Die Versiegelung von Exotenhölzern bleibt eine Herausforderung, die sich nur mit ausreichend Know-how meistern lässt. Bernd Kuttler, Anwendungstechniker bei Eukula, weiß, worauf es beim Oberflächenbehandeln von Exoten ankommt.
Die schwierigen Schönen
Wer Unterstützung beim Versiegeln von Exotenhölzern braucht, sollte nicht zögern, sich an Versiegelungshersteller zu wenden, bot Bernd Kuttler gleich zu Beginn seines Vortrags auf der Estrich Parkett Fliese (EPF) in Feuchtwangen an. Der Eukula-Anwendungstechniker setzte sich dort mit der Oberflächenbehandlung von Exotenhölzern auseinander.
Kuttler gab zunächst einen Überblick über die Entwicklung der Hölzer aus tropischen Regionen auf dem deutschen Parkettmarkt. Nach dem Klassiker wie Mahagoni, Palisander, Rosenholz oder Makassar bereits eine jahrhundertealte Tradition als Farbhölzer in Intarsien- oder Schmuckfußböden hatten, stieg vor allem Anfang der 70er Jahre der Bedarf nach Exoten auch im Wohnbereich an. Allen voran kamen die afrikanischen Herkünfte wie Wengé, Panga-Panga, Missanda, Mecrusse, Muhuhu, Afrormosia oder zunehmend Doussie zum Einsatz. Die Nachfrage ebte dann ab, um etwa um die Jahrtausendwende wieder anzusteigen. Viele südamerikanische Holzarten wie Ipé/Lapacho, Jatoba oder Muiracatiara bzw. südostasiatische wie Merbau, Teak oder der technisch dem Holz nahe verwandte Bambus erweiterten die riesige Farbpalette der Exotenhölzer.
In den vergangenen Jahren war es auch aufgrund der verbesserten Möglichkeiten des Einfärbens von Holz, thermisch behandelter und auch geräucherter Varianten sowie der Übermacht der Eiche wieder etwas ruhiger geworden, was sicherlich auch mit Fragen des Umweltschutzes und der Zertifizierung a la FSC oder PEFC zu tun hat. Dennoch, die Oberflächenbehandlung von tropischen Holzarten bleibt weiterhin ein nicht unproblematisches Thema, mit dem sich speziell die Versiegelungshersteller wie Eukula immer wieder auseinandersetzen.
Insbesondere die gegenüber einheimischen Hölzern viel reichhaltigeren Inhaltsstoffe wie Öle, Fette, Harze, Stärke, Mineralien oder auch Geruchsstoffe (erkennbar zum Beispiel beim Schleifen) sind zu beachten, sagte Kuttler. Nicht nur, dass sie selbst sehr uneinheitlich sind, es kommt auch hinzu, dass sie in ihrem Gehalt innerhalb des Baumes nicht gleichmäßig verteilt sind. Das führt wiederum dazu, dass bei einer Partie Parkett eventuell Trocknungsverzögerungen von Lacken auftreten, während bei einer anderen Lieferung keine Probleme entstehen.
Am besten vorher testen
Weil darüber hinaus die Vielfalt der Holzarten außerordentlich groß ist, die ihrerseits zum Teil völlig verschiedene Eigenschaften aufweisen, empfahl Kuttler, sich im Zweifelsfalle bei den Lacklieferanten zu informieren. Dort sind die speziellen Eignungen der Versiegelungen in Kombination mit den diversen Holzarten bekannt. Und taucht einmal ein unbekanntes Holz auf, mit dem man keine Erfahrungen hat, hilft immer ein vorheriger Test mit einer Probeversiegelung, um die Wechselwirkungen zwischen Holz und Lack zu beurteilen. Mit Gitterschnitten können zum Beispiel Haftungsprobleme erkannt werden und im Übrigen Aussagen zu Fragen der Farbwirkung oder Aushärtungsproblemen getroffen und damit Störungen weitgehend vermieden werden. Gerade die Farbwirkung der Hölzer kann bei der Verwendung verschiedener Versiegelungen höchst unterschiedlich sein.
Ein Wasserlack erzielt ein anderes Bild als etwa ein Ölkunst-harzsiegel. Das, was eigentlich für jedes Holz gültig ist, spielt bei den farbintensiven Tropenhölzern eine ganz besondere Rolle. Dazu kommt dann im Laufe der Nutzung das Ausbleichen bzw. ein Nachdunkeln durch UV-Lichteinfluss, ein ebenfalls den Parkettleger immer wieder beschäftigendes Phänomen, das zum Beispiel bei Holzarten wie Padouk oder Muiracatiara bisweilen recht heftig ausfallen kann.
Doch es gibt noch eine ganze Reihe anderer Besonderheiten.
Ungewollte Erscheinungsbilder
Das Holz Merbau, um das es wegen der nur noch knappen Verfügbarkeit spürbar ruhiger geworden ist, weist zum Beispiel wasserlösliche Inhaltsstoffe auf. Das führt zu bisweilen sehr langen Trockenzeiten und kann unmittelbar erkennbar werden, wenn die Lackwalze bereits beim Versiegeln eine rote Farbe annimmt.
Bei Merbau gibt es noch ein anderes Erscheinungsbild. Schwefelgelbe Gefäßeinlagerungen unterschiedlichen Ausmaßes können die Filmbildung des Lackes beeinträchtigen. Selbst Abschleifen und Neuversiegeln bringt keine Abhilfe, weil sie auch in tieferen Schichten auftreten. Diese natürliche Eigenheit ist allerdings nicht nur auf Merbau beschränkt, sondern betrifft eine Reihe von Exoten. So enthält Doussie Siliziumverbindungen, die die Optik des extravaganten Holzes durchaus beeinträchtigen können. Bei Jatoba ist in den vergangenen Jahren ein ähnliches Verhalten bekannt geworden mit zum Teil nicht unerheblichen optischen Auswirkungen. Iroko/Kambala enthält Kieselsäureeinlagerungen, die durch Versiegelungen angelöst und zu Trocknungsverzögerungen führen können. Bekannt ist bei diesem Holz zudem die sehr schnell vonstatten gehende Verfärbung bzw. die Reaktion der Inhaltsstoffe mit den UV-Anteilen des sichtbares Lichtes und des Luftsauerstoffes.
Wengé zeigt ebenfalls gelbliche Gefäßeinlagerungen unterschiedlichen Ausmaßes, die beim Einsatz basischer Siegel zu Schlierenbildungen führen können, was gerade bei diesem dunklen Holz sehr ins Auge fallen kann. Ipé/Lapacho enthält schwefelhaltige Verbindungen und offenbart gelegentlich blutrote Verfärbungen, wenn basische Lacke auf diesem Holz zum Einsatz kommen. Von Teak kennt man die Alkaloide, die toxisch wirken können und beim Schleifen aus Gründen des Arbeitsschutzes eine Maske erfordern. Eine Versiegelung hilft hier wenig.
Übrigens: Die bauaufsichtlichen Zulassungen des DIBt, die seit Januar 2011 auch für Fußbodenversiegelungen gelten, werden sicherlich langfristig auch nicht das Problem jedweder Emissionen von Fußbodenlacken im Zusammenhang mit Exotenhölzern außer Acht lassen.
Hölzer wie Birnbaum oder Kirsche, beide zwar nicht aus tropischer Herkunft, aber durchaus exotisch, sollten genauso wenig wie Doussie mit wasserbasierten Siegeln behandelt werden. Fleckenbildungen bzw. Rollspuren der Lackwalze sind ansonsten möglich, bei Kirsche sind bisweilen unschöne Farbreaktionen bekannt. Allerdings gibt es mittlerweile Öl-Wasserlack-Kombinationen bzw. anfeuernde Grundierungen, die auch bei diesem Holz intensive Farbwirkungen hervorrufen. Das sollte der Handwerker beim Hersteller erfragen, wenn er ein UV-Lack-behandeltes Kirschenparkett abschleifen und neu versiegeln muss.
Was ist also zu tun? Die Lacke wie SH-Siegel bzw. DD-Lacke, mit denen man gute Erfahrungen hatte, sind nicht mehr einsetzbar. Wasserlacke funktionieren nicht immer. Häufig bieten Öl oder Hartwachsölbehandlungen gute Ergebnisse. Das gilt für die Optik wie auch die Technik.
Informationen einholen
Kuttler rät dazu, den Kontakt zu den Versiegelungsherstellern zu suchen und außerdem sich ständig auf dem Laufenden zu halten. So halte Eukula nicht nur die entsprechenden Informationen, sondern auch die geeigneten Produkte bereit.
Ein Problem, das auch immer wieder zu Tage tritt, ist der Weißbruch bei Exotenhölzern. Bei den zumeist dunkleren Holzarten ist dieses Phänomen manchmal sehr augenfällig.
Die Überlastung von Versiegelungen durch zumeist feuchtebedingte Einflüsse auf das Holz (Schwindung, milchige Fuge) sind mit den gültigen Pflegeanweisungen, die die Einhaltung geeigneter Raumluftbedingungen zum Vertragsbestandteil zwischen Verleger und Abnehmer machen, zwar nicht allumfassend abgedeckt, aber immerhin doch einigermaßen geregelt. Lacke haben eben immer nur eine gewisse Dehnbarkeit, das heißt, hygroskopisch bedingte Dimensionsveränderungen des Holzes werden nur in bestimmtem Umfang aufgefangen.
Das fällt gerade bei den farbintensiven, oft sehr dunklen Exoten ins Auge, die zuweilen auch recht ansehnliche Quell- und Schwindmaße aufweisen. Deshalb ist es bei dunklen Exoten auch wichtig, dass alle Fugen oder Vertiefungen mit entsprechendem Holzkitt ausgespachtelt werden, denn ein Einlaufen des Siegels kann im Einzelfalle bei mehr oder weniger seitenverleimenden Effekten zu deutlichem Weißbruch führen. Letztlich kommt auch der Reinigung und Pflege des Exotenparketts eine besondere Bedeutung zu, sagt der Anwendungstechniker.
Walter Pitt
walter.pitt@t-online.de