Auswirkungen hängen von Unternehmensgröße ab
Wie wirkt sich die Finanzkrise auf die Bodenbelagbranche und die Unternehmer im Handwerk aus?
Es wird Auswirkungen geben. Art und Umfang hängen von der Unternehmensgröße und den jeweiligen Schwerpunkten ab. Handwerksunternehmen, die als Zielgruppe mehr den Endverbraucher und die Renovierung im Auge haben, werden Rückgänge in Nachfrage und Umsatz verzeichnen, die überschaubar bleiben sollten. Für sie wird es darauf ankommen, durch zielgerichtete Kundenansprache, Qualität und Zuverlässigkeit die Auswirkungen abzudämpfen. Unternehmen, die eher objektorientiert arbeiten, dürften zwar mit regionalen Unterschieden, dann aber doch spürbare Auswirkungen des geänderten Investitionsverhaltens verzeichnen. Größere Neubauprojekte für gewerbliche Nutzer werden in geringerem Umfang aufgelegt werden. Die Investitionstätigkeit seitens Immobiliengesellschaften/-fonds wird zurückgehen, ebenso die Nachfrage nach neuen Büroflächen. Das wirkt sich auf die Instandsetzung von Büroimmobilien aus. Unternehmen, die nicht in neu erbaute Objekte umziehen, hinterlassen keine frei gewordenen Flächen in Bestandsgebäuden. Diese Kettenreaktion dürfte zeitverzögert bei allen Handwerkern ankommen. Denn dass Objekte, die sich in der Realisierungsphase befinden, zu Investitionsruinen werden, ist nicht anzunehmen. Werden diese Bauvorhaben 2009 fertig gestellt sein, dürfte die Luft allerdings dünn werden.
In der jetzigen Situation – lieber sparen oder investieren? Warum?
Prinzipiell sind im Handwerk umsichtiges Sparen, kritisches Überprüfen der Fixkosten und sorgfältiges Planen angesagt. Investitionen, die nicht zwingend erforderlich oder für die momentane Umsatzprognose entbehrlich sind, würde ich verschieben. Anders verhält es sich, wenn es um eine konzeptionelle Veränderung der Unternehmensstruktur oder Strategie geht. Ist die Modernisierung von Verkaufsräumen oder Werkstätten dringend nötig, könnte die jetzige Situation die Chance bieten, sich durch Veränderungen neu aufzustellen und im Markt zu profilieren. Tiefpunkte nicht selten die Startlinie für einen Aufstieg markiert.
Wie können sich Handwerker in einem schwieriger werdenden Marktumfeld vom Wettbewerb absetzen?
Selbstständige Handwerker sollten tun, was auch ohne Krise und prognostizierte Umsatzrückgänge anzuraten gewesen wäre. Novellierung der Handwerksordnung und Wegfall des Meisterzwangs haben zur erheblichen Verschlechterung der Qualität geführt. Sachverständige leben sehr gut davon, denn miserabel erbrachte Leistungen lösen oft Beweisverfahren und Prozesse aus. Nur eine betriebsinterne Qualitätsoffensive mit höheren Deckungsbeiträgen und nachhaltiger Kundenbindung hilft. Wichtiger als der Umsatz ist der Kunde, der uns einen profitablen Auftrag ins Haus bringt, den wir zufrieden stellen konnten und der pünktlich zahlt.
