Die Heimtextil punktete auch in diesem Jahr mit ihrer hohen Internationalität an Ausstellern und Besuchern. Die Beurteilung des Hochwertkonzeptes „More“ fällt unterschiedlich aus. Die Heimtextilienbranche rechnet für 2008 mit stärkerer Nachfrage.

Positive Konjunktursignale spürbar
„Die Kundengespräche auf der Messe waren geprägt von hoher Qualität“ – in diesem Punkt sind sich alle von bwd befragten Aussteller einig. Anders dagegen die Quantität, da gingen die Meinungen auseinander. Während die Messegesellschaft für die Heimtextil 2008 mit 86.378 Besuchern einen leichten Zuwachs bilanziert (2007: 35.824), äußerten sich manche Aussteller dazu etwas verhaltener. Von gleichbleibenden Kontakten bzw. leichten Rückgängen ist da eher die Rede. So sieht Vorwerk-Marketingleiter Dr. Gregor Treptow hier noch Potential, obwohl die Resonanz am Stand besser war als im vergangenen Jahr – und das trotz der etwas unglücklichen Seitenlage in Halle 3.1. Als einziger Teppichbodenproduzent auf weiter Flur – mal abgesehen von den Anbietern abgepasster Teppiche – hat Vorwerk die Besucher mit zwei Luxusthemen überrascht: der Designerkollektion von Ulf Moritz und die neue Kollektion Elemento, die sehr hochwertige, abgepasste Teppiche in einem interessanten Look beinhaltet. „Wir haben mit Elemento eine neue Dimension erklommen“, sagt Treptow und meint damit nicht nur den hohen Pol von 4,5 Zentimeter, in dem die Besucher voller Freude mit den Händen „rumgewuschelt“ haben. Mit diesen beiden Luxuskollektionen positioniert sich Vorwerk voll und ganz im Hochwert- und Hochpreissegment.
Apropos: Das neue Hochwertkonzept, das die Messe Frankfurt unter dem Motto „More“ verschiedenen Produktgruppen verordnet hat, wurde unterschiedlich beurteilt. „Die Heimtextil 2008 stellte den Anbieter von Hochwertprodukten für die Präsentation ihrer Produkte mit dem Konzept „More“ den entsprechenden konzeptionellen Rahmen zur Verfügung. Dieser wurde von den Ausstellern stark nachgefragt und gern genutzt“, sagt Hans-Joachim Schilgen, Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Heimtextilien-Industrie, und hofft, dass der Handel die Wertigkeit der gezeigten Produkte verstanden hat und in der Lage ist, „hochwert“ zu argumentieren und zu verkaufen. Drapilux-Verkaufsleiter Bernd Möller dagegen meint, dass das neue Hochwertkonzept der Messe nicht konstant umgesetzt wurde und deshalb nur ansatzweise gelungen ist. Da heißt es, die Ärmel hochkrempeln, denn die Messekonkurrenz aus Paris schläft nicht.
Die Internationalität der Heimtextil dagegen ist mit 55.476 ausländischen Besuchern (64 Prozent) und 2.376 ausländischen Ausstellern (84 Prozent) ungebrochen hoch. Das bestätigt auch Schilgen: „Einmalig im Bereich Heimtextilien sind dieser hohe Internationalitätsgrad und die damit verbundenen Chancen für das Exportgeschäft.“ Schließlich wurden in den vergangenen Jahren die Umsatzzuwächse bei Heimtextilien nahezu ausschließlich im Ausland generiert – bis auf 2007. Einschließlich November entwickelte sich der Exportumsatz der deutschen Heimtextilien-Industrie letztes Jahr um 1,5 Prozent rückläufig. Im Inland waren die Nachfrageschwächen mit minus 2,1 Prozent noch etwas deutlicher. Der Exportanteil blieb 2007 mit 29,9 Prozent stabil. Durch die Globalisierung ist der Wettbewerb auf den internationalen Märkten generell härter geworden. „Made in Germany“ ist zwar immer noch wichtig, aber längst kein Freifahrtschein mehr für den Erfolg im Ausland.
Für 2008 optimistisch
Insgesamt betrachtet verlief das Jahr 2007 für die deutsche Heimtextilien-Industrie ohne Höhen und Tiefen. Die vielfach prognostizierte Trendwende trat nicht ein. Während das 1. Halbjahr mit einem Umsatzrückgang von 5,1 Prozent endete, besserte sich mit Beginn der 2. Jahreshälfte die Situation. Per Ende November lag der Industrieumsatz um 1,9 Prozent unter dem Vorjahreswert. Für dieses Jahr ist die Branche – das zeigten auch viele Gespräche auf der Messe – optimistisch. Denn das reale Bruttoeinkommen soll 2008 um 1,8 Prozent wachsen. Neu dabei ist, dass sich dieses Wachstum bedingt durch die zunehmende Beschäftigung wieder deutlich stärker aus dem Zuwachs an Kaufkraft generiert und nicht mehr so stark aus der Investitionstätigkeit. Es wird ein Anstieg des privaten Konsums um 1,5 Prozent erwartet, was grundsätzlich eine gute Chance für die Nachfrageentwicklung der Heimtextilien im Inland ist.
Shopkonzepte gefielen
Dass von der Heimtextil wichtige Impulse für das Geschäft mit Heimtextilien ausgehen, ist unbestritten. So war für Hubertus Nocker von der Decor-Union die Heimtextil 2008 „von der Breite und Qualität des Angebots her die beste seit Jahren“. Jürgen Dax, Bundesverband des Deutschen Textileinzelhandels (BTE), hebt insbesondere das Angebot an Dekostoffen für die Wohneinrichtung hervor und bewertet den von der Heimtextil erstmals gebotenen Ansatz als inspirierend, Haustextil-Shopkonzepte für den Handel zu thematisieren.
Shopkonzepte haben aber auch die Sonnenschutzhersteller gezeigt. Kadeco beispielsweise hat sich mit einem völlig neuen Messestand in Form eines Verkaufs-shops präsentiert, der „von der Kundschaft ausgeprochen gut angenommen wurde“, sagt Verkaufsleiter Ralf Rosemuck. Eine Überraschung für Kadeco-Kunden war auch die neue Stoffkollektion für Faltrollos und Flächenvorhänge, „die als stimmige und überzeugende Komposition beurteilt wurde“, sagt Rosemuck, der dem Nachmessegeschäft trotz gleichbleibender Besucherzahlen sehr positiv entgegensieht.
Aber auch Teba überzeugte mit seinem von Emotion geprägten Standkonzept, das gleichzeitig das Premium-Shop-in-Shop-Konzept „Teba Galerie“ sowie „Teba Shop“ darstellte. „Wir haben schon sehr viele Shopsysteme im Handel umgesetzt und die Messe brachte diesbezüglich nochmals einen Aufschwung“, sagt Marketingleiter Peter Mittelsteiner, der sich über einen Umsatzrekord im Geschäftsjahr 2007 freut. Neben der neuen Rollokollektion überraschte der Sonnenschutzspezialist mit der neuen XXL-Lamelle, deren wendbare Stoffbahnen in 250 Millimeter Breite erhältlich sind. „Hier erwartet der Handel eine Abverkaufsmöglichkeit im privaten Bereich, da die breiten Lamellen ohne Fußketten und in einer warmen Stoffauswahl sehr viel wohnlicher wirken“, sagt Mittelsteiner.
MHZ hatte ebenfalls eine 250-Millimeter-Lamelle im Neuheitenkoffer. Als pfiffige Lösung präsentierte sich aber auch Areo, eine neue, einfach zu bedienende Raffrollokollektion, deren Gewebe problemlos gewaschen werden können. Mit Horizontaljalousien aus Holz, Roll-ups und Faltrollos aus natürlichem Gewebe stellte MHZ das Thema Natur in den Vordergrund. Vertriebsleiter Martin Bork geht aufgrund der guten Messekontakte (auch zunehmend aus dem Ausland) sehr optimistisch ins Jahr 2008 und hofft, das zweistellige Umsatzwachstum vom vergangenen Jahr wieder erreichen zu können. Hunter Douglas präsentierte auf der Heimtextil vier neue Kollektionen (Plissee, Duette, Vertikallamellen, Rollo-Projektstoff). Außerdem wurde die Aufmachung der Kollektionsbücher komplett neu gestaltet. Hunter Douglas hofft, damit die erfolg-reichen Beziehungen mit europäischen Kunden weiter ausbauen zu können.
Fragt man nach Trends hinsichtlich Farben und Dessinierungen, ist eine Antwort schon seit Jahren nicht mehr klar definierbar. Denn durch die Unterteilung in Stilwelten und die Bemühungen der Anbieter, alle Kundenwünsche bedienen zu können, verfügt jedes Unternehmen über ein umfangreiches, vielfältiges Sortiment. In diesem Jahr jedoch stachen besonders transparente Waren hervor sowie frische, helle Farben oder warme Farbtöne wie Kaffee, Latte macchiato bis hin zu satten Farbtönen in Rot und Aubergine. Außerdem war eine Tendenz hin zu Weiß erkennbar, „als Nichtfarbe verstanden und bevorzugt mit „Spielfarben“ kombiniert. Bunt gewebte Stoffe mit Karos und Streifen werden weiterhin stark nachgefragt, zu Lasten von Druckstoffen und floralen Dessins“, sagt Drapilux-Verkaufsleiter Bernd Möller.
Insgesamt gesehen gab es ein buntes Potpourri an Neuheiten, die vom Handel mit Begeisterung aufgenommen wurden. Mal sehen, was er daraus macht. Freuen wir uns also auf ein spannendes Jahr 2008. Conny Salzgeber
conny.salzgeber@holzmannverlag.de