei von Staub und Trennmitteln sein. Mit Fliesen-, Parkett- oder Teppichkleber sollten Risse freilich nicht einfach zugekleistert werden. Sie müssen vielmehr fachgerecht und „kraftschlüssig“ geschlossen werden, damit nicht eines Tages auch der Oberbelag Risse zeigt
Geschlitzt und genäht
Hierfür wird zunächst der Riss der Länge nach mit einer Trennscheibe bis zu einem Drittel beziehungsweise der Hälfte der Estrichdicke eingeschnitten. Ferner ist es gerade bei gegenläufiger Bewegung der einzelnen Estrichschollen nötig, quer zur Rissrichtung im Abstand von 20 bis 30 Zentimeter und in einer Länge von etwa zehn Zentimeter ebenfalls Schlitze in der Estrichkonstruktion in einer Tiefe von einem Drittel bis der Hälfte der Estrichdicke mit einer Trennscheibe herzustellen. Der ganze Rissbereich ist anschließend mit einem leistungsfähigen Industriesauger auszusaugen. Das Rissfüllmaterial wie Polyurethan oder Epoxidharz ist zweikomponentig und daher nach Herstellervorgaben anzumischen sowie in voller Tiefe in die Rissfugen einzufüllen.
In das frische, noch flüssige Rissfüllmaterial werden Estrichklammern eingelegt. Der Riss wird also bei Bedarf „vernäht“. Gegebenenfalls überschüssiges Rissfüllmaterial ist zu entfernen und die Oberfläche vollsatt mit ofengetrocknetem Quarzsand abzustreuen. Nach Erhärtung des Rissfüllmaterials wird der überschüssige Quarzsand entfernt, die nachfolgenden Oberbodenbelagarbeiten werden fortgesetzt. Der Estrichhersteller vermag durch entsprechende Sanierungsarbeiten Rissbildungen sachgerecht zu beseitigen, um eine einwandfreie Beschaffenheit des Estrichs zu gewährleisten.
In Sonderfällen kommen schließlich Methylmenthan- und Polyesterharze zur Anwendung, um einen Estrich rissfrei übergeben zu können.
Sind die Sanierungsarbeiten ausgeführt, muss der Auftragnehmer für Oberbodenbelagarbeiten prüfen, ob eine schadensfreie Verlegung der Oberbodenbeläge möglich ist. Der vorgefundene Sachverhalt sollte schriftlich dem Auftraggeber mitgeteilt werden – unter Hinweis darauf, dass Rissbildungen nach der Belagverlegung auch dann nicht in die Gewährleistungspflicht des Auftragnehmers für Oberbodenbelagarbeiten fallen, wenn sie dessen Oberfläche beeinträchtigen.
Besondere Sorgfalt verlangt eine Risssanierung bei beheizten Fußbodenkonstruktionen. Die Heizleitungen im Estrich sollten vorher vom Auftraggeber mit Spezialortungsgeräten festgestellt und auf Lage und Tiefe markiert werden. Erst dann können die Risse saniert werden. Der Riss wird im Bereich der Leitungen vorsichtig erweitert und mit dem Risssanierungsmaterial vergossen. Dieses Vergießen mit Reaktionsharzsystemen gilt als einfachste Methode zur Sanierung und hat sich in der Praxis bewährt. Fehler gibt es dennoch; die häufigsten sind:
◊ungenügende Säuberung der Rissflanken etwa von Staub,
◊falsches Dosieren des Harzes sowie der Härterkomponente der Vergussmasse (Aushärtung ungenügend),
◊ungenügende Benetzung der Rissflanken mit der Vergussmasse (unzureichender Verbund),
◊fehlender Schutz vor Höhenversatz (erneute Rissbildung),
◊ungenügende Abstreuung mit Quarzfeinsand (Haftgrund für eine Spachtelmasse oder den Kleber fehlt).
Oft übersehen, weil viel zu selten geprüft wird die Restfeuchte des Estrichs. Wenn ein Riss zu früh verharzt wird, sind die Schwindprozesse in einem Zementestrich noch nicht abgeschlossen. Weitere Spannungen und eine abermalige Rissbildung sind die Folge.
Interpretiert der Oberbodenleger die bereits verharzten Fugen (Tagesansatz- oder Scheinfugen) als verlegereifen Untergrund, droht aus einem kleinen Riss durch ein solches Missverständnis ein folgenschwerer Feuchteschaden am Bodenbelag zu werden. Denn der Oberbodenleger ist nicht von seiner Pflicht einer Restfeuchtemessung am Estrich entbunden, weil er verharzte Risse vorfindet. Sollte der Estrich nicht belegreif sein, hat er in seinem eigenen Interesse Bedenken anzumelden.
Bei fachgerechter Sanierung von Estrichrissen liegt eine Wertminderung seitens des Estrichs nicht vor. Die verharzten Estrichbereiche weisen meistens eine höhere Tragfähigkeit als die restliche Estrichfläche auf. Allerdings sind in dem Fall Zugeständnisse berechtigt, wenn der Bauherr optische Anforderungen an die Estrichfläche schon vor der Verlegung äußerte; Beispiel: In einem Ausstellungsraum ist eine unmittelbare Nutzung der Oberfläche ohne einen Belag geplant. Bei Lagerhallen, Garagen oder anderen Fällen direkt genutzten Estrichs ist situationsabhängig zu entscheiden.
Ursachen für Rissbildungen bei Verbundestrichen: Viele Faktoren sind für Rissbildungen ursächlich, so dass diese auch bei ordnungsgemäßer Herstellung im Grundsatz nicht auszuschließen sind. Es ist in jedem Estrich eine große Zahl Mikrorisse vorhanden, die ohne Hilfsmittel nicht sichtbar sind sowie den Estrich in der Funktionsfähigkeit nicht einschränken. Daher sind Risse nicht per se als ein Mangel zu bewerten. So gelten in Verbundestrichen Risse ab einer gewissen Breite dann als Mangel, wenn sie mit Hohlstellen einhergehen.
Zunächst ist festzustellen, ob es sich dabei um Krakeleerisse handelt, welche nur an der Oberfläche vorhanden sind. Diese brauchen bis zu einem gewissen Ausmaß in der Regel nicht saniert zu werden, wenn sie der geplanten Nutzung nicht entgegenstehen.
Handelt es sich um durchgehende Risse (meist zirka 0,3 Millimeter breit), sollte man den Estrich freilich schon auf etwaige Hohlstellen abklopfen. Sind die nicht erkennbar, muss der Estrich nur dann verharzt werden, wenn die Nutzung durch die Risse gefährdet ist. Im Außenbereich könnte Wasser in den Spalt eindringen, im Winter also zu Frostschäden führen. Liegen freilich Hohlstellen vor, ist in dem Bereich die Estrichkonstruktion zu verpressen. Wenn die Hohlstelle so neutralisiert wurde, sollten Risse fachgerecht verharzt werden. Risse ohne Hohlstellen sind also oft nicht sanierungsbedürftig.
Im Umkehrschluss müssen in der Regel auch solche Hohlstellen saniert werden, die ohne Risse auftreten; selbst wenn der Estrich in der Lage ist, vorhandene Lasten schadensfrei aufzunehmen und planungsgemäß genutzt werden kann. Bei Rissen ohne Hohlstellen ist fraglich, ob diese aus dem Untergrund kommen können. Es handelt sich oft um in der Rohbetonplatte vorhandene Risse oder Fugen, die einfach mit Verbundestrich überarbeitet wurden.
Risse in sehr dicken Verbundestrichen: Zementäre Verbundestrichsysteme neigen ähnlich wie schwimmende Zementestriche auch zum Schwinden. Doch durchlaufen Verbundestrichsysteme durch die feste Verbindung zum Untergrund nicht die gleichen Formveränderungen wie schwimmende Systeme oder Systeme auf Trennschicht. Ist etwa durch ungenügende Oberflächenvorbereitung oder Verzicht auf eine Haftbrücke die Haftung des Estrichsystems zum Untergrund zu gering, löst sich der Verbundestrich teilweise vom Untergrund ab und zeigt gewisse Formveränderungen durch Schwindprozesse. Dies führt häufig zu Hohlstellen und Rissen in der Estrichplatte.
Ist die Haftung freilich gut, kann sich der Estrich durch die feste Verbindung an seiner Unterseite nur in dem Maß verändern wie dies der Rohbeton zulässt. Selbst junge Betonplatten schwinden lange nach.
Nicht zu dick auftragen
Feine Haarrisse oder Risse in Verbundestrichkonstruktionen werden meist erst sichtbar, wenn die Oberfläche etwa durch Kugelstrahlen weiterbehandelt wird. Dadurch kommt es zu einer Aufweitung der Risskanten. Die sich bildenden Spannungen und auch die Rissbreiten fallen umso größer aus, je dicker der Verbundestrich ist. Das lässt sich schon allein durch den stark divergierenden Trocknungsgradienten in der Konstruktion erklären. Gleichzeitig ist das ein Grund dafür, dass die maximale Dicke für zementäre Verbundsysteme 50 Millimeter beträgt. Muss die Estrichdicke zwingend 50 Millimeter überschreiten, sind eine zweischichtige Konstruktion oder die Betonausgleichsschicht Alternativen. Baustellenestriche werden gemeinhin mit einer Gesteinskörnung von bis zu acht Millimeter hergestellt. Nach betontechnischen Gesichtspunkten hergestellte Estriche haben meist Gesteinskörnungen bis 16 Millimeter und werden intensiv verflüssigt. Es muss aber darauf hingewiesen werden, dass die Herstellung extrem dicker Verbundestriche mit Risiken verbunden ist und von der Norm nicht grundsätzlich abgedeckt wird. Es handelt sich dabei um eine Sonderkonstruktion, die mit dem Bauherrn extra zu vereinbaren ist.
Sanierungsmöglichkeiten: Ursachen für Risse in Estrichkonstruktionen können etwa Überlastung oder Schwindrisse sein. Es muss immer erst ermittelt werden, was im vorliegenden Fall für den Riss verantwortlich ist.
Liegt die Ursache unterhalb der Estrichkonstruktion (Dämmung) oder hat die Estrichkonstruktion nicht die ausreichende Tragfähigkeit? Dann ist die Totalsanierung unumgänglich. Wenn nur vereinzelte Risse bei gleichzeitig intakter Dämmung und gewährleisteter Tragfähigkeit vorliegen, sind diese bei mineralischen Estrichkonstruktionen wie Calciumsulfat- oder Zementestrichen kraftschlüssig durch Kunstharzmaterial zu schließen. Die Quervernadelung ist bei gegenläufigen Bewegungen der Estrichscheiben notwendig. Ist allerdings die Anzahl der Risse innerhalb der Estrichkonstruktion derart hoch, dass ein kraftschlüssiges Schließen nicht mehr wirtschaftlich ist, so sollte nicht in jedem Fall die gesamte Estrichkonstruktion herausgerissen werden. Denn auch dann bietet der Markt Alternativen.Ralf Marth ralf.marth@freenet.de